Das "Ein Quantum Trost"-Fanspecial



England:
Gibt es einen Charme-Konflikt zwischen dem etwas dekadenten Original-Bond und dem neuen, athletischen Bond?
Daniel Craig:
Ich wollte, dass der Mann rüberkommt, als wäre er soeben vom Militär gekommen. Also musste er auch so aussehen. Wenn Du den Charme der alten Sean Connery-Filme meinst: Ich bin nicht Sean Connery. Er hat damals fantastische Arbeit abgeliefert, aber dieser Stil war zu der damaligen Zeit. Das werde ich nie kopieren. Ich werde generell nie kopieren, was ein anderer schon abgeliefert hat. Gebt mir etwas Zeit, und ich liefere Euch eine Vorstellung, die über das Aussehen der Figur hinausgeht. Im Moment ist dies jedoch, womit wir arbeiten, wofür wir uns entschieden haben. Ich denke, Filmemachen ist heutzutage besonders aufregend, weil wir die beste Technologie aller Zeiten dafür haben.

Japan:
Wie war die Arbeit mit Olga?
Daniel Craig:
Fantastisch! Ich meine, Olga wurde quasi komplett ins kalte Wasser geschmissen, nicht? So ein Casting ist immer schwierig, aber mit Olga fanden wir jemand besonderen. Es war nicht einfach, da die Geschichte ihrer Figur parallel zu meiner läuft. Ich will nicht zuviel verraten, aber ein bisschen Rache kommt in unserer Geschichte vor, und Olga trägt eine Art dunkles Geheimnis. Sie hatte eine Menge Spaß, auch wenn sie ein wenig durchgeschüttelt wurde. Aber sie hat alles gut ausgehalten.

Russland:
Praktisch jeder erwartet einen Film wie Casino Royale, aber wie ist denn Bond-22 nun wirklich?
Daniel Craig:
Oh nein, ganz sicher ist der Film nicht wie Casino Royale. Wir hatten mit Casino Royale einen Riesenerfolg, den wir auch gern wiederholen würden, aber, und da will ich niemandem was vorlügen, wer weiß? Wir wollten mit der Wucht von Casino Royale weitermachen und eine darin noch offene Geschichte abschließen, bevor wir neu anfangen. Aber es war wichtig, die offenen Handlungsstränge aus Casino Royale zum Abschluss zu bringen.

Spanien:
Wir müssen es einfach fragen: Ihr Lieblings-James Bond-Darsteller und ihr Lieblingsfilm aus der Reihe?
Daniel Craig:
Ich denke, mein Lieblings-Bond-Film ist „Liebesgrüße aus Moskau“, Die frühen Bonds, so auch „Dr. No“, sind ganz besonders gut gelungen. Da stimmte einfach alles, vom kompletten Aufbau bis zum Look and Style. Der Stil hat in den 60ern wirklich alles, insbesondere aber auch das Filmemachen nicht nur hier in Europa, sondern auch in den Staaten beeinflusst. Der Look des Kalten Krieges generell hat wirklich eine Menge anderer Filme beeinflusst, von denen allerdings keiner besser war als die Bond-Filme. Außerdem mag ich die Bösewichte. Für mich war Robert Shaw einer der besten Bond-Bösewichte.

Italien:
Ein Quantum Trost spielt direkt im Anschluss an „Casino Royale“. Wird die Beziehung zwischen James Bond und dem neuen Bond-Girl durch den Tod Vespers überschattet?
Daniel Craig:
Ich glaube nicht. Ich denke, es handelt sich hier um eine andere Art von Beziehung. Fiona Atterton, die im aktuellen Bond diesen Part spielt, hilft ihm ein wenig, über den Verlust hinwegzukommen.
Doch die neue Beziehung mit Olga geht viel eher darum, was in den Köpfen der beiden vor sich geht. Unter anderen Umständen könnten die Dinge anders laufen, doch da beide eine Mission haben, geht das nicht. Es hängt also davon ab, wie Sie die Beziehung definieren.

Frankreich:
Was trägt ein Französischer Schauspieler wie Mathieu Amalric zu einem Bond-Bösewicht bei? Und sind Französische Schauspieler generell die besseren Bond-Bösewichte?
Daniel Craig:
Diese Frage wird mir oft gestellt, weil es schon Schweizer Bösewichte gab, Österreichische, Englische, Deutsche... und immer kommt die Frage, ob eine bestimmte Nationalität die besten Bösewichte abgibt. Ich denke, sie alle liefern gute Bösewichte. Mathieu ist ein wunderbarer Schauspieler, und wir hatten echt Glück, ihn zu bekommen. Er bringt etwas speziell Mathieu-typisches mit, etwas wirklich herrlich Krankes. Er hat einige besonders verschrobene Ansichten, und das ist genau, was wir brauchten. Ich hätte mir nicht mehr wünschen können. Und ja, Franzosen geben gute Bösewichte ab.

