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Der teuerste spanische Film aller Zeiten ist leider nicht der Beste, bei weitem nicht. Dies liegt vor allen Dingen am Fehlen einer ordentlichen Geschichte - hier wäre weniger deutlich mehr gewesen. Da der Film zudem auf Video gedreht wurde, fehlt es ihm auch noch an Opulenz und da retten ihn auch die sehr guten Fechtkämpfe nicht. Ein nicht-spanisches Publikum wird schwer zu finden sein.
Seit zwei Jahren habe ich mich auf das Erscheinen von Captain Alatriste gefreut. Schließlich wurde schon im Vorfeld von den enormen Bemühungen gesprochen, das siebzehnte Jahrhundert endlich einmal glaubwürdig in einem Spielfilm entstehen zu lassen. Dies ist, das muss man wirklich sagen, auch hervorragend gelungen. Allerdings kommt auch hier schon das erste Damoklesschwert angesurrt, denn auf Video geht selbst diese tolle Atmosphäre völlig unter. Besonders Kamerabewegungen sind kaum zu ertragen. Aber um bei der Prioritätenliste nicht völlig durcheinander zu kommen, das schlimmste ist das schlechte Buch.
Was uns da aufgetischt wird, ist offensichtlich der Schnelldurchlauf der in Spanien sehr bekannten Originalbücher. Ohne auf die Schlüssigkeit wirklich zu achten, geht es von einem nicht auserzählten Strang zum Nächsten. Regisseur Agustin Diaz Yanes war auch für das Drehbuch verantwortlich, und hat wohl mit dem Kenntnis der Zusammenhänge bei den spanischen Zuschauern gerechnet. Anders ist das Fehlen der inneren Logik nicht zu erklären. Bei genauerer Betrachtung der medialen Präsentation des Filmes merkt man, dass die Begleittexte die Story ebenfalls nur genau so lang erzählen, wie sie einem im späteren Werk nachvollziehbar erscheint.
Ich komme nun zu dem Part der Zutaten, der zwar dem Film nicht wirklich hilft, aber für sich stehend meisterhaft ist. Damit meine ich die sagenhaften Kampfszenen. Und dies bezieht sich nicht nur auf die klassischen Degenduelle, denen im Laufe des Filmes Alatriste des Öfteren ausgesetzt ist, sondern auch alle anderen Arten von Kampf. Da werden Gräben ausgehoben, um ein Mauerwerk zu sprengen, da muss die Lunte der Muskete trocken gehalten werden, damit sie funktioniert usw. Kurz: der Detailreichtum, die Brutalität, und die Stimmigkeit und Echtheit aller Kampfhandlungen sind so qualitativ hochwertig, dass man sich über den Rest wundern muss, oder anders gesagt: Anhänger solcher Gemetzel haben sich den Film anzuschauen. Der Gipfel der Meisterhaftigkeit ist ein Kavallerieangriff mit den ersten Steinschlosspistolen auf eine Phalanx von Speerträgern. Hier erreicht Captain Alatriste sogar noch ein höheres Niveau als Braveheart.
Nun noch etwas zu den Schauspielern. Auch diesen merkt man die Akribie bezüglich der Körperlichkeit an. Selten hat man so echt Blut, Schweiß und Tränen gesehen. Durch das Fehlen eines emotionalen Spannungsbogens, versteht man allerdings oft die Herleitung der Gefühlsregungen nicht. Und deshalb ist das Schauspiel, auch von Viggo Mortensen, nur durchschnittlich.
Zum Abschluss bleibt ein fader Beigeschmack am teuersten Film Spaniens. Wer wirklichkeitsnahe Kampfhandlungen mag, muss ihn gesehen haben, wer ein prachtvolles Sittengemälde erwartet, kann sich das sparen. |