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Postal

(Postal, 2007)

Dt.Start: 18. Oktober 2007 Premiere: 11. August 2007 (Festival, USA)
FSK: ab 16 Genre: Action, Komödie
Länge: 107 min Land: USA, Kanada, Deutschland
Darsteller: Zack Ward (Dude), Dave Foley (Onkel Dave), Chris Coppola (Richard), Michael Benyaer (Mohammed), Jackie Tohn (Faith), Erick Avari (Habib), Ralf Moeller (Officier John), Chris Spencer (Officer Greg), Seymour Cassel (Paul), David Huddleston (Peter), Verne Troyer, Uwe Boll, Vince Desiderio, Larry Thomas (Osama Bin Ladin), Michaela Mann (Jenny)
Regie: Uwe Boll
Drehbuch: Uwe Boll


Inhalt

Der arbeitslose Dude hat endgültig die Nase voll, da ihm seine mittlerweile stark übergewichtige Frau Bitch in der Nachbarschaft fremd geht und da ihm seine Behausung im heruntergekommenen Trailerpark von Paradise so gar nicht zusagt. Aus seiner Geldnot heraus beschließt er zusammen mit seinem Onkel Dave, dem Chef einer sexuell orientierten religiösen Sekte, den Diebstahl von wertvollen Krutchy-Puppen. Doch die beiden haben die Rechnung ohne die gut organisierten und gut ausgerüsteten Taliban gemacht, die sich ebenfalls in Paradise niedergelassen haben.
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Kritik

Postal hat eine Wertung von 73%
Viele mögen es nicht für möglich halten, doch der fragwürdigste Regisseur unserer Zeit hat es geschafft: Mit Postal drehte Dr. Uwe Boll einen durchweg gelungenen und vor allem unterhaltsamen Film! Allerdings muss man dazu sagen, dass dieses Werk sicherlich nicht allen gefallen wird, da hier wirklich jegliche existierende Tabus absichtlich gebrochen werden und dies natürlich nicht Jedermanns Sache ist. Dennoch - oder gerade deswegen - funktioniert diese abgefahrene Komödie auf nahezu allen satirischen Ebenen und erinnert stark an einen South Park-Realfilm, welcher einfach noch um Längen böser ist.

Bild aus Postal Werfen wir doch einmal einen Blick auf die letzten vier Kinojahre und vor allem auf die in dieser Phase erschienenen Computerspiel-Verfilmungen eines gewissen Dr. Uwe Boll, welche objektiv betrachtet grundsätzlich allesamt als misslungen bezeichnet werden können: House of the Dead war unfreiwillig komisch und konnte somit als Horrorfilm nicht überzeugen, Alone in the Dark war in Sachen Handlung und Dialoge ein Flickwerk ohne roten Faden und im Falle von Bloodrayne bildeten übermäßig hektisch geschnittene Action-Sequenzen, eine vorhersehbare Story und hölzerne Darstellerleistungen ein langweiliges Machwerk, welches niemanden in Begeisterungsstürme versetzen konnte. Dennoch kann man nicht bestreiten, dass auch in diesen Werken ein gewisses Potential erkennbar war... nur leider wurde dieses oftmals dilettantisch verschenkt.

Nun liegt mit Postal die erste actiongeladene Komödie des zurzeit wohl umstrittensten Filmemachers vor, in welcher es um einen ganz normalen Loser geht, der in einem Trailerpark von Paradise City sein tristes Dasein fristet. Dieser sympathische - im Verlauf des Films lediglich "Dude" oder "Postal Dude" genannte - junge Mann hat keinen Job, eine untreue und unglaublich fette Ehefrau und keinerlei Perspektiven für seine Zukunft. Um aus seinem festgefahrenen Leben ausbrechen zu können, plant er gemeinsam mit seinem Onkel Dave, der gleichzeitig Sektenführer und Nymphomane ist, den Raub der begehrten "Krotchy Dolls" (Puppen, welche wie männliche Geschlechtsteile aussehen aber für Kinder gedacht sind), da diese im Internet für sehr hohe Preise versteigert werden können. Leider haben die beiden aber nicht mit den Taliban gerechnet, die, da sie selbst mit den asiatischen Vogelgrippe-Erregern gefüllte Ampullen in diesen Spielzeugen versteckt haben und damit ihren bisher größten Anschlag auf Amerika planen, auch hinter diesen Puppen her sind. So kommt es, dass sich diese beiden Gruppierungen zum ersten mal in Dr. Uwe Bolls "Little Germany"-Freizeitpark begegnen und dort auch gleich ein unglaubliches Blutbad verursachen.

