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Das Experiment

(Das Experiment, 2001)

Durchschnittliche Redaktionswertung

37%



Inhalt

Im Zuge eines wissenschaftlichen Experiments sollen 20 junge Männer zwei Wochen lang einer realistischen Gefängnissituation ausgesetzt werden. Die Hälfte der Testpersonen schlüpft in die Rolle der Wärter, die andere in die Rolle der Gefangenen. Unter ihnen befindet sich auch der Taxifahrer Tarek Fahd, der für eine große Zeitung über die Vorgänge innerhalb des simulierten Gefängnises berichten möchte. Doch bereits nach wenigen Tagen gerät das Experiment völlig außer Kontrolle.

Kritik

von Johnny Wishbone

Wertung Kritik

37%

Im Jahre 1971 versuchte sich Professor Philip G. Zimbardo gemeinsam mit seiner Vorschungsgruppe an einem interessanten Experiment zur Ergründung menschlichen Verhaltens. 24 College Studenten sollten gegen einen Tageslohn von $15 pro Mann für 14 Tage ins Gefängnis gehen. Es handelte sich dabei zwar nur um einen simulierten Knast, doch durch ein paar psychologische Kniffe gelang es dem Team sehr schnell eine äußerst realistische Gefängnis-Situation zu kreieren. Die Studenten wurden per Zufall in Wärter und Gefangene eingeteilt und nach einigen Instruktionen sich selbst überlassen. Das Ergebnis war, daß sich die Probanden bereits nach kurzer Zeit mit ihren Rollen identifizierten. Die Wärter spielten mehr und mehr ihre Macht aus, während sich die Gefangenen der Authorität ihrer Wärter unterordneten. Das Experiment wurde schließlich nach nur fünf Tagen abgebrochen, da die Vorschungsleiter Gewissensbisse bekamen, ob das was sie da tun moralisch überhaupt vertretbar ist.

30 Jahre später beschließt man hier in Deutschen Landen, das Stanford Experiment filmisch zu verarbeiten. Da das reale Ereignis für Kinoverhältnisse allerdings recht unspektakulär war, wird die Handlung kurzer Hand einfach gnadenlos übertrieben. Die Wärter entdecken im Film nicht nur das Demütigen der Gefangenen als Mittel der Unterwerfung, sondern entwickeln sich innerhalb weniger Tage zu sadistischen Bestien die alles zusammenschlagen, eintreten und vollpissen was ihnen gerade über den Weg läuft. Die Testpersonen im Film verlieren schließlich völlig den Sinn für die Realität, und greifen sogar die Versuchsleiter und beobachtenden Wissenschaftler an. Nicht einmal vor einer Vergewaltigung schrecken sie zurück. Diese schamlose Übertreibung zieht den ganzen Film ins Lächerliche, denn schließlich soll die Aussage des Films ja die sein, daß Menschen zu gewaltbereiten und gewissenlosen Monstern werden, sobald sie die Möglichkeit dazu haben und genau das nehme ich den Leuten einfach nicht ab. Mal davon abgesehen, daß es der Film nicht schafft die Entwicklung der Ereignisse und Personen einigermaßen glaubhaft darzustellen, bin ich auch davon überzeugt, daß so etwas in der Realität einfach nicht passieren würde. Natürlich kann unter zehn Testpersonen auch ein kranker Psychopath dabei sein, dem das Foltern wehrloser Opfer richtig Spaß macht, aber in diesem Film verhalten sich ja bis auf eine einzige Versuchsperson alle so. Ich halte diese Geschichte jedenfalls für völlig überzogen und unrealistisch, wodurch ich natürlich auch die Botschaft die der Film vermitteln möchte für blödsinnig halte. Das uns Mario Giordano und Oliver Hirschbiegel das ganze auch noch als "Based on a true Story" verkaufen wollen, halte ich schlichtweg für eine Verarschung des Publikums.

