Nach Old School - Wir lassen absolut nichts anbrennen, Verliebt in eine Hexe, Fussballfieber - Elfmeter für Daddy und Auftritten in Filmen wie Starsky & Hutch, Boat Trip und Jay and Silent Bob schlagen zurück zeigt uns Will Ferrell in dieser hinreissend überdrehten Komödie, warum er momentan zu den sichersten Garanten für lustige Filme zählt. Der Anchorman überzeugt mit einem gut aufgelegten Cast, einer fast nostalgischen Handlung, vielen skurrilen Figuren und einem sehr abwechslungsreichen Humor. Fans des aus Saturday Night Live bekannten Komikers kommen hier voll auf Ihre Kosten!
Entweder man liebt ihn für seine durchgeknallte Art, oder man hasst Ihn: Will Ferrell polarisiert, wie jeder andere Komiker auch. Doch wer für seinen Humor zu haben ist, hat dank ihm schon viele Stunden mit lachen verbracht, und das ist in diesem Film nicht anders.
Ron Burgundy ist im San Diego der siebziger Jahre der Nachrichtensprecher schlechthin. In einem von Männern dominierten Beruf regiert er mit seinem Team - bestehend aus Ihm selbst als Anchor, Champ Kind (zuständig für Sport), Brian Fontana (Aussenreportagen) und Brick Tamland (Wetter) - an oberster Stelle der Rangliste für Nachrichtensendungen. Alles läuft hervorragend in seinem Leben, welches neben dem Job hauptsächlich aus Parties, Frauen anmachen und stundenlangem Blödsinn reden besteht, als plötzlich eine neue Mitarbeiterin namens Veronica Corningstone auftaucht. Sofort ist Ron Feuer und Flamme für sie und kann Ihr Herz auch wirklich erobern. Was er dabei aber als Witz unter den Teppich kehrt, bringt sehr bald grosse Probleme in diese neue Liebe: Veronica möchte selbst Anchor einer Nachrichtensendung werden, und dies als erste Frau überhaupt. Als Ron, wegen einem Zwischenfall bei welchem sein Hund von einer Brücke fliegt (hier sieht man Jack Black mal in einem etwas anderen Gastauftritt), einmal zu spät kommt, liest Veronica kurzerhand die Nachrichten vor... und überzeugt alle. Fortan sollen Ron und Veronica ein Team bilden und zusammen die Sendung leiten. Da Ron sich aber von seiner inzwischen ehemaligen Freundin hintergangen fühlt, ist dies die Grundlage für einen Geschlechterkampf, wie Ihn die Nachrichtenwelt noch nicht gesehen hat.
Bei Der Anchorman weiss man gar nicht, wo man anfangen soll: Ist es die spassige Handlung, der irrwitzige Humor, die sonderbaren Gestalten oder doch die völlig abstrusen Dialoge, welche den grössten Anteil am Spass bringen? Je mehr man darüber nachdenkt, umso mehr muss man sich eingestehen, dass es die Mischung all dieser Zutaten ist. Da hätten wir als erstes das vollkommen debile Team um Ron Burgundy herum: Champ ist ein leicht homosexueller Sport-Freak der sich hinter seinem Kampfschrei versteckt um keinerlei Schwächen erkennen zu lassen, Brian ist ein ewig lächelnder Strahlemann der abgesehen von seiner Mähne, seinen aphrodisierenden Duftwässerchen und seinem Kamm recht wenig zu bieten hat und Brick - hervorragend gespielt von Steve Carell, den man nach Bruce Allmächtig hier unbedingt wieder hervorheben muss - ist der wohl dümmste Wettermann der Welt. Nie hat er irgendeine Ahnung davon, was gerade läuft oder warum er eine grosse rote Kerze gegessen hat und teilweise entfällt ihm sogar sein eigener Name! Hinzu gesellen sich viele weitere Nachrichtensprecher anderer Sender, welche allesamt auch irgendwie alles Andere als normal sind, wie zum Beispiel Rons Erzfeind Wes Mantooth alias Vince Vaughn oder der Sprecher der Spanish News Ben Stiller. Diese Ansammlung von überspitzten Charakteren wurde mit sinnentleerten Dialogen gepaart, und dann hat man das Ganze noch mit Nachrichten über Eichhörnchen auf Wasserskis, dem konstant deplazierten Spruch "When in Rome...", einer splatterigen Schägerei und dem typischen Will Ferrell-Humor gespickt. Das Rezept funktioniert, weshalb es für gut eineinhalb Stunden eine überraschend hohe Gagdichte gibt, wodurch der Spass bis zum Schluss erhalten bleibt.
Die meisten Gags in diesem Film gehen auf die Rechnungen von Will Ferrell - der auch am Drehbuch mitgearbeitet hat - und Steve Carell: Beide schaffen es in jeder einzelnen Ihrer Szenen, einen Volltreffer zu landen! Auch Christina Applegate gefällt hier viel besser als in dem seichten Flight Girls und avanciert somit schnell zur Sympathieträgerin. Der restliche Cast ist mit vielen bekannten Gesichtern gefüllt, und alleine deswegen ist Der Anchorman mindestens einen Blick wert. Dazu kommt der Feelgood-Soundtrack, die gute Regiearbeit und das passende Timing, womit es auch vom Handwerklichen her wenig zu bemängeln gibt. Natürlich ist die Handlung hin und wieder etwas vorhersehbar, doch das stört hier kaum.
Wer sich von der Filmbeschreibung etwas in die Irre leiten liess und einen relativ ernsthaften Film erwartet, dem sei hier gesagt: Nein! Der Anchorman ist eine zum brüllen komische Satire auf Männerfreundschaften und eine Komödie über Gleichberechtigung. Ein Gag folgt dem Anderen und man muss schon aufmerksam bleiben, um nichts zu verpassen. Wer Will Ferrells Humor liebt, dem sei diese viel zu wenig beachtete Perle wärmstens empfohlen! "Good Night... and thanks for stopping by!"