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Bobby

(Bobby, 2006)

Durchschnittliche Redaktionswertung

60%



Inhalt

5. Juni 1968, kurz nach Mitternacht. Der demokratische Senator Robert F. Kennedy verkündet im Ambassador Hotel in Los Angeles, dass er für das Amt des Präsidenten kandidieren will - und wird daraufhin Opfer eines Attentats, wie schon sein Bruder John F. fünf Jahre vor ihm. Welche politischen und privaten Träume und Erwartungen mit seiner möglichen Wahl verbunden waren, erzählen die Geschichten von 22 Menschen verschiedener Klassen und Rassen, Gäste und Angestellte, die sich in den Stunden zuvor im Hotel aufhielten.

Kritik

von Birte Ldeking

Wertung Kritik

60%

Schauspieler, Autor und Regisseur Emilio Estevez versucht durch die Perspektive fiktiver Figuren - der so genannten "kleinen Leute" - Bobby Kennedy mit seinen Visionen für ein reformiertes Amerika ins Gedächtnis zurückzurufen. Er errichtet ihm ein Denkmal, das mehr sentimental als politisch relevant ist. In seinem starbesetzten Ensemble-Drama ist John Fitzgeralds jüngerer Bruder kein Charakter, sondern eine Ikone, die bis zum kraftvollen Finale entrückt und verschwommen bleibt.

Bild aus Bobby Estevez, der lange für die Realisierung von Bobby gekämpft hat, war sechs Jahre alt, als der 42-jährige Robert Kennedy von dem Palästinenser Sirhan Sirhan erschossen wurde, da sich der potentielle zukünftige Präsident der USA in dessen Augen zu stark für die Interessen Israels einsetzte. Als Estevez die Nachricht damals im Fernsehen sah, rannte er los, um seinem Vater, dem Schauspieler Martin Sheen, ein langjähriger Anhänger Kennedys, die erschütternde Neuigkeit mitzuteilen. Wenig später nahm ihn dieser mit an den Ort des Verbrechens, und der Autor und Regisseur erinnert sich noch heute daran, "wie mein Vater davon sprach, was wir verloren hätten".

Offensichtlich hat dieses Ereignis einen tief schürfenden Eindruck hinterlassen und das Bild, das Estevez von Kennedy und seinen nie realisierten Versprechungen und Plänen entwirft, hat etwas von der naiven, unreflektierten Bewunderung eines Kindes, das früh einen kaum gekannten älteren Bruder oder Vater verloren hat und diesen in der Erinnerung stets idealisieren und kaum in Frage stellen wird. "Bobby" tritt als Filmfigur nie in Erscheinung. Alles, was wir von ihm zu sehen bekommen, ist Archivmaterial. Und wir hören ihn in den ausklingenden Minuten eine seiner bedeutsamsten Reden halten, in der es unter anderem um die Auswirkung und Sinnlosigkeit von Gewalt geht - während eines Finales, das diese auf effektvolle Weise verdeutlich.

Das, wofür Kennedy vor allem stand - ein endgültiger Rückzug aus dem Vietnamkrieg, der 1968 am eskalieren war, und mehr Gleichberechtigung für die schwarze Bevölkerung - wird anhand des Mikrokosmos der durchschnittlichen Menschen im Hotel gespiegelt: Ein junges Mädchen (Lindsay Lohan) heiratet ihren Schulfreund (Elijah Wood), damit dieser nicht nach Vietnam eingezogen wird. Ein mexikanischer Küchenarbeiter (Freddy Rodriguez) - der feststellt, dass Latinos die neuen Schwarzen seien - kann nicht zu einem begehrten Baseball-Spiel gehen, weil ihn sein rassistischer Boss mit Doppelschichten ausbeutet. Dazu gesellen sich neben zahlreichen anderen ein Hotel-Manager (William H. Macy), der seine Frau (Sharon Stone) mit einer Telefonistin (Heather Graham) betrügt, zwei junge Wahlhelfer, die erste (teilweise sehr amüsante) Erfahrungen mit LSD machen und ein pensionierter Portier (Anthony Hopkins), der mit seinem farbigen Freund (Harry Belafonte) über die guten alten Zeiten philosophiert.

Estevez hat eine beeindruckende Besetzung zusammengetrommelt, die sich sehen lassen kann - aber auch schon das Sehenswerteste an seinem Ensemble-Drama ist, das Robert Altmans Gosford Park nachzueifern scheint, dabei aber eher einer Kreuzung aus Love Boat und Airport ähnelt: Herzschmerz meets Katastrophe. Die Episoden von "Upstairs" und "Downstairs" - den wohlhabenden Gästen und dem malochenden Personal - fangen in Kombination mit Kostümen, Kulisse und Ausstattung zwar den Flair und Zeitgeist der 60er Jahre stimmungsvoll ein, sind im Kern aber zu trivial, um wirklich zu fesseln oder gar einen unverbrauchten Blickwinkel auf die damalige politischen Lage oder Robert Kennedy zu werfen. Sie fügen sich nicht zu einem Ganzen, bleiben losgelöst voneinander und hinterlassen den Wunsch, weniger von diesen "kleinen", in diesem Fall belanglosen Leuten und dafür mehr von "Bobby" erfahren zu haben.

Keine weitere Wertung


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