Steven Spielberg degradiert die außerirdische Invasion in seinem Science-Fiction Drama zur Rahmenhandlung und erzählt ein feinfühliges Familiendrama, mit einem soliden Tom Cruise als überforderten und unreifen Vater. Durch diese stiefmütterliche Behandlung der Action und die erschreckende Davonlauf-Mentalität der Menschheit bleibt der Unterhaltungsfaktor hierbei leider zunehmend auf der Strecke. Man wollte viel, erreicht hat man Mittelmäßiges.
Nach ihrer erfolgreichen Zusammenarbeit bei Minority Report rottete sich das werbewirksame Duo Steven Spielberg und Tom Cruise erneut zusammen und verfilmte H.G. Wells Klassiker Krieg der Welten. Obwohl man angesichts des Titels einen patriotischen "Lasst sie uns in den Arsch treten"-Blockbuster a la Independence Day vermuten könnte, beleuchtet dieses Science-Fiction Drama das Thema einer außerirdischen Invasion von einer ganz anderen Seite. Im Zentrum der Geschichte steht nämlich nicht die Invasion selbst - sie bildet nur einen Rahmen für Familiendrama, bei dem ein unreifer Vater mit seinen beiden Kindern ums Überleben kämpft.
Eingerahmt durch H.G. Wells erste bzw. letzte Sätze der Vorlage, lernen wir den Dockarbeiter Ray Ferrier (Tom Cruise) kennen, der seine Ehe in den Sand gesetzt und zu seinen beiden Kindern Rachel (Dakota Fanning) und Robbie (Justin Chatwin) jeglichen Draht verloren hat. Just an dem Tag, als eine außerirdische Invasion über die Erde hereinbricht, werden die Kinder in seine Obhut übergeben und er muss zusammen mit den Beiden ums Überleben kämpfen. Außerirdische haben nämlich schon vor langer Zeit dreibeinige Tötungsmaschinen sog. Tripods in der Erde vergraben, die sie nun aktivieren, um die Weltbevölkerung systematisch auszurotten.
Steven Spielberg lässt das Unheil langsam in Form eines vermeintlichen Gewitters über die Welt hereinbrechen, bis sich die mysteriösen Blitze als Transport- und Aktivierungsmechanismus für die Tripods zu erkennen geben. Die zugehörige Massenszene mit Asphaltaufbrecheffekten der alten Schule funktioniert nach bekanntem Schema: Erstmal glotzen und dann laufen. Nach diesem Auftaktspektakel konzentriert sich der Film zunehmend auf Ray und seine beiden Kinder, die sich von New Jersey auf den Weg nach Boston machen, um dort zu Rays Ex-Frau zu stoßen. Auf dem Weg müssen sie sich mit panischen Menschenmassen, zahlreichen Tripods und vor allem sich selbst herumschlagen. Dabei entwickelt sich ein feinfühliges Familiendrama in dessen Rahmen ein unreifer Vater, ein rebellischer Teenager und seine kleines Mädchen stehen.
Die Mischung aus Familiendrama und Weltuntergangs Science-Fiction ist ein wahrlich großer Genrespagat, den sich Starregisseur Steven Spielberg hier traut. Science-Fiction Fans wird diese Mischung und das Verschieben ihrer Thematik in den Hintergrund mit Sicherheit weniger gefallen. Vor allem der stiefmütterlichen Behandlung der Action und dem fehlenden Spirit ist es zu verdanken, dass der Film nicht wirklich vom Hocker reißt. Man hätte sich beispielsweise ein Scheibchen Patriotismus von Independence Day abschneiden können. Denn die Militärs kämpfen bei Krieg der Welten fast lustlos und resignierend gegen den übermächtigen Gegner. Ganz zu schweigen von den Zivilisten, die panisch und egoistisch versuchen ihre Haut zu retten. Selbstverständlich entspricht dieses Verhalten weitestgehend der Realität, aber wollen wir dieses Armutszeugnis auch noch im Kino ausgestellt bekommen?
Tom Cruise wird hier die Rolle des klassischen Antihelden zu teil, der sich im Laufe des Films zum verantwortungsvollen Vater mausert. Dabei werden auch Heldentaten im Kampf gegen die Außerirdischen nicht zu solchen hochstilisiert, sondern verpuffen sang und klanglos in seinem Antiheldendasein. Warum Steven Spielberg die Außerirdischen in einer Szene als putzige Aliens darstellt, wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben, da diese Verniedlichung angesichts der Tatsache, dass sie gerade dabei sind die Menschheit auszurotten, vollkommen unangebracht ist. Das unspektakuläre Ende der außerirdischen Invasion und das unverschämte familiäre Happy End sind schließlich ein passender Abschluss dieses mittelmäßigen Films, der zwar visuell überzeugt, aber im Eifer des Gefechts das Unterhalten vergisst.