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Martin Scorsese beeindruckt mit einer hochinteressanten, authentischen Milieu- und Charakterstudie. Besonders profitiert er dabei von den fantastischen Leistungen seiner Schauspieler. So sind die beiden Schauspiellegenden Harvey Keitel und Robert De Niro in ihrer ersten gemeinsamen Rolle zu sehen. Gerade atmosphärisch weiß Hexenkessel wegen seinem grandiosen Soundtrack zu gefallen. Leider vergibt Scorseses Film zu viel durch seine inkonsequente und oftmals etwas wirre Erzählstruktur, ist aber letzten Endes einer seiner wichtigsten Filme, der sicherlich auch die Grundsteine für seine späteren Meisterwerke legte.
Hexenkessel, im Original Mean Streets, ist Scorseses dritter Spielfilm und sein Erster, der sich mit dem organisierten Verbrechen beschäftigt. Dabei sei jedoch gleich vorweg genommen, dass Hexenkessel kein typischer Mafiafilm ist. Vielmehr ist er ein Großstadtdrama über die Freundschaft zweier, sehr eigenwilliger Charaktere in einem Umfeld von Gewalt, Korruption und Alkoholismus.
Der Film entstand 1973, lange vor Scorseses Mafiaklassikern Goodfellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia, Casino und Departed: Unter Feinden, allerdings lässt sich Hexenkessel, der die erste Zusammenarbeit Martin Scorseses mit Robert De Niro darstellte, nur schwer mit diesen Filmen vergleichen. Er erinnert in seiner Machart und Grundstimmung vielmehr an sein legendäres Meisterwerk Taxi Driver, das drei Jahre später, wieder mit De Niro, diesmal allerdings in der Hauptrolle, in die Kinos kam.
Hexenkessel ist, besonders im Vergleich mit seinen späteren Filmen, deutlich anzumerken, dass es sich um ein frühes Werk Scorseses handelt, was jedoch nicht heißen soll, dass der Film regietechnisch nicht dennoch überaus gelungen ist. Trotz des unverkennbaren allgegenwärtigen Talents des italienisch stämmigen Regisseurs, funktioniert Hexenkessel aus erzählerischer Sicht leider nicht ganz reibungslos. Zu oft werden Handlungsverläufe gewechselt und wichtige Handlungsstränge eingeleitet, die später zur Nebensache werden. Die Story bleibt insgesamt dennoch überschaubar und die Inszenierung könnte authentischer kaum sein, aber immer wieder verliert der Zuschauer kurz den Bezug zur Handlung und wird das Gefühl nicht los, dass irgendetwas fehlt. Leider bringt dieses Manko den Film um einiges und macht ihn eben "nur" zu einem wirklich guten Film, der aber besonders im Blick auf spätere, geniale Meilensteine Scorseses in der Endbetrachtung ein paar Federn lassen muss.
Martin Scorsese der ursprünglich Priester werden wollte, beschäftigte sich in vielen seiner Filme vordergründig oder unterschwellig mit Religion. Auch in Hexenkessel spielt der Glaube an Gott besonders für Hauptfigur Charlie eine besondere Rolle. Harvey Keitel (Bad Lieutenant), der in der Rolle des Charlie mit seinem grandiosen Spiel, seinem Freund Johnny Boy, gespielt von Robert De Niro, in nichts nachsteht, tut dem Film wahnsinnig gut. Er geht vollkommen in seiner Rolle auf und stellt das Dilemma seiner Figur überzeugend dar. Ständig ist Charlie hin und her gerissen. Auf der einen Seite steht "das Geschäft" auf der Anderen sein unbändiger Wille, ein guter Mensch zu sein und sich vor Gott und sich selbst zu behaupten. Er ist der gute Kern, an dem alles zusammenläuft und dennoch treiben ihn sein Alltag und sein soziales Umfeld ständig in die Sünde. Im Film wird dies in einigen Szenen deutlich, in denen Charlie in inneren Monologen vom Höllenfeuer erzählt, über sein Leben und Glauben sinniert und immer wieder an sich selbst und allem um ihn herum zweifelt. Robert De Niro stellt mit seiner Darbietung die Vielseitigkeit seines Schauspielerischen Genies schon früh unter beweis. Man nimmt ihm den naiven und kurzsichtig handelnden Johnny Boy ohne jeden Zweifel ab.
Besonders beeindruckend ist der Soundtrack des Films. Hier findet sich auch eine der größten Stärken des Filmes, nicht nur, dass legendäre Musikgrößen der 60er und frühen 70er wie die Rolling Stones oder Eric Clapton zu hören sind, die Musik ist es auch, die dem Film seine besondere Atmosphäre gibt. Somit ist Hexenkessel nicht nur sehens- sondern auch hörenswert. Alles in allem ist es ein früher, aber wichtiger Film Scorseses, der zwar in der Story schwächelt aber dafür bei der Atmosphäre und Authentizität punkten und letztlich auch überzeugen kann. |