Endlich haben wir wieder die zweifelhafte Ehre, Sharon Stone unverhüllt auf der Leinwand zu erleben. Wer sich mehr von dieser Fortsetzung des Klassikers Basic Instinct erwartet, der wird sich spätestens ab der Hälfte über einen unsäglichen männlichen Hauptdarsteller und die unglückliche Handlung aufregen.
Nach jahrelangem Hin und Her gelang es Sharon Stone schließlich, die Fortsetzung von Basic Instinct Wirklichkeit werden zu lassen. Endlich darf sie wieder in die Rolle der attraktiven und eiskalten Romanautorin Catherine Tramell schlüpfen, die sie 1992 über Nacht zum Objekt zahlreicher Männerphantasien werden lies. Unter der Regie des Schotten Michael Caton-Jones, der sich bisher durch Filme wie Der Schakal oder Rob Roy als solider Regisseur präsentierte, tritt die mittlerweile 47-jährige den Beweis an, dass sie immer noch dazu in der Lage ist Männerphantasien anzuregen.
Die Handlung der Fortsetzung wurde von San Francisco nach London verlegt, das als seelenlose und durchgestylte Allerweltsmetropole dargestellt wird. Klassiker der Themse-Metropole wie der Big Ben oder die Tower Bridge wurden konsequent gemieden - stattdessen erfreute man sich am gurkigen Swiss Re-Tower, der heute die Skyline von London prägt. Dort hat der gefeierte Psychologe Dr. Michael Glass (David Morrissey) sein Büro, der vom Scotland Yard Inspektor Roy Washburn (David Thewlis) mit der Erstellung eines psychiatrischen Gutachtens in einem Mordfall beauftragt wird. Die amerikanische Krimi-Autorin Catherine Tramell (Sharon Stone), die zu Recherchezwecken in London weilt, hat ihren Spyker Laviolette samt Beifahrer in der Themse versänkt und soll dafür hinter schwedische Gardinen. Überraschend kommt sie frei und sucht daraufhin Dr. Glass privat auf, um sich bei ihm in Behandlung zu begeben. Entgegen den Ratschlägen seiner Mentorin Milena Gardosh (Charlotte Rampling) lässt er sich auf die Therapie ein und wird innerhalb kürzester Zeit zum Spielball der manipulativen Blonden.
Regisseur Michael Caton-Jones ging bei seiner Inszenierung nicht ganz so freizügig zu Werke wie einst Paul Verhoeven. Aber keine Angst - ein paar Sex-Szenen gibt es trotzdem und auch Sharon Stone darf zweimal unverhüllt begutachtet werden. Der Film konzentriert sich vielmehr auf das Anregen der Phantasie und überlässt dem Zuschauer den Rest. Das große Problem von Basic Instinct: Neues Spiel für Catherine Tramell ist die Tatsache, dass die seelenlose Protagonistin ihr kühl kalkuliertes Spielchen durchziehen kann, ohne dass sich ihr jemand in den Weg stellt. Der einzige Mann, der zumindest ansatzweise die Hosen an hat, ist Inspektor Washburn, der obendrein mit ein paar versauten Onelinern begeistern darf. Der männliche Hauptdarsteller David Morrissey verliert schon nach wenigen Minuten die Kontrolle und gibt sein Gehirn an die zweite Instanz im Untergeschoß ab. Michael Douglas hatte Catherine Tramell einst deutlich mehr entgegenzusetzen. Diese Narrenfreiheit bricht dem Film schlussendlich das Genick, da es ab einem gewissen Punkt nicht mehr glaubhaft ist, dass Catherine Tramell wirklich jeder aus der Hand frisst. Wer also darauf aus ist, Sharon Stones aufgemöbelten Körper mal wieder unverhüllt auf der Leinwand zu sehen, der wird hier durchaus zufrieden gestellt. Wer einen vernünftigen Erotik-Thriller erwartet, der wird sich spätestens ab der Hälfte grün und blau ärgern.