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Das "Ein Quantum Trost"-Tagebuch



3 Tage in London - alles im Zeichen von James Bond! Das hat unser Autor Dimitrios für Euch erlebt. Hier berichtet er nun in seinem Tagebuch über seine Erlebnisse mit dem berühmtesten Agent der Welt!

Tag 1

8.00 Uhr morgens, der 17. September, Flughafen Köln, die Frisur sitzt und reichlich Kaffee hat geholfen nach einer, vor Aufregung schlaflosen Nacht, wieder auf Trapp zu kommen. Gleich geht der Flieger, der mich dorthin bringen wird, worum mich viele Filmfreunde beneiden könnten: nach London, in eine der pulsierendensten Metropolen Europas. Ein unglaubliches Programm erwartet mich, bei einem James Bond Event allererster Kajüte: vier Tage voller Action. Abenteuer und Adrenalin, fast so gut, wie der im November in den deutschen Kinos anlaufende neue Bond Ein Quantum Trost, doch wohl nur fast.

Während die Maschine schnell an Höhe gewinnt und sich gleich einem heißen Messer wie durch warme Butter, durch die milchig-trüben und tief hängenden Wolkenschichten schneidet, gehe ich im Kopf noch einmal die Programmpunkte durch: Treffen mit Lucy Fleming, der Nichte des berühmten Bondautors Ian Fleming, Roundtable-Interviews mit Hauptdarsteller Daniel Craig und Regisseur Marc Forster, Lunch in Oak Room der Pinewood Studios mit Executive Producer Anthony Waye. Anschließend eine Tour durch die selbigen und durch die For Your Eyes Only Flemming-Ausstellung im Imperial War Museum. Und am letzten Tag rockt der Asphalt: Aston Martin Testdrive.

Mein Flieger gleitet eine gute Stunde durch den luftigen blauen Ozean und setzt pünktlich zur Landung an. Touchdown am Heathrow Airport. Ein Fahrer holt mich ab und die Tour zum Hotel dauert in der Rush Hour genauso lange wie der Flug selbst. Macht nichts. Der Fahrer ist ein wahnsinnig netter Mensch, macht für mich den Gratisreiseführer und schwärmt mir einen von London vor. Ich glaub ihm alles. Schon beim Durchfahren sieht diese Stadt enorm interessant aus. In Deutschland bin ich in Köln zu Hause, und das ist nicht gerade ein Dorf, aber London ist einfach ein paar Nummern größer. Da kommt kulturell sogar schwerlich Berlin ran.

Im Hotel habe ich Zeit mich etwas mich auszuruhen. Der erste, bald anstehende Termin ist das Treffen mit Ian Flemings Nichte beim English Tea. In einem Traditionsteehaus lassen wir uns alle nieder: wir die Schreiberlinge aus aller Welt (USA, Italien, Spanien, Russland, Japan und natürlich Deutschland) und das Sony Pictures Team, das diese Tour veranstaltet, eingeladen hat und uns alle bestens betreut. Lucy Fleming, erzählt allerlei Details, die vielen nicht bekannt sein dürften: beispielsweise die Tatsache, dass Ian Fleming selber beim Marine Nachrichtendienst während des II. Weltkriegs war und sich in dieser Zeit sein Wissen um die Welt der Spione aneignete. Und was für ein herzensguter, großzügiger und hilfsbereiter Mensch er war, der leider viel zu früh von uns ging. Er hat aber etwas hinterlassen: Eine ganze Reihe Romane, Novellen und Erzählungen, welche die Vorlagen für die Erfolgreichste Kinofilm-Serie aller Zeiten bilden: für James Bond, der mit dem aktuellen Streifen in die 22. Runde geht.

Auch wenn Tee und englische Häppchen nicht wirklich mein Ding sind – ich bin nun doch mehr der "Kaffe und was Handfestes" Typ ist das alles wahnsinnig interessant. Dieser Frau könnte man stundenlang zuhören. Nach dem Tee geht es in eine Cocktail-Bar (nicht zum meinem ganz großen Verdruss muss ich zugeben) und zwei Bond-Cocktails des Hauses später, ist man nun endgültig auf dem richtigen Level der Lockerheit angekommen. Das schöne dabei: Off Records ergeben sich einige spannende Gespräche mit den Kollegen und auch mit der Sonycrew. Und hier menschelt es wirklich und man spürt, die tun nicht einfach so, die sind wirklich so nett und im besten Sinne filmverrückt.

