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Ein Brotteig lebt! Und entsprechend sorgsam sollte man ihn auch behandeln. Meint zumindest ein von Doris Dörrie (Nackt) portraitierter Zen-Priester und Meisterkoch. Der bricht wegen eines zerbeulten Teekessels schon mal in Tränen aus, lacht ansonsten aber gerne und viel - am liebsten über die eigenen Witze. Und er lebt und kocht uns vor, wie wir bewusster mit uns und unserer Ernährung umgehen sollten.
Ausgelöst durch Morgan Spurlocks Burger-Selbstversuch Super Size Me hat das Kino in den letzten Jahren vermehrt die Risiken bedenklicher Essgewohnheiten in sein Menü aufgenommen, mit ihren negativen Auswirkungen sowohl für den eigenen Körper, als auch für die Marktwirtschaft. Die österreichische Dokumentation We Feed the World ebenso wie Richard Linklaters Spielfilm Fast Food Nation waren in erster Linie um die Aufklärung der Zuschauer und Konsumenten bemüht und tendierten dabei manchmal in Richtung Bevormundung und Belehrung.
Dörries Ansatz ist dagegen ein philosophischer und speziell buddhistischer. "Wie geht es dir?" "Ich backe", heißt es in einer Szene. Ebenso könnte das Motto lauten: Ich koche, also bin ich. Und ich bin dabei achtsam mit mir, meinen Mitmenschen und meinem selbst gebackenen Hefezopf. Denn genau das bedeutet vereinfacht zusammengefasst "Zen". Im Moment leben und sich ausschließlich auf das konzentrieren, was man im Augenblick tut. Das Kochen ist hierfür ein gutes Übungsfeld. Wer dabei abgelenkt ist und zu viel grübelt, muss im schlimmsten Fall sein angekohltes Mittagessen mit nur noch neun Fingern zu sich nehmen.
Aber selbst der von der Dörrie portraitierte Zen-Priester, Meisterkoch und Verfasser philosophischer Kochbücher, Edward Espe Brown aus Kalifornien, verhält sich nicht rund um die Uhr wie eine "treibende Ente im endlosen Gewässer", wie es im Zen-Buddhismus heißt. Eher gleicht er trotz jahrelang geübter Gelassenheit hin und wieder einem zickigen Schwan, wenn sich die Besucher seiner Kochkurse nicht ausreichend auf seine Worte oder das sorgsame Schneiden der Radieschen konzentrieren. Die Autorin und Regisseurin filmte ihn während dieser Unterrichtsstunden in Österreich, Kalifornien und San Francisco und lässt ihn seine gesammelten Koch- und Lebensansichten direkt in die Kamera sprechen. Seine Botschaft ist klar und keine wirklich neue: Wir leben und essen zu schnell und nicht bewusst. Wer nach Feierabend die Fertigpizza in den Backofen schiebt oder bei der nächsten Burger-Bude Stammgast ist, kann sich irgendwann nicht mehr spüren, wird unzufrieden und krank.
Die Inszenierung beginnt zunächst beschwingt und unterhaltsam, mit Aufnahmen von schmackhaften Mahlzeiten und einem meist gutgelaunten, über die eigenen Anekdoten am lautesten lachenden Brown. Später fallen dann allerdings Sätze wie "Du bist, was du isst. Isst du zu viele Hamburger, wirst du irgendwann selbst zu einem", mit anschließendem Schnitt zu einem übergewichtigen Burger-Verzehrer. Spätestens wenn ein Teenager von seinem unappetitlichen Bemühen, ein Huhn zu schlachten, berichtet und im darauf folgenden Bild das fetttriefende Resultat am Grillspieß seine Runden dreht, scheint es dann doch so, als wolle Dörrie nicht nur zum Umdenken anregen, sondern auch missionieren. Und selbst wenn man ihrer Message im Großen und Ganzen zustimmt, regt sich dann schon mal der innere Drang, zum nächsten Schnellimbiss zu laufen und allein aus Trotz etwas richtig Gesundheitsgefährdendes zu verdrücken. |