Der Versuch von Regisseur Richard Linklater, den 2001 erschienenen Sachbuch-Bestseller "Fast Food Nation" gemeinsam mit dessen Autor Eric Schlosser in einen Episodenspielfilm über die Machenschaften und Auswirkungen der US-Fast-Food-Industrie umzusetzen, hinkt trotz thematischer Aktualität seiner Zeit hinterher und fällt in erster Linie durch fortwährende Belehrungen, undurchdachte Handlungsstränge und einen erstaunlich naiven Protagonisten auf.
Linklater (A Scanner Darkly) scheint mit der Billigfleischindustrie das vorgehabt zu haben, was Steven Soderbergh mit dem Drogenhandel zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten in Traffic - Macht des Kartels gelungen ist: Die politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln zu beleuchten und die Konsequenzen für die kleinen Leute und großen Drahtzieher in parallel erzählten Einzelschicksalen aufzuzeigen. Aber während sich in Traffic - Macht des Kartels alles zu einem dramaturgisch dichten, in sich geschlossenen Bild zusammenfügt, verläuft in Fast Food Nation die gute Absicht ebenso wie die Handlung im Sande.
So stellt der für unser Informationszeitalter unglaublich ahnungslose Marketingchef Henderson (Greg Kinnear) nach der Hälfte des Films fest, dass es so etwas wie schmutziges Fleisch und ausgebeutete Arbeitskräfte gibt und das dies von den Verantwortlichen billigend in Kauf genommen wird, verschwindet daraufhin spurlos von der Leinwand (vermutlich, um sich von dem Schock zu erholen) und taucht erst in der letzten Szene wieder auf. Linklaters Fokus richtet sich dann auf Sylvia (Catalina Sandino Moreno) und ihren Mann Raul (Wilmer Valderrama), die mithilfe von skrupellosen Schleusern illegal über die mexikanische Grenze gelangen und für die die Arbeit in einer Fleischfabrik, in der es alles andere als koscher zugeht, ein notwendiges Übel bedeutet, für ihre Verhältnisse aber viel Geld einbringt.
Die Geschichte der Beiden ist die einzige, die berührt und zu fesseln vermag, trotz der vorhersehbaren und stellenweise plump inszenierten finanziellen, gesundheitlichen und sexuellen Ausbeutung, die stattfinden wird. Andere Charaktere, wie der unmoralische Fabrikaufseher Mike (Bobby Cannavale) oder die junge Amber (Ashley Johnson), die sich von der blauäugigen Burger-Verkäuferin zur politischen Aktivistin wandelt, sind entweder zu eindimensional gezeichnet, um ernstgenommen zu werden, oder sie dienen überwiegend als Aufklärungsvehikel für den Zuschauer, der sich davon aber wahrscheinlich mehr bevormundet und unterschätzt als angesprochen und wachgerüttelt fühlen wird.
Ein Großteil der Dialoge sind eine Ansammlung von Belehrungen und Lektionen, die auf Dauer nerven und schließlich ärgern. Das mag auch an der Schwierigkeit liegen, Informationen aus einer hochkomplexen literarischen Vorlage durch fiktionale Figuren transportieren zu wollen, die dadurch mehr Mittel zum Zweck als wirklich lebendig werden und somit kaum interessieren. Zudem lenken bekannte Schauspieler wie Ethan Hawke, Patricia Arquette oder Bruce Willis in kleinen Nebenrollen mehr ab, als dass sie sich nahtlos in das Ensemble einfügen oder es gar bereichern.
Mit Before Sunrise und der Fortsetzung Before Sunset hat Linklater seine Stärke für persönliche, zwischenmenschliche Geschichten bewiesen. Seine filmische Auseinandersetzung mit einem weitreichenden, komplizierten und gesellschaftskritischen Thema überzeugt nicht. Eine Dokumentation wäre in diesem Fall möglicherweise die angebrachtere Form gewesen. Dass Fast Food Nation trotzdem im Wettbewerb der diesjährigen Filmfestspiele in Cannes lief, lässt sich wohl mehr mit seinem gutgemeinten Anliegen, als mit dem eigentlichen Resultat erklären. Ersteres hat Anerkennung verdient, Letzteres weniger. Um wirklich zu bewegen oder gar zu schockieren, ist er in seinen Aussagen zu vereinfacht und brav, in seiner Struktur zu wahllos und inkonsequent und kommt vor allem um einige Jahre zu spät.