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Eyes Wide Shut

(Eyes Wide Shut, 1999)

Dt.Start: 09. September 1999 Premiere: 13. Juli 1999 (USA)
FSK: ab 16 Genre: Drama, Thriller
Länge: 159 min Land: USA, UK
Darsteller: Tom Cruise (Dr. Bill Harford), Nicole Kidman (Alice Harford), Madison Eginton (Helena Harford), Marie Richardson (Marion Nathanson), Jackie Sawris (Roz), Rade Serbedzija (Milich), Sydney Pollack (Victor Ziegler), Leslie Lowe (Illona), Peter Benson (Bandleader), Vinessa Shaw (Domino), Alan Cumming (Hotel Desk Clerk), Todd Field (Nick Nightingale), Michael Doven (Ziegler's Sekretär), Sky Dumont (Sandor Szavost), Louise J. Taylor (Gayle)
Regie: Stanley Kubrick
Drehbuch: Stanley Kubrick


Inhalt

Der Arzt Dr.Bill Harford und seine Frau Alice führen eine ganz normale Ehe, bis diese ihm gesteht, dass sie ihn einmal beinahe betrogen hätte. Dies stürzt Bill in eine Krise und führt ihn auf eine Odyssee sexueller und moralischer Erfahrungen.
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Kritik

Eyes Wide Shut hat eine Wertung von 91%
Kubricks Adaption von Schnitzlers Freudsche Motive behandelnder "Traumnovelle", in der es um die Odyssee des Ehepaares Tom Cruise und Nicole Kidman durch ihre sexuellen Obsessionen geht. Letztes Werk Kubricks: ein großer Abschluss einer großen Karriere.

Eyes Wide Shut ist die Adaption von Arthur Schnitzlers "Traumnovelle"und zugleich der letzte Film des großen Stanley Kubrick, der noch vor Erscheinen des Films in seiner Wahlheimat England verstarb. Der Film spielt nicht wie die Vorlage im Wien des beginnenden 20. Jahrhunderts, sondern im New York gegen Ende desselben. Das Ehepaar Dr. William und Alice Harford begeben sich auf die Weihnachtsparty des reichen Ziegler. Dort kommen sie in Versuchung: Sandor Szavost macht Alice seine Aufwartung und Bill wird von zwei kessen Nymphchen angemacht. Zu Hause angekommen, beginnen sie sich darüber zu streiten und Alice beichtet Bill ihre Phantasien mit einem Marineoffizier, für welchen sie Bill, wie sie sagt, wenn er sie nur gefragt hätte, aufgegeben hätte. Aufgrund des Todes eines von Bills Patienten, begibt sich dieser zu später Stunde noch in das Trauer-Haus. Dort gesteht ihm die Tochter des verstorbenen ihre Liebe. Doch zu Bills Rettung erschient deren Liebhaber und Bill verabschiedet sich.

Zutiefst irritiert begibt er sich auf einen Spaziergang durch das nächtliche New York, wo er durch eine blutjunge Prostituierte in Versuchung gebracht wird. Ein Anruf von Alice verhindert das Schlimmste. Bills weiterer Weg führt ihn zum Café, wo sein ehemaliger Kommilitone Nick Pianist ist. Dieser verrät ihm, wo ein geheimer Maskenball stattfindet. So leiht Bill sich ein Kostüm samt Maske aus, und macht auch die Bekanntschaft Milichs und dessen Tochter, die dieser beim Liebesakt erwischt. Bill begibt sich auf den Maskenball und beobachtet dieses Ritual meist aus einigem Abstand. Doch er wird gerufen und inmitten der dekadenten Gesellschaft enttarnt. Doch eine junge Frau, die ihn zuvor noch warnte, opfert sich für ihn. Als er völlig erledigt heimkehrt, erzählt ihm Alice ihre Träume, was Bill vollends in eine Krise versetzt. Bill ist zudem noch von Schuldgefühlen zernagt, da er denkt, er habe zwei Menschen, seinen Freund Nick und seine Retterin, auf dem Gewissen.

Kubricks letzte Regiearbeit ist zugleich wohl auch seine bilderstärkste. Wie die Kamera Tom Cruise auf seinem nächtlichen Gang durch das geradezu hell erleuchtete New York begleitet, wie sie durch die engen Gänge des Aristokratenhauses, in dem der Maskenball stattfindet, gleitet, und wie sie den Zuschauer zum Voyeur des Ganzen werden lässt, vermag den Zuschauer direkt in diesen (Alb-)Traum zu versetzen. Oder ist dies die Wirklichkeit? Allgegenwärtig wirkt die Farbe Rot, in all den Szenen, die eine Schlüsselrolle innehaben. Sie wirkt trotz ihrer Wärme irgendwie befremdend, wie ein Signal. Die warme Farbgebung und die natürliche, relativ kräftige Beleuchtung wirken insgesamt wohltuend, doch die Bedrohlichkeit, die sich durch Bills Odyssee und dem Zwist des Ehepaars, den sie in sich selbst austragen, entwickelt, ist ebenso allgegenwärtig und wird durch die hervorragende musikalische Untermalung noch intensiviert wie auch durch die kühleren Farben und die geringere Beleuchtung beim Höhepunkt des Films, dem Maskenball. Wieder hat der Film - wie es typisch für Kubrick ist - die Unmenschlichkeit des Menschen zum Thema, Furcht und Begierde, "Fear and Desire", wie auch sein erster Spielfilm hieß. Mann und Frau werden von ihrer moralisch schändlichsten Seite gezeigt, wandelnd zwischen Traum und Wirklichkeit. Was nun wirklich geschehen ist, und was der Phantasie des Protagonisten entsprungen ist, ist nicht eindeutig. Man glaubt zwischen Traum und Realität zu wandeln, man beginnt sich zu fragen, ob das alles überhaupt geschehen kann.

Auch die Protagonisten sind ob dieser Tatsache hilflos, was durch die schauspielerische Klasse vor allem seitens Nicole Kidman hervorragend zur Geltung kommt. Tom Cruise kann da leider nicht ganz mithalten, liefert aber die beste, intensivste Leistung seiner Karriere ab. Mit einer enormen Intensität verkörpert Kidman ihre Rolle der Alice Harford, die durch all jene dubiosen Umstände weniger aus der Bahn geworfen zu werden scheint als Bill. Sie scheint auch immer mehr zu wissen als Bill, was man daran sehen mag, dass Bills verloren geglaubte Maske auf dem Kissen neben ihr liegt. Sie ist es konsequenterweise dann auch, die zum Schluss die Zukunft der beiden bestimmt, wenn sie - und das ist einmalig in der Filmgeschichte - mit ihrem, dem letzten Wort von Eyes Wide Shut, "Ficken" alle Vorkommnisse beinahe vergessen macht. Die Kameraarbeit ist meisterlich, fällt durch ihre enorme Subtilität auf, wodurch Kubrick mit seiner typischen Präzision eine hypnotische Wirkung erzielt und lässt den Film vollends zum Trip durch die sexuellen Obsessionen des Menschen werden.Eyes Wide Shut ist ein Meisterwerk, Kubricks wohl "reifester" und auch wohl positivster Film, von einem Künstler, der seinen Frieden mit der Welt ein Stück weit gefunden zu haben scheint bzw. schien. Eyes Wide Shut, des Abschlusses einer beispiellosen Karriere eines Stanley Kubrick mehr als würdig.

von Tobias Wunsch


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