Nicht nur seinem hervorragend aufspielenden Darstellerensemble hat es Martin Scorsese zu verdanken, dass sein neuestes Werk zu einem der besten Filme seiner langen und erfolgreichen Karriere wurde. Auch seine dreckige und überraschend harte Inszenierung, sowie der gute Soundtrack tragen zum Erfolg der Neuinterpretation der ohnehin schon großartigen Geschichte bei.
Trotz der Regie von Martin Scorsese war man im Vorfeld doch skeptisch bezüglich des Infernal Affairs Remakes: Das Original war nicht nur einer der besten Filme seines Genres, auch die Auswahl der beiden Hauptdarsteller, sowie den vielen angekündigten Änderungen der großartigen Geschichte und der schwache Trailer haben nicht gerade Grund zur Hoffnung gegeben.
Billy Costigan und Colin Sullivan haben eines gemein: Beide sind Spitzel in gehobenen Positionen, doch während Colin den Unterweltboss Costello über alle Aktionen der Polizei informiert, ist Billy seinerseits von der Polizei bei Costello eingeschleust. Als die Parteien merken, dass ihnen ein Spitzel untergeschoben wurde, beginnt auf beiden Seiten eine wilde Suche nach dem jeweiligen Maulwurf.
Da sich Scorsese zum Großteil an die Geschichte des Originals hält, muss im Grunde nicht noch einmal auf die großartige Story eingegangen werden. Denn viel interessanter ist die Frage nach den im Vorfeld oftmals kritisierten Änderungen, die überraschenderweise gar nicht mal negativ ins Gewicht fallen: Zwar ist die Aufteilung des Polizeichefs in drei Charaktere, sowie die Zusammenlegung der Frauenrolle auf eine Person manchmal unnötig, jedoch gefällt auch diese Variation und zieht den Film in keinster Weise nach unten. Gleiches gilt für das Ende, welches leider im Vergleich zum Original etwas abfällt, aber dennoch auf seine eigene Art zu gefallen weiß.
Dass Scorsese als ein Meister seines Faches gilt, ist hinlänglich bekannt, doch die Inszenierung von Infernal Affairs zu toppen ist alles andere als einfach. Die Frage ist allerdings ob er das überhaupt muss? Scorsese erkannte die perfekte Bebilderung seine Originals und ging andere Wege: Während man bei dem Vorbild noch Hochglanzbilder vom Feinsten geboten bekam, inszenierte der Regisseur seinen Film so richtig dreckig und erinnert damit schon fast an das koreanische Kino der letzten Jahre.
Doch nicht nur auf Scorseses Regietalent ist nach wie vor Verlass; seine Crew liefert ebenfalls Erstaunliches ab: Die Kamera von Michael Ballhaus ist einmal mehr ein Genuss für die Augen; gleiches gilt für den ungewöhnlichen, aber effektenvollen Schnitt von Thelma Schoonmaker. Das Ganze wird noch untermalt von einem perfekt ausgewählten Soundtrack und den gewohnt guten Melodien Howard Shores.
Was Departed: Unter Feinden jedoch erst in die Reichweite eines Infernal Affairs bringt ist sein Ensemble! Di Carpio spielt die Rolle des abgefuckten Undercoverpolizisten gewohnt klasse und Damon lässt sein arrogantes Image derart raushängen, so dass der Zuschauer nicht anders kann als ihn zu hassen. Allerdings sind es die Nebendarsteller die den Ton angeben, denn wenn Jack Nicholson als herrlich fieser Cop und der überraschenderweise genial aufspielende Mark Wahlberg loslegen, kommt der Zuschauer aus dem Staunen gar nicht mehr heraus.
Die im Vorfeld häufig aufgetretene Frage über die Notwendigkeit dieses Remakes bleibt weiterhin offen. Fakt jedoch ist, dass Departed: Unter Feinden einer der besten Filme Scorseses ist, was nicht nur an der ohnehin schon großartigen Vorlage liegt, sondern auch an seiner erstklassig bebilderten Interpretation dieser Geschichte. Auch sein hervorragend aufgelegtes Darstellerensemble überzeugt, so dass auch die größten Infernal Affairs Fans nicht leugnen können, dass diese Neuinterpretation durch die Bank gelungen ist.