Back to the Roots! Auch wenn doch ein ganzes Stück zur Qualität der ersten beiden Filme fehlt, tut es dem angeschlagenen Fan gut, wieder überzeugende Dialoge und vor allen Dingen die wahren Charaktere der Rocky-Franchise zu sehen, die sich zwar durch einige Drehbuchschwächen kämpfen müssen, aber immerhin deutlich von den letzten Teilen abheben können.
Nach den doch bescheidenen Fortsetzungen drei und vier, besann sich Sylvester Stallone auf die Qualitäten des Originals. Um nichts dem Zufall zu überlassen engagierte er zudem mit John G. Avildson den Regisseur des besagten Teiles und auch Bill Conti durfte nach dem Fehlen in Rocky IV nun wieder sein Talent für großartige Scores unter Beweis stellen.
Nicht nur dass Rocky Balboa nach seinem Kampf gegen Ivan Draco und einer daraus resultierenden Schädelverletzung nicht mehr in den Ring steigen kann, auch der Verlust seines gesamten Vermögens durch einen skrupellosen Finanzmakler, zeigen wie schnell man fallen kann. In der Bronx übernimmt er den Boxschuppen seines verstorbenen Trainers Mickey und es dauert nicht lange, bis Rocky in dem jungen Tommy Gunn eine Chance sieht, als Trainer Fuß fassen zu können.
Dass sich die Geschichte wieder auf die Wurzeln des Originals besinnt, kommt dem Film nur zu Gute, so stehen wieder die Charaktere im Vordergrund und es gefallen die Familienprobleme der Famile Balboa ebenso, wie Rockys Hoffen auf die Rückkehr des Erfolges. An manchen Stellen hapert es jedoch mit dem Drehbuch, so wirkt Stallones Bloßstellung der Boxszene schon ein wenig plump und auch die Tatsache, dass zwischen Teil IV und V nur wenige Wochen liegen, sein Sohn aber um Jahre gealtert ist, lässt auf einige Schlampereien schließen.
Bei der Inszenierung hat man sich überraschenderweise nicht auf Bewährtes verlassen, so fehlen hier leider an manchen Stellen die Magic Moments, die die vorangegangenen Teile ausmachten (wie z. B. Rockys Training) vollkommen. Dennoch ist die Umstellung von einem Popspektakel zu ruhigeren Tönen zu begrüßen und kann über die meiste Zeit entschädigen.
Dass Sylvester Stallone nun endlich wieder den richtigen Rocky spielen darf scheint ihn zu beflügeln, so blüht er erstmals seit dem zweiten Teil wieder richtig auf und auch die gewohnten Nebendarsteller Talia Shire, Burt Young sowie erstmals Sylvesters Sohn Sage Stallone können sich diesem Niveau anschließen. Was sich jedoch die Macher mit der Besetzung von Tommy Morrison als Tommy Gunn gedacht haben, wird wohl immer ein Rätsel bleiben, da seine Leistung beim besten Willen nicht mehr als Schauspielern zu bezeichnen ist.
Auch wenn der Film ein kommerzieller Flop war und von den meisten Kritiker verrissen wurde, so ist Rocky V im Vergleich zu den letzten beiden Filmen dennoch stärker. Grund hierfür ist, dass man sich auf die Wurzeln des Originals besann, die Charaktere wieder in den Mittelpunkt rückte und somit Fans der ersten Teile entschädigen kann.