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Der atmosphärisch dichte Horror-Thriller des gebürtigen Schweden Mikael Håfström (Entgleist) ist die seit langem gelungenste Verfilmung einer Stephen-King-Geschichte. Eine Variante von Shining mit reduzierter Quadratmeterzahl. Anstelle eines ganzen Hotels lässt hier lediglich ein einzelnes Zimmer einen Mann seine ganz persönliche Hölle durchleben. Weniger Furcht einflößend ist dieser Trip deshalb aber noch lange nicht.
Zimmer 1408 ist für ein Publikum inszeniert, das es mehr unheimlich als unappetitlich mag. Wer auf Hostel, Saw und ihre Fortsetzungen steht, wird hier vergeblich auf spritzende Blutfontänen, splitternde Knochen oder freigelegte Eingeweide in Detailaufnahmen warten. Der Grusel, den Regisseur Mikael Håfström verbreitet, ist überwiegend psychologischer, nur selten physischer Natur.
Überhaupt zählen zu den besten Stephen-King-Adaptionen jene, die wie Shining, Misery oder Die Verurteilten in erster Linie den Horror im Kopf der zwar auch körperlich gefangenen, aber vor allem seelisch gequälten Hauptfiguren abbilden und diesen auf den Zuschauer übertragen. Was nicht ausschließt, dass in Shining Blutmassen aus einem Fahrstuhl strömen, oder in Misery mehrere Knochen gebrochen werden.
Wie in vielen Geschichten von King ist, beziehungsweise war auch Mike Enslin (John Cusack) ein Mann, der mit seiner Rolle als Ehemann und Vater zu kämpfen hatte und den damit verbundenen Anforderungen schließlich nicht genügen konnte. Ein Gestrauchelter, der den Glauben an sich und andere verloren hat - hier ausgelöst durch den Tod der Tochter - und seitdem Duelle mit seinen inneren Dämonen austrägt. Keine gute Voraussetzung, um das Zimmer 1408 des Dolphin Hotels zu betreten, das diese Gefechte schamlos ausnutzt und dafür sorgt, dass der Zweifler seinen Glauben wiedererlangt - allerdings nicht an das Gute, sondern an das Böse.
Nicht ein einziger Gast hat vor Enslin länger als eine Stunde in dem durchschnittlich wirkenden Raum überlebt, der insgesamt sechsundfünfzig Menschen zum frühzeitigen und endgültigen Auschecken getrieben hat. Selbstmorde, Herzinfarkte und sogar das Ertrinken in einer Hühnersuppe zählen zu den abwechslungsreichen Todesarten. Die Begründung des von Samuel L. Jackson dargestellten Hotelmanagers Olin, deren einleuchtende Schlichtheit vermutlich speziell für Jackson mit wenigen Worten verfasst wurde: "It's a fucking evil room."
Dieses "verfickt böse" Zimmer, in dem auf den ersten Blick allein die geschmacklose Wanddekoration zum Gruseln ist, nimmt in Håfströms Adaption nun jenen Platz ein, der in genannten vorherigen King-Verfilmungen von einem eingeschneiten Hotel, einem abgelegenen Haus des "größten Fans" eines Schriftstellers oder einem langen Gefängnisaufenthalt eines unschuldig Verurteilten besetzt wurde. Die angewandte Formel ist jedes Mal eine ähnliche: Ein räumlich begrenzter Schauplatz und ein Protagonist, der in einer solch klaustrophischen Umgebung an seine psychischen Grenzen stößt. Ist Zimmer 1408 wirklich böse, oder wird der Mann Mike Enslin wahnsinnig?
Der gebürtige Schwede Mikael Håfström, der mit seiner ersten US-Produktion Entgleist nach seinem viel versprechenden Oscar-nominierten Evil eher enttäuschte, versteht es in seiner zweiten englischsprachigen Regiearbeit, diese Frage so lange wie möglich unbeantwortet im Raum stehen zu lassen. Er hält den Zuschauer über eine weite Strecke im Ungewissen, ist ihm stets einen Schritt voraus und involviert ihn bis zum Finale in ein packendes und hierbei sehr vergnügliches Rätselraten.
Dass der langsam wachsende Nervenkitzel von Håfströms Thriller auch Spaß macht, liegt nicht zuletzt an John Cusack. Dies ist weitestgehend sein Film, und er hat ihn von der ersten bis zur letzten Minute im Griff. Cusack demonstriert, dass er selbst einen Zyniker wie Enslin noch sympathisch verkaufen kann und meistert seine One-Man-Show mit einem schwerelosen Wechsel zwischen Zuständen zunehmender Verzweiflung und auflockernder (Selbst-)Ironie.
Zimmer 1408 baut einen Großteil seiner Spannung mit Szenen der Stille auf und grenzt sich damit deutlich von denen des Schockierens im Stil eines Hostel oder Saw ab. Er setzt auf gekonnt erzeugte Momente atemloser Erwartung darauf, was als nächstes passieren wird und spielt mit relativ simplen, aber effektiven Mitteln mit den Ängsten und Projektionen des Zuschauers. Der soll sich laut Håfström fragen: "Was würde mir selbst in Zimmer 1408 passieren?"
Glaubt man seinem fiesen kleinen Film, dann tragen wir die Hölle in uns. Schleppen sie wie einen Stein im Magen täglich mit uns herum. Das, was wir am meisten fürchten, ist uns bereits widerfahren, und wir können es nie vollständig abschütteln. In Zimmer 1408 wären wir wie Mike Enslin in der quälenden Endlosschleife unserer Erinnerung gefangen. |