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Edward Zwicks Blood Diamond ist ein funktionierendes, wenn auch überlanges Abenteuer-Epos, das außerdem Lovestory, Polit-Melodram mit Botschaft und persönliche Entwicklungsgeschichte sein will, was ihm nur in Fragmenten gelingt. Leonardo DiCaprio als opportunistischer Waffenhändler wandelt sich darin vom Saulus zum Paulus, der sein Gewissen so wundersam entdeckt wie Tom Cruise seine Spiritualität in Zwicks Last Samurai.
Blood Diamond steckt voll ehrlichem Enthusiasmus und bester Absichten, denen er aber nicht vollständig gerecht werden kann, weil er überstrapazierte Klischees bedient: von einem landschaftlich beeindruckenden Afrika im anarchischen Ausnahmezustand und vom ausbeutenden, egoistischen Weißen, der seine Lektion von dem moralisch überlegenen Schwarzen mit Heimat- und Familiensinn lernt. Dabei vereinfacht oder verweigert er nötige Hintergrundinformationen, um mehr als an der Oberfläche zu kratzen. Er sympathisiert leidenschaftlich mit dem Land und seiner terrorisierten Bevölkerung, drückt dies jedoch vorwiegend durch ebenso brutale wie effektvoll gefilmte Action-Sequenzen aus, in denen Letztere von umherziehenden Rebellen-Gangs aus dem Nichts überfallen und niedergemetzelt wird. Was im ersten Drittel als Wachrüttler und Augenöffner wirkungsvoll ist, büßt in der Wiederholung allerdings immer mehr Substanz ein.
Die Rolle des Ex-Söldners und Waffenhändlers Danny Archer (Leonardo DiCaprio) ist als abgestumpfter und gefühlsarmer Zyniker angelegt, der auch vor Gewalt nicht zurückschreckt, wenn sie ihm gelegen kommt. DiCaprio verleiht ihm mit seiner harmlosen Jungenhaftigkeit, trotz Bemühens um harte Männlichkeit, eher das Auftreten eines raffinierten Schlitzohrs, das weiß, wie man sich durchschlingelt. Das erinnert stellenweise an seinen Part als charmanter, hochstapelnder Lausbube in Steven Spielbergs Catch Me If You Can und gelingt ihm - von seinem afrikanischen Akzent einmal abgesehen - überzeugend und unterhaltsam, bis zu dem Zeitpunkt, an dem er die verschüttete Liebe zu seinem Land wiederentdeckt und eine noble Selbstlosigkeit aus dem Ärmel schüttelt, von der man sich fragt, wo die so plötzlich herkommt.
Auch wenn die Figur des Danny Archer in ihrer sprunghaften Entwicklung nicht durchweg glaubwürdig wirkt, ist sie immerhin komplexer als die des gutherzigen schwarzen Fischers Solomon Vandy (Djimon Hounsou, In America), der allein darauf reduziert wird, ein engagierter Vater und Ehemann zu sein. Zu den beiden gesellt sich noch eine amerikanische Journalistin (Jennifer Connelly, A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn), die Archer Insider-Informationen über den Handel mit Blutdiamanten entlocken will und zur Sorte "idealistischer Krisengebiet-Junkie ohne Privatleben" zählt. Nachdem eine halbherzige Liebesgeschichte zwischen beiden angedeutet wird, die unter anderem an der fehlenden Chemie der Hauptdarsteller kränkelt, verschwindet Connelly irgendwann so gut wie ganz von der Bildfläche und ihre zukünftige Beziehung beschränkt sich auf ein dramatisches Ferngespräch.
Das Überraschendste an Blood Diamond ist nicht sein Verlauf - nach einer halben Stunde steht im Grunde fest, wie er enden wird - sondern dass er trotz aller Vorhersehbarkeit Anteilnahme erzeugen und diese über eine weite Strecke auch aufrecht erhalten kann. Regisseur Edward Zwick und sein Kameramann Eduardo Serra (Das Mädchen mit dem Perlenohrring) kennen die Zutaten, mit denen man eine spannende, obwohl formelhafte Geschichte konstruiert, vorantreibt und in wuchtigen Bildern transportiert. Leider wird sie sehr in die Länge gezogen, verfängt sich in den eigenen Handlungssträngen und Ansprüchen und verliert zunehmend an Dichte, sodass ihre potentielle Sprengkraft nur in einigen ausdrucksstarken Momenten und nicht in der Gesamtheit zum Zünden kommt. |