Hannibal Lecter ist zurück. Basierend auf der Romanvorlage von Thomas Harris, erzählt Hannibal Rising - Wie alles begann von den Jugendjahren des genussvollen Massenmörders. Hier erfährt man nun endlich, wie aus einem kultivierten jungen Mann ein menschenfressendes Monster werden konnte. Anthony Hopkins ist diesmal nicht dabei, dafür übernimmt Gaspard Ulliel seine Paraderolle.
Alles begann in Litauen während des Zweiten Weltkriegs. Der zehnjährige Hannibal wird Zeuge, wie seine Eltern bei einem Bombenangriff der Nazis ums Leben kommen. Der Junge kann sich mit seiner Schwester Mischa zunächst in Sicherheit bringen. Doch dann werden die Kinder von einer Gruppe Söldner aufgespürt, die Mischa vor seinen Augen töten und letztlich verspeisen. Hannibal gelingt die Flucht nach Frankreich, wo er Zuflucht bei seiner Tante (Gong Li) findet und bei ihr aufwächst. Als junger Mann beginnt er ein Medizinstudium und wird dabei stets von seiner Vergangenheit verfolgt. Die Rache beginnt.
Hannibal Lecter konnte das Publikum bereits in mehreren Filmen faszinieren. Neben den Bestseller-Verfilmungen Roter Drache und Hannibal konnte dabei wohl Das Schweigen der Lämmer am meisten schocken und überzeugen. War bereits Hannibal nicht mehr ganz so spannend in der Erzählung, so wird es mit den Jugendjahren des Kannibalen nicht besser. Dem Großteil des Films fehlt die nötige unterschwellige Bedrohung und Spannung, die beim Zuschauer für ein Gefühl des Unbehagens nötig wäre. Es gibt genügend blutige Szenen zu ertragen; der junge Hannibal steht in seiner Grausamkeit dem älteren Pendant in nichts nach. Die Erzählung ist dramaturgisch allerdings nicht gut aufgebaut und ergeht sich in vielen langen Szenen, die kürzer gefasst wesentlich effektiver gewesen wären.
Mit Gaspard Ulliel hat Regisseur Peter Webber ein glückliches Händchen bewiesen. Er verkörpert seine Rolle des menschenfressenden Mörders durchaus glaubwürdig und man merkt recht schnell, dass er noch zu vielem fähig sein wird. Dagegen wirkt Gong Li als seine Ziehmutter fehl am Platz, da sie in ihrer Rolle schlicht unterfordert ist und mehr als hübsches Beiwerk erscheint.
Sicherlich wird auch diese Romanumsetzung ihre Zuschauer finden, die Erfolge der Vorgänger sprechen mehr als dafür. Doch sollte man sich bewusst sein, dass der Grusel und die unterschwellige Bedrohung, die ein Anthony Hopkins hervorbrachte, hier nicht zu finden sind.