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Paul Verhoeven - der Mann, der uns Basic Instinct und Showgirls bescherte - präsentiert in seinem Resistenz-Erotik-Thriller diesmal eine weibliche Heldin, die während des zweiten Weltkrieges der Widerstandsbewegung im besetzten Holland beitritt. Und es wäre kein Verhoeven-Streifen, wäre sie dabei nicht eher willig als widerständig und so oft wie irgend möglich unbekleidet.
Die gute Nachricht: Black Book ist im Vergleich zu Showgirls ein subtiles und feingeistiges Meisterwerk. Die schlechte: eben nur im Vergleich. Dabei auf die typisch trashige Verhoeven-Art aber recht unterhaltsam, von der Überlänge, den Geschmacksentgleisungen und Klischeeansammlungen einmal abgesehen. Würde es nur zu seiner Oberflächlichkeit stehen und der Regisseur nicht stattdessen den Anspruch erheben, "realistic and provocative" sein zu wollen.
Der gebürtige Niederländer Verhoeven hat zum letzten Mal 1985 in seiner Heimat gedreht. Und Hollow Man - Unsichtbare Gefahr, sein jüngster, wenig erfolgreicher Hollywood-Film, liegt inzwischen immerhin sieben Jahre zurück. Nun soll eine 17 Millionen Euro teure europäische Co-Produktion ein vermutlich dringend nötiges Comeback einläuten, an deren Drehbuch Verhoeven über zwanzig Jahre lang als Co-Autor gearbeitet hat, und das angeblich auf tatsächlichen Ereignissen beruhen soll. Wäre man sehr gemein, würde man sagen, noch zwanzig Vorbereitungsjahre mehr und mindestens zwanzig Minuten Lauflänge weniger, hätten dem Script gut getan.
Der böse Nazi hat hier natürlich eine Narbe im Gesicht und ist übergewichtig, abstoßend und frivol. Der nette Nazi (Sebastian Koch) sieht gut aus, hat zwar eine fragwürdige Weltanschauung, aber dafür das Herz am rechten Fleck (er trauert um Frau und Kind) und ist vor allem nett zur ebenso sympathischen wie freizügigen Heldin (Carice Van Houten), obwohl er schon beim ersten Annäherungsversuch feststellt, dass sie Jüdin ist. Dabei hatte die sich in einer vorherigen Szene sogar die Schamhaare blond gefärbt, um als Deutsche durchzugehen (Ja, es wird gezeigt. Ist halt ein echter Verhoeven). Nur beim dunklen Haaransatz eine Etage höher hat sie etwas geschlampt, und so fliegt die Deckung auf. Aber egal. Die Spionin macht sich schnell nackig und hält eine ergreifende Ansprache darüber, dass ihre Hüften, ihre Brüste und der ganze entblößte Rest doch nicht jüdisch sein können. Der nette Nazi, geblendet von soviel Überzeugungskraft, kann da nur noch zustimmen.
Das Ganze scheint vom Regisseur zumindest in Ansätzen sogar ernst gemeint zu sein, aber sicherlich tut man sich als Zuschauer einen großen Gefallen damit, es in keinster Weise so zu nehmen. Es gibt allerdings auch andere Szenen, die sind in ihrem unehrlichen Voyeurismus so geschmacksverirrt, dass sie selbst für Verhoeven-Verhältnisse nicht mehr als lustig durchgehen. In einer von diesen wird über der Protagonistin ein riesiger Eimer mit Fäkalien ausgeschüttet, da man sie für eine Nazi-Kollaborateurin hält - und natürlich ist die Gedemütigte dabei nackt.
Auch wenn Verhoeven laut Interviews mit seinem Spionage-Thriller tatsächlich einen realistischen Beitrag zum Thema Nationalsozialismus leisten wollte - wer hier Der Pianist erwartet, der wird garantiert im falschen Film sitzen. Verhoeven ist kein Polanski und Black Book in erster Linie Unterhaltung mit teils lächerlichen Groschenroman-Situationen und -Dialogen, aber auch mit einer ausdrucksstarken Hauptdarstellerin, die zu überzeugen weiß und die manchmal absurde Handlung über weite Strecken trägt. Radikalere Schnitte hätten der anfangs vorhandenen, später stark nachlassenden Spannung allerdings gut getan. |