Leicht Wodka-Martini angelockert geht es zum Filmscreening. Wir bekommen etwa zehn Minuten des neuen Bonds zusehen. Und kurzgesagt, denn ich will Euch nicht die Vorfreude verderben oder zuviel verraten: düster, dramatisch und voller Action ist das Ding allemal. Allerdings habe ich nur diese zehn Minuten, die chronologisch nicht einmal zusammenhängen, gesehen und will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Geschlaucht im Hotel zurück, reicht die Kraft gerade noch aus den Bericht in das Notebook zu hämmern. Auf jeden Fall ging es schon mal sehr gut los – auf in nächste Runde.

Tag 2

Das Herz schlägt einem schon schneller, man kann es auch verhindern. Auch wenn man schon Staatssekretäre, Verbandsvorsitzende oder schon mal einen Minister vor dem Mikro hatte – es ist schon etwas anderes: Topregisseuren und Filmstars haftet ein Nimbus an, der vor einer Begegnung ein ganz besonderes Kribbeln aufkommen lässt. Insbesondere Filmstars erobern sich durch ihre Leinwandpräsenz in unseren Köpfen und Herzen einen ganz besonderen Platz.

Wir müssen uns aber noch einige Minuten gedulden. Also sitzt die gesamte Truppe in einem Vorraum einer Hotelsuite und wartet auf Einlass. Irgendwo hinter einer der verschlossenen Türen werden wir Mark Forster und Daniel Craig treffen und interviewen. Das Warten wird zur Geduldprobe, die innere Anspannung wächst, im Kopf geht man immer wieder die Fragen durch – werden diese Anklang finden, wird es gute Antworten geben, wird die Zeit reichen nachzuhaken?

Es kommt jemand herein und wir werden aufgefordert zu folgen – endlich geht es los. In einem anderen Raum nehmen wir an einem runden Tisch platz, in der Mitte stehen Mikros, ein Kameramann ist auch anwesend. Noch ein wenig warten, man scherzt untereinander, versucht sich locker zu machen, dann Trouble: Mark Forster betritt den Raum, schaut sich kurz in der Runde um, begrüßt mit einem Kopfnicken jeden – schaut mich etwas länger an und sagt: Wir kennen uns doch… Ich kann nur den Kopf schütteln und höre mich Bis jetzt noch nicht sagen (ich wüsste auch nicht woher).

Ein introvertierter Typ, spröde, ein wenig "gehetzt" wirkend, aber sympathisch. Wir legen los und reihum bekommt er die Fragen der Fans gestellt. Und Forster antwortet auf alles, wirkt dabei ruhig und authentisch, macht keine großen Gesten. Bei ihm zählt der Inhalt der Antwort. Nur einmal hält er inne – als er gefragt wird, wie Daniel Craig eine bestimmte Sache interpretiert…das müssen Sie schon Daniel fragen, fasst er sich kurz. Schlag auf Schlag geht es weiter, dann ist alles schon wieder vorbei. Wir bleiben sitzen und Forster verlässt den Raum – gleich ist Craig an der Reihe.

Ein paar Augenblicke später kommt er auch schon herein. Nicht allein, die Produzentin Barbara Broccoli ist mit dabei – sie ist viel jünger als ich gedacht hätte – und hübscher. Eine großgewachsene feminine Erscheinung mit langem dunkelblondem Haar. Craig hat den rechten Arm in einer Schlaufe. Na, ob da beim Dreh was schief gelaufen ist? Als er darauf angesprochen wird, sagt er: Ein kleiner Unfall beim Fischen! Aha, wusste nicht, dass "Fischen" solch ein gefährliches Hobby ist. Craig ist ganz anders als Forster. Nimmt sofort Blickkontakt auf, begrüßt jeden mit Handschlag – auch wenn es in diesem Falle nur die Linke ist. Schauspieler halt – Vollprofi. Mimik, Gestik, Körpersprache sitzen perfekt. Dabei wirkt er gar nicht besonders groß oder "kantig". Aber Craig weiß sich zu inszenieren, Präsenz zu gewinnen. Bleibt aber bei all dem sehr authentisch. Ich kann mir schon denken, warum die Frauen ihn mögen, und auch als Kerl würde man gerne mit ihm ein kühles Blondes heben gehen, aber ich frage nicht – wahrscheinlich hat er abends was besseres vor.

