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Shooting Dogs

(Shooting Dogs, 2005)

Dt.Start: 17. Mai 2007 Premiere: 12. Mai 2005 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 115 min Land: UK, Deutschland
Darsteller: John Hurt (Christopher), Hugh Dancy (Joe Connor), Dominique Horwitz (Capitaine Charles Delon), Louis Mahoney (Sibomana), Nicola Walker (Rachel), Steve Toussaint (Roland), David Gyasi (Francois), Susan Nalwoga (Edda), Victor Power (Julius), Jack Pierce (Mark), Musa Kasonka Jr. (Boniface), Kizito Ssentamu Kayiira (Pierre), Claire-Hope Ashitey (Marie)
Regie: Michael Caton-Jones
Drehbuch: David Wolstencroft, Richard Alwyn


Inhalt

Ruanda, 1994. Nachdem der Präsident durch einen Anschlag ums Leben kommt, eskaliert die jahrelange Rivalität zwischen den Volksgruppen der Hutus und Tutsis. Eine Anzahl von Flüchtlingen rettet sich in eine Missionsschule in Kigali, wo sie von dem katholischen Priester Christopher und dem jungen Lehrer Joe Connor versorgt werden. Doch die Massaker an insgesamt 800.000 Tutsis machen auch vor den Toren der Schule keinen Halt, und die UN-Truppen, die sie bislang bewachten, planen den Rückzug.
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Kritik

Shooting Dogs hat eine Wertung von 90%
Während Hotel Ruanda die Zivilcourage eines Einzelnen zur Zeit des ruandischen Völkermordes in den Mittelpunkt stellt, prangert Shooting Dogs auf eindringliche, bewegende Weise das Versagen der Vereinten Nationen und die Passivität ihrer im Land stationierten Truppen an. Was den Grausamkeiten und Morden an 800.000 Menschen umso mehr Sinnlosigkeit und Tragik verleiht, da sie hätten verhindert werden können.

Bild aus Shooting Dogs Das Einzige, wofür der belgische UN-Kommandant Delon (Dominique Horwitz, Strajk - Die Heldin von Danzig) von seinen Vorgesetzten die Vollmacht erhält, ist es, streunende Hunde, die sich an den Leichen der Ermordeten zu schaffen machen, wegen Seuchengefahr zu erschießen. Das strategische und bereits seit längerem geplante Töten der Tutsi-Minderheit durch extremistische Hutus findet zwar direkt vor seinen Augen statt, doch ihm sind die Hände gebunden, da er nur zur Waffe greifen darf, wenn er vorher angegriffen wird. Außer es handele sich um einen Völkermord, dann müssen die Vereinten Nationen einschreiten. Und obwohl alles dafür spricht, dass es einer ist, fehlt das nötige Mandat. Was den verzweifelten und aufgebrachten Priester Christopher (John Hurt, V wie Vendetta) dazu bringt, den Kommandanten zu fragen, ob ihn denn die Hunde angegriffen hätten.

Eine anwesende Kriegsberichterstatterin liefert die zynische, aber nicht unwahrscheinliche Erklärung für die schwer nachvollziehbare Untätigkeit der UN: Musste sie im Bürgerkrieg in Bosnien ständig weinen, da sie sich mit den vergewaltigten und getöteten Frauen identifiziert habe, gelinge ihr dies trotz schlechtem Gewissen in Ruanda nicht. Es seien eben "nur" schwarze Afrikaner, keine weißen Europäer. Letztere werden dann auch noch rechtzeitig aus dem Land geschafft, während die einheimische Bevölkerung, darunter die Flüchtlinge auf dem Gelände der Missionsschule, zum sicheren Sterben zurückgelassen wird. Diese Schule hat es tatsächlich gegeben, und der Regisseur Michael Caton-Jones (City by the Sea) verbindet die hier stattgefundenen Ereignisse mit den fiktiven Figuren des alten, erfahrenen Priesters und des jungen, idealistischen Lehrers Joe (Hugh Dancy, King Arthur), die im Verlauf der Handlung eine fast konträre Bewusstseinswandlung durchmachen.

Caton-Jones ist zuletzt mit dem Flop Basic Instinct: Neues Spiel für Catherine Tramell peinlich aufgefallen, für den er laut eigener Aussage "die Beine breit gemacht habe" - eine treffliche Metapher für den Film - um Shooting Dogs realisieren zu können. Und tatsächlich beweist er mit dem richtigen Material Zurückhaltung und Fingerspitzengefühl anstelle von Plumpheit. Der reale Horror baut sich langsam auf und kippt nie ins Voyeuristische. Es ist eine solide, geradlinige Inszenierung ohne herausragende Überraschungen oder dramaturgische Extravaganzen. Man könnte dem Drama vorwerfen, wie viele vor ihm, eine "weiße Perspektive" einzunehmen und zwei Ausländer in den Mittelpunkt der Geschichte zu stellen, allerdings verhält sich zumindest einer der beiden angenehm unheroisch und menschlich nachvollziehbar. Ansonsten wird nur eine zentrale Figur durch eine Afrikanerin repräsentiert: Die junge Schülerin Marie (Claire-Hope Ashitey, Children of Men), die heimlich in Joe verliebt ist und sich von ihm das Versprechen geben lässt, sie nicht im Stich zu lassen.

In einer späten Sequenz, in der die UN-Truppen die Missionsschule endgültig verlassen, bittet Maries Vater Kommandant Delon, die Flüchtlinge lieber zu erschießen, anstatt sie dem weitaus brutaleren Tod durch die Macheten der Hutus auszuliefern. Als der sich weigert, fleht er ihn an, doch zumindest die Kinder vor diesem Schicksal zu bewahren. Die Antwort: "Ich kann nichts für sie tun." Dabei erkennt man hinter seiner professionellen Härte ein unterdrücktes Bedauern über die frustrierende Situation und die ihm verordnete Nutzlosigkeit. Schnüren einem diese und die darauf folgenden Szenen nicht bereits die Kehle zu, dann erreicht es spätestens der Abspann. Ruandische Crew-Mitglieder des Films werden mit Namen und Foto vorgestellt, von denen nicht wenige ihre gesamte Familie verloren haben. In einem Völkermord, der als der größte seit dem zweiten Weltkrieg gilt, erst viel zu spät als solcher anerkannt wurde und zu den beschämenden Kapiteln der Vereinten Nationen zählt.

von Birte Lüdeking


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