Leider baut auch der Rest der Geschichte nur auf Zufällen und unglaubürdigen Handlungsweisen auf. Als die Wärter zum ersten Mal ihrer Willkür freien Lauf lassen, fällt das natürlich keinem der Wissenschaftler auf, denn schließlich arbeitet abends ja nur eine(!) Person und die entschuldigt sich mal ganz locker mit "Sorry, aber ich hab grad die Bänder gewechselt." Es ist auch völlig klar, daß die Wärter unseren Hauptdarsteller einfach mal so in den Keller schleifen und dort ihren Unmut an ihrem wehrlosen Opfer auslassen, denn schließlich gibts da keine Kameras und den dummen Forschern ist natürlich nicht aufgefallen, daß den Testpersonen hier Räume zur Verfügung stehen in denen sie nicht unter Beobachtung stehen. Ach ja, die Forscher sind übrigens nicht nur dumm sondern auch völlig unmenschlich und gewissenlos (wie Wissenschaftler eben nun mal so sind, nicht wahr?). Als der erste Gefangene damals in Stanford an ernstzunehmenden Depressionen zu leiden begann, wurde er von Prof. Zimbardo nach anfänglicher Skepsis entlassen und nach Hause geschickt, hier im Film wird ihm das jedoch verwehrt. Während das echte Experiment dann nach fünf Tagen abgebrochen wurde, weil die Demütigungen der Gefangenen einfach eine Spur zu weit ging, kommt uns der Forschungsleiter hier im Film mit dem üblichen: "Mag sein, daß die Testpersonen in ernster Gefahr sind, aber wenn wir das Experiment jetzt abbrechen, dann verspielen wir die Chance unseres Lebens! Vergleichbare Daten gibt es nicht. Wir müssen weiter machen, koste es was es wolle!" Das war so dümmlich klischeehaft, daß es einfach nur noch peinlich wirkte.

Auf die Figur Dora will ich jetzt gar nicht mehr näher eingehen. Da wurde auf Teufel komm raus noch eine weibliche Rolle ins Geschehen geworfen, damit unsere Hauptfigur auch ja noch einen Bezug zur schönen Welt dort draußen hat. Als wäre das nicht schon dumm genug, findet die Hübsche zufällig Tareks Wohnungsschlüssel, zieht gleich mal bei ihm ein, kommt dem Experiment auf die Spur und läuft punktlich zum großen Showdown ein. Es war alles so bescheuert hinkonstruiert, daß man den Film überhaupt nicht mehr ernst nehmen konnte. Dabei hat Moritz Bleibtreu wirklich sehr gut gespielt. Auch der Rest der Besetzung verkörperte seine Rollen mit einer unglaublichen Intensität. Aber leider kämpfen die Schauspieler hier verzweifelt gegen eine unrealistische Geschichte an. Dadurch wirken auch die teilweise tatsächlich sehr beängstigenden und verstörenden Szenen nur wie billige Effekthascherei.

Es ist auch interessant zu beobachten, wie leicht sich die große Masse manipulieren läßt. Die Medien witterten bei Das Experiment wieder einmal die Chance einen deutschen Film zu hypen, da dieser sich doch unweigerlich von dem üblichen Schrott abhebt und nach ein paar überschwenglichen Kritiken wird aus einer mehr als fragwürdigen Geschichte plötzlich "der beste Deutsche Film seit Jahren". Zugegeben, dieser Streifen ist in der Tat eine der besseren Produktionen die deutsche Filmemacher (eigentlich ein Unding, daß die sich überhaupt "Filmemacher" nennen dürfen) in letzter Zeit hervorgebracht haben. Aber was heißt das schon? Man sollte diesen "Versuch eines anspruchsvollen Films" wie ichs jetzt mal nennen möchte nun nicht gleich mit "echten Filmen", sprich internationalen Produktionen vergleichen. Ein guter Freund von mir gehörte in der Grundschule auch immer zu den besten Leichtathleten wenn es um die Schulmeisterschaft ging und trotzdem hat ihn keiner zu den Olympischen Spielen geschickt.

Keine weitere Wertung


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Dt. Start: 13. März 2008
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