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Filme sind manchmal wie Weihnachtsgeschenke. Man freut sich unheimlich auf den Zeitpunkt der Bescherung, sieht die wunderschöne Verpackung, öffnet das Paket und hält endlich sein Geschenk in Händen. Nun ist es auch bei Der Goldene Kompass wie bei einem Geschenk, die Hülle sieht fantastisch aus und man hat sich unheimlich Mühe gegeben die Verpackung so ansprechend wie möglich zu gestalten. Leider hält der Inhalt dann aber nicht genau das, was das Geschenkpapier verspricht.
Basierend auf dem Roman "His Dark Materials: Northern Lights" von Philip Pullman erzählt Regisseur Chris Weitz (About a boy oder der Tag der toten Ente) die Fantasy-Saga der zwölfjährigen Lyra Belacqua, deren Aufgabe nichts Geringeres als die Rettung der Menschheit in einem unserer Paralleluniversen ist. Die Trilogie von Philip Pullman bietet dabei allerlei Stoff, der sich ideal für die große Leinwand eignet und doch von vielen Fans als nicht verfilmbar eingestuft wird. Gerade die philosophischen und psychologischen Tiefen der Geschichte stellen schier unlösbare Aufgaben dar, die auch Chris Weitz zum Teil zum Verhängnis wurden.
Lyra lebt in einem Paralleluniversum, welches vom Magisterium kontrolliert wird und damit die Freiheit stark einschränkt. Als ihr Mrs. Coulter (Nicole Kidman) dann ein Abenteuer im hohen Norden anbietet, zögert Lyra nicht lange. Doch schon bald erkennt sie, dass die hübsche und intelligente Frau nicht nur ihr Bestes will. Dabei hilft ihr das Alethiometer, welches ihr von ihrem Onkel Lord Asriel (Daniel Craig) geschenkt wurde. Dieses uralte Instrument zeigt seiner Besitzerin die Wahrheit, wenn man es zu bedienen weiß. Und so wartet ein großes Abenteuer auf Lyra, denn einiges steht auf dem Spiel und sie ist der Schlüssel zu einer Zukunft für alle Universen.
Das Buch von Philip Pullman ist für einige Kritiker ein rotes Tuch, denn das Magesterium, also die diktatorische Verwaltung des Universums ist - in weltlichem Sinne - die Kirche. Dass gerade die Kirche das freie Denken und die individuelle Entwicklung einschränken will, lässt einige Parallelen der Zeit Galileo Galileis aufkommen. Eben diese Hintergründe geben der Buch-Trilogie seine enorme Kraft und Tiefe. Die offene Kritik, die Denkanstöße geben und zur Reflektion animieren soll, schien Chris Weitz aber wohl zu weit zu gehen - beziehungsweise in Argumentationsnot bei den Produzenten zu bringen - und so erleben wir wieder einmal storytechnisch amerikanischen Einheitsbrei. Nahezu alle Ecken und Kanten, die das Buch ausgezeichnet hatten, wurden zur Verminderung von Angriffsfläche abgeschliffen.
Umso interessanter sind die teils rüden Attacken der amerikanischen Kritiker-Kollegen, die dem Film - trotz aller Verharmlosung - eben diese leichten Kritikansätze ankreiden. Letztlich ein lächerliches Unterfangen, welches scheinbar nur aus Angst vor der Freiheit des Denkens und der Reflektion eines Einzelnen, begründet zu sein scheint. So kann man zwar Chris Weitz Entscheidung durchaus nachvollziehen, gutheißen sollte man diese immer stärker um sich greifende amerikanische Weichspülerart dennoch nicht.
Der Goldene Kompass bleibt also optisch ein schöner Film, den vor allem Kinder auf Grund der vielen und gut dargestellten Tiere lieben werden. Leider hält die Verpackung aber eben nicht das, was sie verspricht, denn inhaltlich wurde zu viel dem amerikanischen Einheitsdenken angepasst und die philosophisch wichtige Kritik an der Kirche geht nahezu komplett verloren. Worüber soll man also bei dieser angepassten Story noch nachdenken und diskutieren? Sehr schade, dass man sich vermutlich auch im zweiten Teil nicht näher an der Vorlage bewegen wird und damit schon jetzt das Todesurteil für die sonst interessante Trilogie fällt. |