Zwar muss sich der italienische Regisseur Gabriele Muccino in seinem Hollywooddebüt vorwerfen lassen, dass er einige Szenarien zu sehr ausreizt und die Laufzeit mit zwei Stunden etwas zu lange geraten ist, doch gleicht dieser Film das durch seine schöne, moralhaltige Geschichte, sowie der harmonierenden Leistung der beiden Hauptdarsteller locker wieder aus.
Wenn Das Streben nach Glück nicht der perfekte Weihnachtskassenschlager ist, welcher Film dann? Ein Film nach einer wahren Geschichte über den amerikanischen Traum vom Tellerwäscher zum Star, dazu noch Erfolgsgarant Will Smith in der Hauptrolle und unter der Regie von Genrespezialist Gabriele Muccino. Dass unter diesen Umständen ein Kassenerfolg garantiert war ist klar, jedoch weniger ob auch die Qualität ein Einspielergebnis von über 26 Millionen Dollar in der ersten Woche rechtfertigt.
In der Ehe von Chris Gardner, einem Vertreter für Röntgengeräte, kriselt es nicht nur, auch finanziell kommt das Ehepaar kaum über die Runden. Dennoch hat er einen Traum von einem besseren Leben und nimmt in der Hoffnung auf einen Job ein sechsmonatiges unbezahltes Praktikum an, bei dem nur einer übernommen wird. Diesem Druck hält seine Ehe nicht stand, so verliert er nicht nur seine Frau, sondern auch bald sein Dach über dem Kopf und muss mit seinem fünfjährigen Sohn Christopher von der Straße aus den Schein wahren um die sechs Monate überstehen.
Dem Trailer nach zu urteilen und auch bei Betrachtung der Geschichte erwartet der Zuschauer schon im Voraus, dass ihm der Film zu Tränen rühren wird. Doch überraschenderweise setzt das Drehbuch andere Schwerpunkte und konzentriert sich vielmehr auf Chris Gardners Bemühungen für sein Praktikum und seinem Vertreterberuf, womit der erwartete Tränenschwall leider ausbleibt. So schön die Geschichte auch ist, an manchen Stellen kann man sich dem Gefühl nicht erwähren, dass mehr möglich gewesen wäre, hätte man sie nicht 08/15 heruntergeleiert, sondern beispielsweise Gardner einen ernsthaften, vielleicht sympathischen Konkurrenten an seine Seite gestellt.
Großes Glück hatte man jedoch bei der Wahl des italienischen Regisseurs Gabriele Muccino, der mit Das Streben nach Glück sein Hollywooddebüt feiert. Er versteht es seinen Film, bzw. seine Charaktere so zu leiten und in Szene zu setzen, dass man deren Verhalten durchweg nachempfinden kann und auch mutig genug war, Smiths Rolle an manchen Stellen ein paar negative Seiten zu verpassen. Dieser Realismus, der schon in seinem Ein letzter Kuss zu beeindrucken wusste, sowie eine schöne Filmmusik können über die etwas zu lang andauernde Laufzeit von knapp zwei Stunden entschädigen.
Der große Pluspunkt des Filmes sind jedoch seine beiden Hauptdarsteller. Will Smith zeigt nach Ali erneut, dass er auch außerhalb des Actionkinos überzeugende Darbietungen zeigen kann. Seine größte Stärke jedoch ist es, dass er sich nicht in den Vordergrund spielt und so gibt er seinem Filmpartner, dem eigenen Sohn Jayden in seiner ersten Rolle, genügend Freiraum, welcher von ihm gut angenommen wird und die beiden somit eine unglaubliche Chemie auf der Leinwand besitzen.
Sicher, Das Streben nach Glück ist alles andere als frei von Schwächen, so kann die Geschichte wenig Neues bieten, ist leider im Vergleich zur wahren Geschichte unnötig dramatisiert worden und auch schleichen sich zu viele Wiederholungen ein. Dennoch besinnt sich dieser Familienfilm auf genau das, was der Zuschauer an Weihnachten sehen will und kann im Großen und Ganzen gute Unterhaltung bieten, auch wenn der Trailer deutlich mehr versprochen hat.