Nach The Punisher kommt nun wieder ein Revenge-Thriller in die deutschen Kinos, der allerdings um Längen mehr zu bieten hat. Das liegt vor allem daran, dass man sich diesmal Zeit für Charaktere und Story nimmt. Außerdem überzeugen die filmischen Spielereien Tony Scotts und auch die Leistung des Hauptdarstellers.
Mit diesem Film hat sich Tony Scott nun endlich seinen Traum erfüllt, denn schon 1987 wollte er unbedingt den Roman von A.J. Quinnell verfilmen. Doch aufgrund der Tatsache, dass er damals noch zu unbekannt war, durfte er nicht und die Regie wurde einem anderen überlassen. Doch heute sieht das ganz anders aus und für sein Remake konnte er auch Größen wie Denzel Washington und Christopher Walken verpflichten.
Nur widerwillig nimmt der Ex-Marine Creasy einen Job als Bodyguard an. Von seinem Freund Reyburn gedrängt, soll er auf die 10jährige Pita aufpassen, deren Eltern große Angst um sie haben, da in den letzten Wochen mehrere Kinder in Mexico City entführt wurden. Es dauert nicht lange bis auch sie Opfer dieser kriminellen Bande werden soll.
Inwiefern Brian Helgelands Adaption zum Buch steht und wie es mit dem Vergleich zum Original aussieht kann ich leider nicht sagen, da mir Beide bisher unbekannt waren. Doch man muss dem Film zugestehen, dass die Story für einen typischen Rachethriller nicht mal schlecht ist. Zwar wurde es an manchen Stellen etwas unglaubwürdig und übertrieben geschildert, aber im Großen und Ganzen weiß der Plot einigermaßen zu überzeugen.
Man merkt Regisseur Tony Scott richtig an, wie wichtig ihm dieser Film war, da er noch mehr Spielereien in den Film steckte, als sonst. Zu Beginn werden wir mit einer richtig coolen Opening Sequenz beglückt. Aber in der folgenden halben Stunde beweist Scott, dass er es auch ruhig angehen kann, worauf er dann die restlichen zwei Stunden das Tempo des Filmes immer höher schraubt. Dies ist ihm gut gelungen, ebenso wie einige seiner Spielereien, wie zum Beispiel die außergewöhnlichen Untertitel wenn spanisch gesprochen wird. Aber manchmal treibt er es mit seinen schnellen Schnitten, die sogar Moulin Rouge Konkurrenz machen könnten, etwas zu weit, so dass die ganze Inszenierung manchmal etwas zu überladen wirkt.
Den Darstellern kann man eigentlich nicht viel vorwerfen, aber Lob kann man auch nicht verteilen. Oscargewinner Denzel Washington liefert eine gewohnt souveräne Darbietung ab, die jedoch schon fast zu seinem Standard-Repertoire gehört. Ich bin Sam-Star Dakota Fanning, die aktuell wohl beste Kinddarstellerin, gefiel in ihrer Rolle und konnte erneut ihr Talent unter Beweis stellen. Christopher Walken verkümmert leider, wie in letzter Zeit viel zu oft, in einer Nebenrolle, in der er nicht mal ansatzweise sein Potential beweisen kann.
Festzuhalten bleibt, dass Tony Scott mit seinem Traum, Mann unter Feuer neu zu verfilmen, zwar einen durchaus spannenden und teilweise gut inszenierten Revenge-Thriller auf die Leinwand gezaubert hat, der in seiner Kompromisslosigkeit den kürzlich angelaufenen The Punisher um Längen schlägt und trotz seines Overkills an Spielereien doch einen positiven Gesamteindruck hinterlässt.