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Jim Jarmusch, einer der bekanntesten und beliebtesten Independent-Regisseure, zeigt mit seinem Episodenfilm, von dessen Cast so mancher Big-Budget-Regisseur träumt, wie man Darsteller in Szene setzt. Fast 20 Jahre liegen die Drehtage der Episoden teilweise auseinander und doch fügen sich alle perfekt zusammen - ein absurder aber äußerst interessanter Film.
Akron, Ohio, ist ein eher trostloser Distrikt im Nordosten der Vereinigten Staaten. Nur wenige Meilen westlich von Cleveland gelegen, findet man dort die typische mittelständische amerikanische Standardumgebung: Fabrikarbeiter, Patriotismus und stolze Pickup-Truck-Fahrer. In dieser Umgebung wurde Jim Jarmusch geboren, einer der bekanntesten und beliebtesten Independent-Regisseure. "Life is far too important to be taken seriously" wird er gerne zitiert. Und man könnte fast meinen, damit habe er bereits ein Topos für seinen Episodenfilm Coffee and Cigarettes gefunden.
Dieser Film ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich. Angefangen hat das Projekt im Jahre 1986 als Jim Jarmusch sich dazu organisierte, einen skurrilen Kurzfilm zu drehen. Dazu suchte er sich zwei Darsteller aus, wie sie kaum unterschiedlicher sein könnten: den hyperaktiven, temperamentvollen Italiener Roberto Benigni, der damals über seine eigenen Landesgrenzen kaum bekannt war, und den Saturday Night Live-Star Steven Wright als tranquilen, fast schon somnambulen Charakter in einer ungewöhnlichen Begegnung. Das Ergebnis des kleinen Projekts beglückte die Zuschauer mit einigen Minuten konfusen Smalltalks, das Benigni und Wright rauchend und Kaffee trinkend in einem schäbigen Lokal vereint und doch irgendwie trennt. Letztlich entschwindet Benigni überglücklich zu einem Zahnarzttermin von Wright, der sich dadurch diesem aus purer Unlust entzieht.
Der Kurzfilm erlangte schnell Kultstatus und Jarmusch entschied sich, weitere Kurzfilme mit den Topoi Kaffee und Zigaretten zu drehen. So fügte sich das kleine Projekt mit der Zeit zu einem großen Gesamtwerk bestehend aus kurzen, unabhängigen Filmchen, die der exzessive Konsum von Koffein und Nikotin verbindet - und zahlreiche Anspielungen und In-Jokes. Während also bereits 1993 die Musiklegenden Tom Waits und Iggy Pop in einem Diner aufeinander trafen und Waits erläuterte, er sei eigentlich Arzt und erst in zweiter Instanz Musiker, folgte eine Dekade später der Auftritt von GZA und RZA, den Mitbegründern des legendären Wu-Tang-Clans, zusammen mit Bill Murray in dem GZA seinem Kumpel RZA ebenfalls erklärt, Arzt zu sein und der Musik nur als Weg der kreativen Entfaltung zu folgen. Das ist nicht unbedingt bemerkenswert, aber aufs wundersamste unterhaltsam.
Elf Episoden hat Jarmusch in den vergangenen siebzehn Jahren fertig gestellt und zu einem fast hundertminütigen Film kompiliert. Mit der Zeit erwuchs dabei eine imposante und bunt gemischte Besatzungsliste: Bill Murray, Cate Blanchett, Alfred Molina, Steve Buscemi, Roberto Benigni, Stephen Wright, Iggy Pop, Tom Waits, Mike Hogan, Jack White, Meg White, Steve Coogan und RZA. Die Begegnungen leben vom Konflikt der konträren Charaktere, vom Witz der Situation und von der mal träumerischen, mal konkreten Auseinandersetzung mit den großen und kleinen Fragen des Lebens. Dabei immer Kaffee und Zigaretten in verschiedenen Variationen - und auch da wird mit den klassischen Elementen der Komödie gespielt, um diese Topoi selbst zu verballhornen.
Stilistisch bewegt sich Jarmusch auf sicherem und bestens bekanntem Terrain. Die schwarz-weißen Episoden aus fast zwei Dekaden fügen sich perfekt zu einem Karussell immer wiederkehrender und doch stets unterschiedlicher Inhaltselemente. Starr fixiert die Kamera die Protagonisten, die nicht bloß durch das Wort sondern vor allem durch Interaktion miteinander zu unterhalten wissen. Das Absurde in den Gesprächen, die Gestik und die Vermischung von Charakteren und Darstellern, die sich ausschließlich selbst spielen, schafft vorzügliche Kinounterhaltung, die man nicht missen möchte. Und letztlich gilt immer: Das Leben ist zu wichtig, um ernst genommen zu werden. |