Ein algerischer Wissenschaftler aus Hamburg gerät nach den Anschlägen vom 11.September 2001 in den Verdacht ein terrostischer "Schläfer" zu sein. Der Druck der Polizei und die Verdächtigungen zerstören seine Familie und sein Leben. Samir Nasr erzählt in seinem Drama Folgeschäden von der Paranoia gegenüber dem islamischen Terror.
Die Welt des algerischen Wissenschaftlers Tariq Sliman (Mehdi Nebbou) ist bestens in Ordnung: Er hat eine liebende Frau, einen aufgeweckten Sohn Karim und setzt gerade zum erhofften Karrieresprung an. Gerade bereitet er sich für einen Vortrag in New York vor, der ihm die Beförderung zum Projektleiter in der Medizinischen Forschung erleichtern soll. Da taucht die Kripo in der Marketing-Agentur seiner Frau Maya (Silke Bodenbender) auf und fordert sie zur Zusammenarbeit auf. Tariq sei auf dem Hochzeitsvideo eines Terroristen des 11.September 2001 zu sehen.
Man beschuldigt ihn, ein "Schläfer" zu sein, ein Terrorist auf Abruf. Schon werden kleine Zwischenfälle zuhause und bei der Arbeit zu großen Ungereimtheiten, die aufhorchen lassen. Plötzlich verweigern die Amerikaner das Visum, sind im Labor gefährliche Erreger-Proben verschwunden und wirkt Tariq selbst nervös. Als sich auch noch Tariqs tiefgläubiger Freund Resa (Mehdi Moinzadeh) für ein paar Nächte einquartiert, wird die zunächst entrüstete Maya misstrauisch. Kurz darauf findet in Paris ein Attentat just an dem Tag statt, als Tariq ebenfalls dort ist. Nun weicht Mayas Vertrauen dem Entsetzen darüber, dass die Vorwürfe wahr sein könnten...
Der algerische-stämmige Filmemacher Samir Nasr legt mit Folgeschäden seinen ersten Spielfilm vor und packt dabei gleich ein heißes Eisen an: die Paranoia des Westens gegenüber Moslems seit den Anschlägen auf das World Trade Center. Dabei spielt er mit dem Unbehagen des Betrachters, wenn er Verdachtsmomente weder ausräumt noch bestätigt. In bester Psychothrillermanier räsoniert er über die Frage, wie gut man seine Mitmenschen kennen kann - und muss.
Nasr stellt keine Schuldfrage oder wirbt auch nicht für die eine oder andere Sicht. Anders als beispielsweise Kenneth Glenaans Politdrama Yasmin über den Terror britischer Behörden gegen die Familie einer Pakistanerin, steht ihm nicht der Sinn nach einer politischen Aussage. Er bleibt hart am Nukleus Familie, die durch den Samen des Verdachtes entzweit und zerstört wird. So ist Tariqs Welt am Ende keinewegs mehr in Ordnung: isoliert, einsam, in den Glauben geflüchtet, wird er zwar vom Verdacht freigesprochen, hat aber letztlich alles verloren, was ihm wichtig ist. Folgeschäden beleuchtet die privaten und zwischenmenschlichen Konsequenzen des Terrorverdachts. Auch wenn es viele Parallelen zu Yasmin gibt, bleibt Samir Nasr immer auf der sicheren Seite der Neutralität. Immerhin wurde Folgeschäden zunächst fürs Fernsehen konzipiert und findet dank seiner cineastischen Qualität und diverser Festivalpreise erst mit Verspätung den Weg auf die große Leinwand. Ein wie auch immer geartetes, kontroverses Plädoyer im Abendprogramm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens wäre wohl des Guten zuviel gewesen.
So bleibt Folgeschäden eine ordentliche, psychologisierte Unterhaltung, die Spannung und Nachdenklichkeit liefert, ohne sich festzulegen.