Reihum stellen wir wieder Fragen, dasselbe Prozedere wie schon bei Forster, doch diese Runde ist wesentlich lockerer, lustiger. Und Barbara Broccoli leistet ihren Part dazu: Die Produzentin weiß sich auch selber gut zu produzieren. Die Zeit rast nur so dahin und kaum das wir es uns versehen, ist auch diese Runde rum. Craig und Broccoli verabschieden sich. Im Bus geht es in die Pinewood-Studios. Der bekannte Autor und Bondexperte Dave Worrall, der eines der meistverkauften Bondbücher verfasst hat, The Essential James Bond, versorgt uns mit reichlich Informationen zu den Filmen und Darstellern. Nur über Sag niemals nie meinem Favoriten wird kein Wort verloren. Heikles Thema, dieser Bond wurde wegen Lizenzstreitigkeiten nicht vom Broccoliteam und EON-Productions gemacht und ist ein atypischer Bond. Trotzdem, mein Favorit.

In den Studios geht es erstmal zum Lunch in den Oak-Room – ein beeindruckendes Plätzchen, sehr nobel. Antony Waye einer der ausführenden Produzenten gesellt sich zu uns. Beantwortet beim Essen ein paar Fragen. Ich kann es mir nicht verkneifen ihn zu fragen, ob er sich vorstellen kann, dass es eines Tages (natürlich lange nach Daniel Craig) einen farbigen Bond geben könnte – oder einen asiatischen. Eigentlich nein, antwortet er. Wenn man sich an die literarische Vorlage Flemmings hält, muss Bond aus dem British Commenwealth sein. Na und frage ich mich. Wir leben doch im Globalisierungszeitalter. Man braucht sich auf den britischen Inseln nur umzusehen. Da laufen jede Menge "coulered people" rum. Ich belasse es dabei, will mich ein bisschen in "british understandment" üben. Als das Thema jedoch auf das 10-mimütige Screening vom Vortag kommt, muss ich wieder einen loslassen: Da war ein eindrucksvoller Fight, zwischen Bond und einem Killer, der erinnerte mich doch sehr an manches Duell aus der Bourne-Reihe. Das kommt nicht gut an merke ich, als ich es schon gesagt habe…zu spät. Aber was solls, war ja keine Kritik. Auch im Film ist die Anzahl der Stilmittel endlich.

Anschließend geht es durch die Studios, aber das ist weit weniger spektakulär als erwartet: Goldfinger Avenue hier, eine der größten Bluescreen-Wände da, obendrein ein paar nette Anekdoten vom Autor Worrall: beispielsweise, wo man einen kompletten gothamer Straßenzug für einen der alten Batman-Filme aufgebaut hatte (es ist aber jetzt nichts mehr zu sehen – da muss die eigene Phantasie schon reichlich arbeiten). Es folgen eine kleine Tour durch eine interne Ausstellung mit allerlei Requisiten anderer Filme und ein Stopp an einem studiointernen Shop mit einer großen Vielfalt an T-Shirts mit Pinewood-Logo. Zum großen Gefallen unserer amerikanischen Kollegen (Heuschrecken sind nichts dagegen – mit dem Umsatz ist Bond Nummer-23 garantiert). Nach 15 Minuten vor-der-Tür-warten und Synchronkopfschütteln gemeinsam mit dem italienischen Kollegen, frage ich leicht ironisch: Are there any T-Shirts left? Mit reicher Beute zurück fragt mich eine Kollegin: Don’t you bye anything? No, I’ve enough T-Shirts at home., antworte ich.

Endlich geht es weiter: ins Imperial War Museum, in die Flemming-Ausstellung For Your Eyes Only. Das IWM ist allerdings schon ein cooles Plätzchen. Eine Art Spielplatz für große Jungs. Soviel Kriegsspielzeug an einem Ort habe ich noch nie gesehen – natürlich darf man nicht vergessen, wofür diese Dinge eigentlich gemacht wurden. In der Ausstellung erfährt man allerhand Details aus Flemmings Leben, seine Zeit beim Marine-Nachrichtendienst und sieht allerlei Spionspielzeug, dass den Filmemachern als Vorlage für die lieb gewonnen Gadgets diente. Wir sind aber spät dran (schönen Dank an die T-Shirt-Heuschrecken), so dass nicht viel Zeit im Museum und in der Ausstellung bleibt. Überaus höflich-britisch werden wir hinauskomplimentiert. Was für ein Tag – aber ich freue mich schon auf morgen und den Aston-Martin-Testdrive.

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