Florian Opitz zeigt exemplarisch, wie Globalisierung zu Der Große Ausverkauf führt. Anhand von 4 Beispielen aus Bolivien, Südafrika, Großbritannien und Philippinen führt er zu den Schattenzeiten unseres modernen Wirtschaftsdenkens.
Vier Porträts - vier Schicksale, die beschämen. Die heile Welt des Kapitalismus und die wunderbare Errungenschaft der Globalisierung sind nicht besser als Aldous Huxleys "Wunderbare Neue Welt". Beflügelt von der Zauberformel der Privatisierung und getragen von den Ratschlägen der Welthandelsorganisation WTO wurden und werden in vielen Ländern wirtschaftliche Veränderungen beigeführt, von denen die Menschen vor Ort am wenigsten haben, schlimmer noch: massiv darunter leiden.
Florian Opitz besuchte die Mutter eines nierenkranken Teenagers auf den Philippinen. Im wöchentlichen Kampf um ein paar Dollar für die Dialyse scheint es nur eine Frage der Zeit, bis die Mutter in Manila das Geld für die Kosten nicht mehr auftreiben kann. In Soweto begleitet Opitz einen Aktivisten, der mit unorthodoxen Mitteln gegen die Machenschaften eines Stromanbieters vorgeht. Wird der Strom gesperrt, kommt er vorbei und überbrückt die Sperre - ganz offen und illegal, aber lebensrettend.
Zivilisierter aber immerhin total absurd, geht es in Großbritannien, wo ein Lokführer und Gewerkschaftler von den Auswüchsen seit der Privatisierung der British Rail berichtet. Außerdem berichtet er von den Menschen einer bolivianischen Gemeinde, die sich erfolgreich gegen die Privatisierung ihres Wassers wehrten. Die vier Geschichten beschreiben immer dasselbe Muster: eine staatliche Organisation wird privatisiert, die Preise steigen massiv, die Leistungen gehen ebenso massiv zurück und die wirtschaftlich Benachteiligten werden buchstäblich aus dem Markt hinausgedrängt mit existenziellen Folgen. Flankiert werden diese Maßnahmen, die nur den großen Konzernen zugute kommen, von den Regeln der WTO und der Weltbank, die massiven Druck auf die Regierungen ausüben, um die Märkte zur Abschöpfung zu öffnen.
Unterstützt wird Opitz von den Ausführungen des Wirtschaftsnobelpreisträgers und ehemaligen Weltbankers Joseph Stiglitz, der sich offen gegen die veraltete, neoliberale Idee der Privatisierung ausspricht. Angesichts seiner Klarheit und den Bildern von Der Große Ausverkauf klingen die überschwänglichen Worte eines WTO-Sprechers über die Vorteile der Privatisierung hohl und "Heuschreckenhaft". Und tatsächlich charakterisiert Stiglitz die Privatisierungskampagnen als moderner Krieg, der Menschen nur als Statistik wahrnimmt. Die vier Schicksale bestätigen Stiglitz jedenfalls. Der Große Ausverkauf ist ein vehementes Plädoyer gegen den Neoliberalismus und die Entmenschlichung von Wirtschaft und Gesellschaft. Mit einfachen Geschichten gelingt es Opitz, den absurden Fantasien von den glorreichen Zukünften einer privatisierten Kommerzgesellschaft eine Absage zu erteilen. Ein enorm wichtiger Film.