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John Herzfeld's Film 15 Minuten Ruhm befaßt sich mit zwei Osteuropäern, die nach Amerika kommen und in New York ihr Unwesen treiben, sprich es werden ein paar Leute abgemetzelt. Als ob das noch nicht genug wäre, halten sie ihre Morde noch auf Video fest. Gejagt werden sie von zwei Polizisten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Auf der einen Seite der publicitygeile Robert DeNiro und auf der anderen der junge dynamische Edward Burns. Doch der ganze Verlauf der Geschichte ist höchst unglaubwürdig, denn die beiden Ganoven gehen mehr als dilettantisch zu Werke und gehen sogar auf Polizisten los. Wir alle wissen, wer in den USA einen Polizisten an- oder erschießt, der setzt den mächtigen und noch dazu erbosten Polizeiapparat in Bewegung und dieser kommt erst zum Stillstand, wenn der Schuldige gefasst ist. Aber in 15 Minuten Ruhm treiben die beiden ungeriert ihre grausames Spiel. Man könnte den Film also kurz und schmerzlos in der Schublade klischeehafter Durchschnitts-Thriller ablegen und den Stift beiseite legen. Doch dies wäre ein fataler Fehler, den der Film verhüllt zunächst geschickt seine wahre Message.
Das Genre Thriller dient nämlich nur als Vehicle, um Andy Warhol's Spruch "In the Future, everyone will be famous for 15 minutes." zu visualisieren. Der Film muß also in Wirklichkeit als Gesellschaftssatire verstanden werden. Es geht vor allem um die Medien und ihren Stellenwert in der Gesellschaft. In einer Zeit, in der es Dank Talkshows und Big Brother jeder mit einem IQ knapp über Zimmertemperatur in Fernsehen schafft, schildert der Film das Streben verschiedener Personen nach Popularität. Für Ermittler Frank Beetle ist der Umgang mit den Medien das täglich Brot und er genießt es sichtlich vor die Kamera zu treten. Unsere beiden Osteuropäer versuchen auf eine andere Weise populär zu werden, sie wollen als grausame Mörder die Sendezeit der Reality-Shows füllen. Dabei leben die beiden eine Art modernen American Dream aus. Die Vorbilder und Pläne für ihre grauenvollen Taten liefert ihnen das Fernsehen selbst. Die TV-Macher entpuppen sich als ebenso skrupellos wie die unsere beiden Mörder. Für eine gute Story verleumden sie Freunde und drehen krumme Dinger. Gleichzeitig wird die Sensationsgeilheit der Bevölkerung und ihr Lechzen nach Sex & Crime dargestellt. Auch die amerikanische Justiz kommt in 15 Minuten Ruhm weniger gut weg, denn es wird dem Zuschauer vor Augen geführt, das es nicht immer die Gerechtigkeit ist, die siegt. Wer sich heutzutage die besseren Anwälte leisten kann, der kommt selbst mit mehreren Morden davon, indem er auf unzurechnungsfähig plädiert. Angesichts der Tatsache, daß man den Film nicht als Thriller im herkömmlichen Sinne bezeichnen kann, ergibt auch die schlechte Story wieder Sinn. Denn der Thriller ist eigentlich nur ein Film im Film. Regie führt einer der beiden Osteuropäer, er bedient die Kamera und dokumentiert den Aufenthalt in New York. Dabei leiten die beiden, durch ihre Taten, die Geschicke der Polizei und pressen ihr das unkontrollierte und stümperhafte Handlungsschema auf. Besonders die verwackelten Einstellungen mit der Handkamera werden dadurch in ein völlig neues Licht gerückt und kommen besser als Stilmittel zum tragen.
Autor und Regisseur John Herzfeld lässt sich in 15 Minuten Ruhm auf ein waghalsiges Experiment ein, er verbindet einen Thriller und eine Satire. Doch angesichts der Thematik des Films ist diese Kombination mehr als logisch und sinnvoll. Dank der überspitzen Darstellung, der Aktualität und der Brisanz des Themas trifft der Film genau den richtigen Nerv. Mit 15 Minuten Ruhm entstand eine sehr gute Gesellschaftssatire, die vor allem nicht den Fehler macht, sich von Anfang an zu outen. |