Romeo liebt Juliana. Das hat man schon mal irgendwo gehört. Doch Romeo spielt auch Trompete und läßt es mit seiner Kapelle krachen. Die mitreissende Musik und diese unbändige Lebenslust kennt man von Emir Kusturica. Doch die Geschichte um das Festival der weltbesten Trompeter in Gucha erzählt Dusan Milic. Seine schlitzohrige Balkan-Eloge auf Liebe, Musik und Leben wirkt nicht neu, ist aber dennoch unterhaltsam.
Jungtrompeter Romeo (Marko Markovic) liebt Juliana (Aleksandra Manasijevic), die Tochter von Weltmeister Satchmo (Mladen Nelevic). Der hat für den Jüngling aus der Konkurrenz-Band nichts übrig. Niemand, schon gar kein dunkelhäutiger Roma, kann gut genug sein für seinen Sonnenschein. Dummerweise liebt Julianna ihren Romeo genauso und den Dickkopf scheint sie vom Papa geerbt zu haben.
Auch Romeos Stiefvater Sandokan (Slavoljub Pesic) hat ein Dilemma. Er wünscht sich nichts sehnlicher als den arroganten Satchmo bei den Weltmeisterschaften in Gucha zu schlagen. Dafür muss er sich zwischen seinem aufgeblasenen Sohn (Svetislav Pesic) und Romeo als Lead für die Band entscheiden. Ersterer spielt nicht ganz so gut, letzterer ist kein Teamspieler sondern ein verrückter Kerl. Sandokan will gerecht sein, und falls nicht, hat er ja noch seine Ehefrau, die ihm shcon Bescheid stößt. Romeo sitzt zwischen allen Stühlen. Doch auch wenn er immer wieder Hilfe von Kumpel Bean (Nenad Okanovic) erhält, letztlich muss er seinen eigenen Weg gehen. Dazu gehört die Frage, ob das beste Trompetenspiel nun mit Technik oder mit Gefühl zustande kommt. Irgendwann wird er dann seinem Ruf als "verrücktem Kerl" gerecht. Anstatt sich zwischen Juliana, Leadtrompete und dem Sieg in Gucha zu entscheiden, will er einfach alles haben...
Kultfilmer Emir Kusturica hilft seinem bulgarischen Kollegen Dusan Milic bei dessen illustrer Musikkomödie Gucha. Einmal mehr prallen die verschiedenen Volksgruppen der Region in emsiger Lebenslust, tristem Alltagsfrust und heftigen Liebeswallungen aufeinander. Milic saugt sich dafür keine besondere Geschichte aus den Fingern. Ihm reicht die größte Liebesgeschichte aller Zeiten. Mit Shakespeares Romeo und Julia als Folie und viel, viel Blasmusik/Jazz der Marke "Kusturica" erobert er schnurstracks die Herzen der Zuschauer.
Seine sehr leichte, kommerzielle Version der Handlung, die natürlich nicht in einer Tragödie enden kann, wirkt zwar mitunter konstruiert, aber dafür reißen lustvolle Emotionen, lebenslustige Schlitzohrigkeiten und die hinreißende Musik vom Sitz. In dieser erneuten Balkan-Ode an die Lust aufs Leben kommen nicht nur Fans des serbischen Meisterregisseurs auf ihre Kosten, weil sich Milic als dessen gelehriger Schüler erweist. Auch Freunde von witzigen Musikfilmen wie Leningrad Cowboys dürften sich an Gucha erfreuen und danach intensiv nach dem lohnenswerten Soundtrack fahnden.