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Clint Eastwood bietet mit Million Dollar Baby ohne große Effekte Kino vom Feinsten. Mit Hilary Swank und Morgan Freeman bildet er ein unschlagbares Trio, das die Welt des Frauenboxens von einer ganz anderen Seite zeigt. Mit Herz und Handschuh steigen sie in den Ring und jeder Schlag sitzt - vor allem der Letzte.
Blut, Schweiß und Nasenbruch - Clint Eastwood begibt sich als Coach auf das immer noch wenig geliebte Terrain des Frauenboxens. Sein bestes Pferd im Stall ist Maggy, alias Hilary Swank, die sich als Kellnerin mühsam das Geld für den Boxclub zusammenspart. Dort findet sie ihr zweites Zuhause. Tag und Nacht trainiert sie mit eisernem Willen an den Sandsäcken. Das ist Trainer Frank Dunn jedoch ein Dorn im Auge, denn für ihn ist Boxen nichts für Mädchen. Doch er hat nicht mit Maggies Sturkopf gerechnet. Und wenn zwei Sturköpfe aufeinander treffen, muss einer nachgeben. In diesem Fall ist es Frank selbst, der sich von Maggies Hartnäckigkeit in die Knie zwingen lässt und sie, entgegen seiner Überzeugung, zur knallharten Kampfmaschine ausbildet. Oberste Regel im Ring: Immer für die eigene Deckung sorgen. Eine Regel, die man nie, aber auch gar nie vergessen sollte.
Kurz und knapp sind die Dialoge, doch jedes Wort ist ein Treffer. Paul Haggis hat ein Drehbuch geschaffen, wie es besser kaum sein könnte. Alles ist drin, und nichts ist überflüssig. Mit Clint Eastwood, Hilary Swank und Morgan Freeman finden die Zeilen ihre idealen Interpreten. Wozu unnötig um den heißen Brei reden, wenn die Chemie zwischen den Darstellern auch ohne große Worte stimmt. Eastwood und Freeman ergänzen sich als kauzige, gescheiterte Box-Legenden wie ein langverheiratetes Ehepaar. Der eine ganz in seinen eigenen Prinzipien gefangen, der andere immer väterlich um den Nachwuchs bemüht. Dazu gesellt sich Swank als geborene Fighterin, die Franks Charakter nicht unähnlich ist. Schon bald entwickelt sich aus dem reinen Trainer/Boxer- ein Vater/Tochter-Verhältnis, das bis zum bitteren Ende währt. Für das Darstellertrio eine gute Gelegenheit, um zur absoluten Bestform aufzulaufen.
In Million Dollar Baby perfektioniert Eastwood erneut seine Inszenierungskünste. Grundsolide und wenig spektakulär setzt er seine Visionen in Bilder um. Ohne große Effekte gelingt es ihm, eine spannende und ergreifende Geschichte in Szene zu setzen. Er macht genau das, was er seit Jahren kann. Und das verdammt gut. Sobald Maggie den Boxclub betritt, kann man die abgestandene, nach beißendem Schweiß stinkende Luft förmlich riechen. Die Emotionen der Figuren lassen sich menschlich in jeder Szene nachvollziehen. Anders als in Mystic River gibt Eastwood seinen Charakteren jedoch mehr Freiraum, um sich richtig zu entfalten. Mit bescheidenen Mitteln schafft er das Bestmögliche und ist damit auf jeden Fall Oscar-würdig.
Wer sich nun einen spannenden Boxfilm à la Girlfight - Auf eigene Faust oder gar Rocky erwartet, der sei vorgewarnt. Der Sport ist nur Mittel zum Zweck, denn eigentlich ist Million Dollar Baby ein bewegendes Gefühlsdrama. Freud und Leid halten sich gekonnt die Waage, und zwar bis zur letzten Minute. Man sollte sich jedoch unbedingt darauf einstellen, dass einen der Faustschlag direkt in der Magengrube treffen könnte. Wer einen hervorragenden Film der Meisterklasse erleben will, der ist in Million Dollar Baby bestens aufgehoben. |