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Babel

(Babel, 2006)

Dt.Start: 21. Dezember 2006 Premiere: 23. Mai 2006 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 16 Genre: Drama
Länge: 144 min Land: USA
Darsteller: Brad Pitt (Richard), Cate Blanchett (Susan), Said Tarchani (Ahmed), Gael Garcia Bernal (Santiago), Adriana Barraza (Amelia), Elle Fanning (Debbie), Nathan Gamble (Mike), Robert Esquivel (Luis), Koji Yakusho (Yasujiro), Rinko Kikuchi (Chieko)
Regie: Alejandro Gonzalez Inarritu
Drehbuch: Guillermo Arriaga Jordan


Inhalt

Als zwei junge marokkanische Ziegenhirten mit der Waffe ihres Vaters herumspielen und einige Kugeln leichtfertig abfeuern, verändert sich das Leben von vier völlig unabhängigen Parteien. Neben einem amerikanischen Ehepaar, einem japanischen Vater mit seiner rebellischen Tochter, gerät auch ein mexikanisches Kindermädchen, die mit zwei amerikanische Kinder über die Grenze zurück in die USA reisen will, in ein unbegreifliches Chaos.
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Kritik

Babel hat eine Wertung von 70%
Das dritte Werk von Regisseur Alejandro Gonzalez Inarritu ist ein grandios bebilderter Film, der vier Geschichten gleichzeitig erzählt. Und genau hierin besteht das Problem von Babel, denn die Handlungsstränge mögen nicht so recht zueinander passen und haben auch keinen kausalen Zusammenhang. Punkten kann der Streifen aber durch wunderbar vermittelte Stimmungen und durch die sensationelle Besetzung.

Bild aus Babel Alejandro Gonzales Inarritu ist sicherlich einer der innovativsten Regisseure der letzten Jahre. Auch bei Babel führte er meisterhaft Regie und wurde für seine Arbeit zu Recht mit dem Regiepreis des Filmfestivals von Cannes ausgezeichnet. Inarritu schafft es wie kaum ein anderer Stimmungen und Kulturen in wunderbare Bilder zu verpacken und sie dadurch greifbar zu machen. Er erschafft eine unglaublich dichte Atmosphäre, die dank gutem Musikeinsatz herrlich untermalt wird.

Die Probleme des Films sind aber in den verschiedenen Handlungssträngen zu finden. Während sich Inarritus' ersten beiden Filme, Amores Perros und 21 Gramm, zwar auch mit verschieden Problemen mehrerer Personen beschäftigte, spielten sich die Geschichten doch in einem abgeschlossenen Kulturkreis ab. Babel spielt nun auf drei Kontinenten mit Kulturen, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Was aber hat das taubstumme japanische Mädchen mit den marokkanischen Schafhirten oder dem mexikanischen Kindermädchen zu tun? Nichts! Und genau hier ist der springende Punkt. Die Intention der Story liegt zwar auf der Hand, allein der Filmtitel besagt es: Es geht um Kommunikation und es geht um unterschiedliche Kulturen. Aber die Story von Babel will zu viel. Der Zuschauer wird regelrecht mit Problemen überschüttet. Da sind die persönlichen Probleme, wie die des das taubstumme Mädchens, das verzweifelt versucht zum ersten Mal Sex zu haben, um endlich Anerkennung zu finden. Da sind die nationalen Probleme, das Thema illegale Einwanderer in den USA. Und da sind die globalen Probleme, angedeutet durch die Angst gegenüber muslimischen Ländern. All das ist einfach zuviel für einen Film und die Themen können nur oberflächlich angekratzt werden.

Ein weiterer Makel sind die Geschichten selbst. Sie stehen in einem zu großen Kontrast zueinander. Zwar können Kontraste durchaus interessant sein, häufig zerstören sie aber das Gesamtbild und die Harmonie eines Films. Der Zuschauer wird von der Stille der marokanischen Wüste in eine Diskothek in Tokio gerissen und anschließend auf eine mexikanische Hochzeit gezerrt. Die Geschichten stehen in keinem offensichtlichen Zusammenhang, was doch sehr stark irritiert und das übergeordnete Thema des Films nahezu verdrängt. Und so versuchten die Macher von Babel sämtliche Handlungsstränge in irgend einer Art und Weise mit der Hauptgeschichte, der angeschossenen Amerikanerin in Marokko, zu verbinden, was vor allem im Falle des japanischen Mädchens sehr plump und unglaubwürdig geschieht.

Bei den Schauspielern hat Inarritu hingegen richtig zugelangt und sich mit Cate Blanchett und Brad Pitt gleich zwei große Hollywoodstars an Bord geholt. Die Beiden spielen das amerikanische Pärchen, das durch Marokko reist erwartungsgemäß erstklassig und absolut überzeugend. Ohnehin ist die Besetzung von Babel sensationell gut gewählt. Alle Darsteller, sei es nun Gael Garcia Bernal als mexikanischer Taugenichts oder Rinko Kikuchi als taubstummes Teenymädchen, zeigen eine grandiose Schauspielleistung und sind das große Plus dieses Films.

Aus Babel hätte ein Meisterwerk werden können, denn zumindest das erste Drittel des Films ist mit das Beste, was seit langem auf der Leinwand zu sehen war. Wunderbare Bilder führen die Geschichten und unterschiedlichen Kulturen ein. Dann jedoch driftet die Handlung zu stark auseinander. Ein Streifen, der sich allein mit der unglaublich intensiven und auch sehr spannenden Marokkogeschichte beschäftigt, hätte vermutlich wesentlich besser funktioniert, denn leider können die "Nebenhandlungen" nicht vollends überzeugen. Zudem machen es die Storysprünge dem Zuschauer sehr schwer sich richtig in das Geschehen hineinzuversetzen .Am Besten macht man sich aber ein eigenes Bild von Babel.

von Toni Straßer


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