Es schneit und schneit und schneit - und das nicht nur draußen - in dem Kammerspiel der fröstelnden Herzen des französischen Altmeisters Alain Resnais (Das Leben ist ein Chanson), der für seine Regiearbeit auf den Filmfestspielen von Venedig mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet wurde und erneut beweist, dass das Thema Liebe nie Schnee von gestern ist.
Das tolle an so einer Videokassette, erklärt der Makler Thierry (André Dussollier) seiner heimlich angebeteten Kollegin Charlotte (Sabine Azéma) mit kindlicher Begeisterung, sei ja, dass man sie jederzeit zurückspulen, überspielen und wieder von vorne beginnen könne. Und möchte dabei gerne ignorieren, dass ähnlich wie in zwischenmenschlichen Beziehungen und speziell der Liebe, der so genannte Neuanfang eine Illusion ist. Weil das, was war und versucht wird, zu überdecken oder hinter sich zu lassen, vielleicht nicht mehr offensichtlich, aber auch nie ganz zu löschen ist und stets unter der Oberfläche vorhanden bleiben wird.
Thierry ist nicht der Einzige, der sich selbst und anderen etwas vormacht, um ein wenig Nähe zu erfahren und die alltägliche Einsamkeit, die sämtliche Figuren in Herzen verbindet, einerseits zu verbergen und sie andererseits zu durchbrechen. Jemand der Alkohol trinkt, behauptet, er tue es nicht. Ein anderer gibt an, Fußball im Fernsehen zu sehen, schaut aber eigentlich einen Strip. Man nennt einen falschen Namen, und in Bekanntschaftsanzeigen wird natürlich ohnehin geschummelt, bzw. wenn dies einmal nicht der Fall ist, löst das Erstaunen aus.
Der Wunsch und gleichzeitig die Unfähigkeit der Menschen, eine Bindung einzugehen und diese dauerhaft aufrechtzuerhalten und die daraus folgende Isolation ist ein häufig aufgegriffenes und vielfach variiertes Thema des 84-jährigen Regisseurs Alain Resnais - einst Vertreter der Nouvelle Vague - der nach Smoking/No Smoking nun zum zweiten Mal ein Werk des englischen Bühnenautors Alan Ayckbourn verfilmt hat, das Stück "Private Fears in Public Places" - "Heimliche Ängste", dessen Handlung von London nach Paris verlegt wurde.
Die Stadt der Liebe ist allerdings nur kurz in der Eröffnungssequenz erkennbar. Alles Weitere lässt Resnais in einer überschaubaren Anzahl geschlossener Räume stattfinden, die auch noch von Trennwänden jeglicher Ausführung dominiert werden. Gardinen, Glas, Mauern - alles wird genutzt, um die unüberbrückbare Distanz zwischen seinen Protagonisten zu veranschaulichen. Als Übergang zwischen den Szenen fällt als Symbol der Gefühlskälte unaufhörlich Schnee, einmal sogar innerhalb einer Wohnung. Es ist in erster Linie das Ästhetische, was hier von Bedeutung ist, Aussagekraft hat und das Drama sehenswert macht. Wie im Boulevardtheater sind viele der Charaktere überzeichnet und somit ein klein wenig lächerlich und nicht wirklich involvierend. Was dazu führt, dass man auch als Zuschauer trotz intellektueller Bewunderung für die durchdachte Inszenierung der Bilder, das Thema des Films durchlebt und zum Geschehen immer einen gewissen emotionalen Abstand beibehält.