Scott Franks Regiedebüt mag auf den ersten Blick wie eine dreiste Memento-Kopie wirken, hat jedoch mehr zu bieten als man zunächst denken mag: So bietet sein Film ein spannendes Drama, gepaart mit einem gut aufspielenden Darstellerensemble und einer überzeugenden, ruhigen Inszenierung.
Es gibt Momente bei denen man sich wirklich fragt, ob der deutsche Verleih seinen eigenen Film überhaupt zu Gesicht bekommen hat, da der Filmtitel Die Regeln der Gewalt an der Story nicht weiter hätte vorbei gehen können. Ebenso ärgerlich ist der Trailer gestaltet, welcher gut 80 % des an sich guten Filmes vorweg nimmt.
Nach einem Unfall leidet der junge Chris an dessen Folgen und kann sein Kurzzeitgedächtnis nur eingeschränkt nutzen. So lebt er fortan abseits seiner reichen Familie mit dem blinden Schwerenöter Lewis in einer kleinen Wohnung und arbeitet als Putzkraft einer Bank. Letzteren Punkt wollen sich ein paar Kleinganoven zu Nutze machen und ihn für einen Überfall einspannen.
Zugegebenermaßen, die Konstellation mit dem Gedächtnis erinnert in manchen Momenten dreist an Memento, dennoch kann Die Regeln der Gewalt als eigenständige Geschichte überzeugen. Trotz einiger Klischees sind die Charaktere weitestgehend gut geschrieben und auch der Storyverlauf kann mit Ausnahme einiger kleiner Schwächen am Ende überzeugen.
Wer nach dem Trailer einen hochspannenden Thriller erwartet, dürfte enttäuscht werden, denn Regieneuling Scott Frank legt viel Wert auf eine extrem ruhige atmosphärische Inszenierung und die Entwicklung seiner Charaktere. So wirkt das Ganze eher wie ein spannendes Drama mit einigen humoristischen Auflockerungen um am Ende in einem kompromisslosen Finale zu gipfeln.
Ein gutes Händchen hatte man bei der Wahl der Darsteller, so liefert Joseph-Gordon Levitt nach Brick erneut eine gewohnt gute Leistung ab, wird jedoch von dem kleinen Highlight des Filmes Jeff Daniels noch übertrumpft. Ebenso charismatisch ist das Auftreten des Bösewichts Matthew Goode, dessen Rolle er glaubhaft an den Mann bringen kann.
Im Großen und Ganzen ist Die Regeln der Gewalt trotz einiger kleiner Mängel ein gelungener Film geworden, der sicherlich ein Kinoticket wert ist. Jedoch sollte vorher eine Sichtung des Trailers gemieden werden, da dieser den Großteil des Filmes vorweg nimmt und dieser damit deutlich an Spannung einbüßt.