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Fahrenheit 9/11

(Fahrenheit 9/11, 2004)

Durchschnittliche Redaktionswertung

81%



Inhalt

Die Dokumentation des offensiven Bush-Kritikers Michael Moore beschäftigt sich mit den Hintergründen des Anschlages vom 11. September und beleuchtet, inwieweit Geldgier und Öl eine Rolle beim Irakkrieg spielen.

Kritik

von Thomas Straßer

Wertung Kritik

86%

Dokumentarfilmer Michael Moore präsentiert in seinem neuen Film interessante Fakten und wirft mit Hilfe von erschütternden Bildern und provokativen Aktionen einen äußerst kritischen Blick auf die Präsidentschaft von George W. Bush und deren Folgen. Diese entlarvende Dokumentation sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Bild aus Fahrenheit 9/11 Nach dem überwältigenden Erfolg seiner Dokumentation Bowling for Columbine, in der er die Probleme die US Gesellschaft in Bezug auf Schusswaffen anprangerte, beleuchtet Michael Moore nun die Präsidentschaft von George W. Buch und die Folgen des 11. Septembers. Seine Abneigung gegenüber dem 43. US-Präsidenten ist spätestens seit seinem Auftritt bei der Oscar-Verleihung 2003 hinlänglich bekannt, weshalb man damit rechnen konnte, dass er in seinem Film schwere Geschütze gegen George W. Bush auffahren würde. Untermauert mit zahlreichen Fakten und erschütternden Bildern zeichnet Moore in seinem Film das Bild eines überforderten und charakterschwachen Präsidenten, der die falschen Entscheidungen traf und sich dabei zu sehr von den Interessen seiner Freunde und Gefolgsleute leiten lies.

Zu Beginn von Fahrenheit 9/11 beschäftigt sich Michael Moore mit der umstrittenen Wahl von George W. Bush und den dubiosen Umständen unter denen sein entscheidender Sieg im Bundesstaat Florida zustande kam. Im Anschluss daran thematisiert er die Fehler der Geheimdienste und der Regierung, die im Vorfeld des 11. September begangen wurden und eventuell daran Schuld sind, dass diese Anschläge überhaupt möglich waren bzw. nicht verhindert wurden. Auch der Anschlag selbst ist Teil des Films, wobei Moore die Bilder weglässt und die beiden Einschläge der Flugzeuge nur akustisch auf das Publikum wirken lässt. Gefolgt werden diese Eindrücke von einem überforderten Präsidenten, der, nachdem er von den Anschlägen erfahren hat, mehrere Minuten hilflos vor einer Schulklasse sitzen bleibt, anstatt sich an seine geschockte Nation zu wenden.

Nach dem äußerst kritischen und enthüllendem Blick auf Präsident Bush widmet sich Michael Moore in Fahrenheit 9/11, dem interessanten Beziehungsgeflecht des Bush-Clans. Dabei kommt beispielsweise zum Vorschein, dass hier interessante monetäre Beziehungen zu den Saudis und zur Waffenlobby bestehen. Hierbei wird gezeigt, dass die Angehörigen der Familie Bin Laden nach dem Anschlag ungehindert aus den USA ausreisen durften. Durch die Beziehungen zur Waffenlobby erscheinen auch die beiden unter Bush geführten Kriege in Afghanistan und im Irak in einem etwas anderen Licht und man muss erkennen, dass der Kampf gegen den Terrorismus nicht das einzige Motiv war. Im letzten Drittel des Film wird schließlich die Sinnlosigkeit des Irak-Krieges, der etwas fragwürdige "Spaß" vieler junger Soldaten am Krieg und der Schmerz der Hinterbliebenen von Kriegsopfern thematisiert.

Michael Moore bleibt seinem Stil in Fahrenheit 9/11 weitestgehend treu und stellt die Probleme mit teils sarkastischen Mitteln an den Pranger. Auch seine extreme und provokative Art, auf Missstände aufmerksam zu machen, kommt in dem Film nicht zu kurz. So fährt er beispielsweise vor dem Capitol auf und ab und liest den Kongressmitgliedern den US Patriot Act vor, nachdem er sich von einem entgeisterten Abgeordneten bestätigen lies, dass die meisten Gesetze nicht gelesen werden, bevor über sie abgestimmt wird. Das mag bei vermeintlich "unwichtigen" Gesetzten durchaus "branchenüblich" sein, aber wie kann man über ein Grundrechte beschneidendes Gesetz, wie den Partiot Act, abstimmen, ohne sich vorher intensiv damit beschäftigt zu haben? Die meiste Zeit des Films begnügt sich Moore allerdings mit der Rolle des Erzählers und kommentiert seine Bilder. Nur manchmal tritt er selbst vor der Kamera auf und greift zu seinen gerade skizzierten Methoden.

Mit Fahrenheit 9/11 ist Michael Moore erneut eine sehr kritische und wachrüttelnde Dokumentation gelungen. Denn obwohl die präsentierten Fakten für Politikinteressierte nichts Neues darstellen, bekommen sie durch die Untermalung mit Bildern eine neue Dimension und prägen sich nachhaltiger ein. Auch die Auswirkungen des Films auf den Ausgang der Präsidentschaftswahl im November sind nicht von der Hand zuweisen, was sich allein daran zeigt, dass der Film in den USA große Probleme hatte, einen Verleiher zu finden. Denn der Film bläst frischen Wind in die Segel den Bush-Gegner und wird auch bei den bisherigen Getreuen einige Fragen aufwerfen. Diesen kritischen Blick auf die 43. Präsidentschaft und deren Folgen für Welt, sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Kurzkritik

von Florian Tritsch

Wertung Kurzkritik

75%

Fahrenheit 9/11 widmet sich den Vorfällen vor und nach den geschichtsträchtigen Terroranschlägen auf eine gelungen satirisch-wütende Weise. Oder um es anders zu sagen: Der nun mehr dritte Film von Michael Moore trägt voll und ganz die Handschrift des populäreren amerikanischen Regierungsgegners.
Allerdings verliert die Dokumentation ab der Mitte an Fahrt und wird stellenweise recht zäh. Dazu muss sich Moore hier einmal mehr den Vorwurf gefallen lassen, dass seine Argumentation zu einseitig ausfällt und sich mit seinem Gut-Böse-Schema wohl doch deutlich näher am Populismus der von ihm kritisierten Medien befindet, als er es vielleicht gerne hätte.



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