England:
Was ist der größte Vorteil daran, Bond zu sein?
Daniel Craig:
Da gibt es viele! Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass da keine wären. Wir hatten Erfolg mit dem letzten Film und ich hoffe, dass wir mit dem aktuellen auch Erfolg haben werden. Ich versuche, möglichst viel von dem, was mir in den letzten Jahren passiert ist, zu genießen. Eines der besten Erlebnisse war zum Beispiel, zum ersten Mal nach Japan zu kommen. Ich war dort noch nie gewesen, und dann gleich überall eingeladen und bedient zu werden, war schon toll. Ich würde so was unter normalen Umständen nie erleben. Auch waren wir in der sixtinischen Kapelle, höllisch verkatert, aber dafür ohne Touristen. Um acht in der Früh standen wir da, mit tierischen Kopfschmerzen, und unser wunderbarer Touristenführer erklärte uns alles ganz genau. Es war unheimlich bewegend. Ich meine, Momente wie dieser machen diese Vorteile aus. Jeder würde das ausnutzen. Man denkt sich: Das ist der Grund, warum wir all dies tun. Diese Momente machen all dies so besonders.

Japan:
Welcher Drehort hat Sie am meisten beeindruckt?
Daniel Craig:
Südamerika ist ein fantastischer Drehort. Wir haben auch in Chile gefilmt. Wir waren in über 3000 Meter Höhe in der europäischen Südsternwarte, nicht eine Wolke am Himmel und bei Nacht ein Sternenfirmament von Horizont zu Horizont, und kein Mensch in hundert Meilen Umkreis. Es war faszinierend. Wir haben auch in Colón gedreht, auf der Nordseite des Panamakanals, der karibischen Seite. Es ist die arme Seite, die raueste. Und wahrscheinlich die gefährlichste. Und wir haben da gedreht, einen Monat lang, jeden Tag. Es war außergewöhnlich. Die Leute waren außergewöhnlich. Colón war der beeindruckendste Drehort.

Russland:
Jetzt, wo vielleicht wieder ein Kalter Krieg vor der Tür steht, halten Sie die Zeiten für Bond-Filme für geeignet? Bond ist doch so eine typische Kalter-Krieg-Figur.
Daniel Craig:
Ist das die Frage? Ob wir gute Zeiten für unsere Geschichten erhoffen? Traurig, aber möglicherweise ist das so. Es ist ja nicht, als ob die Welt nicht schon genug Probleme hätte, die globale Situation ist ja interessant genug. Ich würde lügen, wenn ich nicht denken würde, dass der Russische Geheimdienst im nächsten Bond nicht in irgendeiner Form eine Rolle spielen würde, und zwar hoffentlich eine positive. Das wäre ein Gegenpol zum aktuellen Verhältnis mit dem Russischen Geheimdienst unserer Regierung. Solch Ränkespiel ist prima Stoff für Spionagegeschichten, ich hoffe, dass wir das ausnutzen können und damit ein ordentliches Statement machen können.

Italien:
Wie vermitteln Sie dem Publikum, dass Bond sterben oder zumindest ernsthaft in Gefahr geraten könnte?
Daniel Craig:
Man muss mit anderen Faktoren arbeiten. Die anderen Figuren im Film sind genauso wichtig wie meine, abgesehen davon, dass sie mich besser aussehen lassen. Allerdings tendieren die Leute in der Nähe von James Bond zum Sterben. Es ist also wichtig für das Publikum, sie kennenzulernen und eine Beziehung zu ihnen zu entwickeln. An diesem Punkt entsteht die Emotion und über diesen Mechanismus auch die Angst um Bond. Wenn man aber schon mit der Überzeugung, dass Bond nicht sterben kann, ins Kino geht, ist nicht mehr viel zu machen. Ich hoffe, dass wir genug Überraschungen für die Zuschauer vorbereitet haben, um ihnen wenigstens ordentlich Spannung zu bieten. Ich will Euch doch nur ein bisschen erschrecken. Mir ist wichtig, dass Ihr Euch fragt: Wie zum Geier hat er das denn jetzt gemacht?

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