In diesem Gerichtsdrama schafft es Vin Diesel, in seiner ersten ernsten Hauptrolle durchgehend zu überzeugen. Auch der Film an sich ist sehr gelungen, doch leider bietet die auf Tatsachen basierende Geschichte zu wenig Interessantes, um den Zuschauer über die komplette Laufzeit hinweg zu fesseln. Dennoch liefert Regisseur Sidney Lumet einen sehr authentisch wirkenden Film ab, und schafft es auch - wie schon viele vor ihm - dass das Publikum alle Sympathien den Mitgliedern des organisierten Verbrechens schenkt. Somit bleibt es ein sehenswerter Film, welcher sogar den einen oder anderen Denkanstoss liefern kann.
Fans des modernen Actionhelden-Darstellers Vin Diesel haben es schon immer gewusst; seine Kritiker zweifelten sehr stark daran und werden nun dank Find Me Guilty - Der Mafiaprozess eines Besseren belehrt: dieser Mann verfügt über ein ausgeprägtes schauspielerisches Talent! Nachdem er dies bisher nur in seinem eigenen Kurzfilm Multi-Facial aus dem Jahre 1999 unter Beweis stellen durfte, hat die inzwischen durch Filme wie Pitch Black - Planet der Finsternis, Riddick - Chroniken eines Kriegers oder The Fast and the Furious berühmt gewordene Coolness in Person hier nun erstmals die Chance erhalten, sein wahres Können auf der grossen Leinwand zu demonstrieren.
Find Me Guilty - Der Mafiaprozess ist ein klassischer Mafia-Film gepaart mit einem Gerichtsdrama, welcher auf wahren Begebenheiten basiert. Ender der 80er Jahre, wurden in den Vereinigten Staaten gleich 20 Mitglieder des Lucchese Mafia-Clans angeklagt und die folgende Gerichtsverhandlung ging als die Längste in die Geschichte der amerikanischen Justiz ein. Aber nicht nur die Dauer des Prozesses war merkwürdig an dieser Geschichte, sondern auch die Tatsache dass einer der Angeklagten - der zu diesem Zeitpunkt bereits wegen eines Drogendeliktes für 30 Jahre inhaftierte Giacomo "Jackie Dee" DiNorscio - beschloss, sich selbst zu verteidigen. Man hatte ihm vorgängig Haftverkürzung angeboten, wenn er gegen seine "Familie" aussagt, was für ihn aber nie in Frage kam und woraufhin er seinen Verteidiger kurzerhand entliess und das Zepter eigenhändig in die Hand nahm.
Sidney Lumet hat mit Liebe zum Detail einen gelungenen Film geschaffen, welcher durch sein authentisches Flair besticht und durchaus interessant anzusehen ist. Für die Dialoge während der Verhandlung wurde das echte Gerichtsprotokoll zu Rate gezogen und nahezu wörtlich kopiert. Zusätzlich stand dem Regisseur sogar der "echte" Jackie DiNorscio mit viel Rat zur Seite - jedoch verstarb dieser kurz bevor der Film fertig gestellt wurde. Was man der Geschichte allerdings vorwerfen muss, ist die fehlende Substanz für einen Film mit einer Laufzeit von zwei Stunden: die Handlung bietet einfach zu wenig, um vom Anfang bis zum Schluss fesseln zu können (vieles wird angeschnitten, jedoch nicht konsequent verfolgt), weshalb sich immer wieder etwas Langeweile einschleicht. Man hätte das Ganze somit hier und da nicht nur etwas straffen können, sondern sogar müssen!
Auch wenn es eine Vielzahl an Beteiligten in diesem Gerichtsfall gab, so ist Find Me Guilty - Der Mafiaprozess eindeutig eine One-Man-Show von Vin Diesel: er überzeugt in jeder Sekunde und geht in seiner Rolle richtiggehend auf. Seine Haarpracht ist zu Anfang zwar etwas sehr Ungewohntes, doch trägt er die Geschichte mit perfektem und konstantem Akzent nahezu alleine und schafft es somit auch, seinen grössten Kritikern zur Abwechslung mal einen Maulkorb zu verpassen. Zwar war Jackie DiNorscio eindeutig schuldig, doch wirkt er dank Diesels Leistung sehr sympathisch und als Zuschauer steht man automatisch auf dessen Seite. Ausserdem sieht man hier sehr schön wie kontraproduktiv es ist, wenn man etwas - in diesem Falle eine Anklageschrift - mit einer zu grossen Kelle anrührt.
Wer ein Fan von Mafia- oder Gerichtsfilmen ist, kann hier nicht viel falsch machen - alle Anderen müssen sich überlegen, ob sie Vin Diesel einmal in einer ungewohnten Rolle erleben wollen. Eines ist jedoch sicher: Dank ihm ist Find Me Guilty - Der Mafiaprozess auch trotz mangelhafter Tiefe in der Handlung ein sehenswertes, und immer wieder sogar humorvolles, Drama geworden!