Waren Teil 1 und 2 der Rocky-Saga noch hervorragende Dramen, macht sich hier leider nicht nur ein Abfall in Geschichte und Charakteren bemerkbar, auch der Übergang von Drama zu einem an Action orientierten Sportfilm, sowie das Fehlender bis dahin überzeugenden Dialoge wird für jeden Zuschauer zu einem Ärgernis.
Die beiden Vorgänger wurden sowohl von der Presse, als auch vom Publikum geliebt. Was liegt also näher als noch ein weiteres Kapitel der Geschichte um den naiven Boxer Rocky Balboa hinzuzufügen. Aufgrund der Tatsache, dass wieder alle Beteiligten mit an Bord waren, konnte man sich im Grunde auch sicher sein dass, trotz einiger kleiner Schwächen bei Teil 2, wieder ein guter Film heraus kommen könnte.
Nach seinem Sieg über Weltmeister Apollo Creed und den darauf folgenden zehn Titelverteidigungen möchte Rocky Balboa sich nun aus dem Boxgeschäft zurückziehen. Als jedoch Herausforderer Clubber Lang ihn und seine Familie in aller Öffentlichkeit beleidigt, nimmt er entgegen dem Rat seines Trainers Mickey diese letzte Herausforderung an. Jedoch geht nicht nur der Fight in kürzester Zeit verloren, während des Kampfes verstirbt sein Trainer an Herzversagen. Mit diesen Ereignissen überfordert zieht sich Rocky aus dem öffentlichen Leben zurück, allerdings nur bis Creed ihn überzeugen kann es ein letztes Mal zu versuchen.
Oh Sylvester, was hat dich hier nur beim Verfassen des Drehbuchs geritten? Als Zuschauer könnte man meinen, dass man in den falschen Film geraten wäre, denn wie es Stallone schafft seinen großartigen Charakter Rocky zu zerstören, ist schon ein Kunstwerk. Die Hauptperson ist einfach nicht mehr die liebenswerte, naive Person aus den Vorgängern, sondern eine 08/15-Actionfilm-Karikatur. Es schien nicht nur so, als würden ihm die Ideen ausgehen, denn die erneut erhofften ehrlichen Dialoge vermisst man mit Ausnahme der Strandszene mit Adrian vollkommen. Auch wirkt es so, dass er seine eigenen Vorlagen nicht kennt, so wird seine Augenverletzung aus Teil 2, sowie der Gefahr der möglichen Erblindung bei einem weiteren Kampf einfach unter den Tisch gekehrt.
Die Inszenierung von Rocky III ist dabei gar nicht mal so schlecht ausgefallen. Jedoch wusste Stallone was er zu machen hat, denn er fährt genau das, was man schon in Teil 1 und 2 in anderer Variation zu Gesicht bekam. Dies zeugt zwar von Einfallslosigkeit, allerdings nehmen einen diese Momente noch immer gefangen. Gleiches gilt für die Musikuntermalung Bill Contis, die zudem noch durch einen der besten Filmsongs aller Zeiten (Eye of the Tiger von Survivor) Verstärkung in Sachen musikalischer Untermalung erhielt. So können diese Momente dennoch für viele inhaltliche Schwächen und die, wie schon in Rocky II, übertriebenen Boxszenen entschädigen.
War Stallones Darbietung noch einer der Garanten für das Gelingen des Vorgängers, so scheitert er diesmal kläglich. Schuld daran ist, dass er den Charakter des Rocky plötzlich völlig anders interpretiert und gerade dessen besonderen Gestiken sowie seine Sprechweisen vermissen lässt. Die Nebendarsteller geben mit Ausnahme des völlig überzogenen Mr. T in seiner ersten Rolle keinen Anlass zur Klage und wirken, wohl aufgrund der schwachen Darbietung Stallones, sogar noch ein wenig stärker als gewohnt.
Aufgrund der viel zu vielen Kritikpunkte und der Tatsache, dass Sylvester Stallone hier sein eigenes Baby zu Grabe trägt, müsste das Gesamturteil vernichtend ausfallen. Allerdings muss man gestehen, dass der Film an wenigen Stellen immer noch das gewisse Flair hat und man es hier nicht mit einer totalen Gurke zu tun hat, sondern einfach nur mit einem im Vergleich zu seinen Vorgängern enttäuschenden Film.