Die Handlung ist zwar relativ dünn, doch spielt das hier keine Rolle: Es handelt sich dabei sowieso lediglich um das notwendige Vehikel, um all die politisch inkorrekten Elemente einigermaßen logisch zu einem Ganzen zusammenzufügen. Gleich zu Begin wird dem Zuschauer eine etwas andere Variante der Terroranschläge vom 11. September 2001 präsentiert, wobei man sich jedoch keinesfalls über die Anschläge an sich oder deren Opfer lustig macht. Viel mehr geht es um die Hintergründe und Motivationen, welche zu diesem erschütternden Ereignis geführt haben und auch heute noch täglich zu zahllosen Todesopfern führen. Diese Beweggründe werden dermaßen überspitzt dargestellt, dass man zwar einerseits Lachen muss, aber andererseits auch zum Nachdenken angeregt wird, denn was Uwe Boll mit Postal macht, ist nichts Anderes als der Menschheit einen Spiegel vor die Nase zu halten und laut zu rufen: "Seht her, so krank und abartig ist unsere geliebte Menschheit!"

So gesehen hat Dr. Uwe Boll mit seinem neuesten Film eine Satire auf die heutige Welt geschaffen, wobei er - ähnlich wie die Hauptfigur in der Geschichte - immer wieder zu Rundumschlägen ausholt und dabei vor keiner Religion, Nationalität oder Abartigkeit halt macht. Alle bekommen ihr Fett weg und werden gnadenlos aufs Korn genommen und als wäre das nicht genug, geht er dabei auch noch extrem selbstironisch vor. So stellt er sich selbst als pädophilen Filmemacher dar, welcher seine Arbeit mit Nazigold finanziert und sogar seine Gaststars im Freizeitpark mit Goldzähnen bezahlt. All diese politisch inkorrekten Dinge - nebenbei werden auch Kinder blutig erschossen, ein Kinderwagen wird überfahren, ein Polizist erschießt eine unschuldige alte Frau, auf dem Sozialamt entbrennt eine sinnlose Schiesserei zwischen den Wartenden, Osama Bin Laden und George W. Bush sind dicke Kumpel und alle Einwohner von Paradise City besitzen eine Schusswaffe - zwingen den Zuschauer immer wieder über Dinge zu Lachen, über die er eigentlich nicht Lachen will. Allerdings ist genau diese Tatsache dafür verantwortlich, dass Postal ein sehr unterhaltsames Erlebnis darstellt. Schaut man dann am Ende - wenn George W. Bush und Osama Bin Laden fröhlich und Hand in Hand über ein Feld hüpfen - hinter die humoristische Fassade, erkennt man sofort, dass man es hier mit einem kritischen Geniestreich zu tun hat, welchen wir Menschen so und nicht anders verdient haben.

Abgesehen davon, dass Herr Boll hier ein großes Maß an Mut beweist, merkt man dem Film auch in fast jeder Sekunde an, dass sich der werte Herr Regisseur in Sachen handwerkliches Können sehr stark weiterentwickelt hat: Vergleicht man diesen Film mit seinen bisherigen Ergüssen, so stellt man eine unglaubliche Qualitätssteigerung fest! Einzig der Mittelteil, in welchem die Handlung zum notwendigen Höhepunkt geführt wird, schlägt sich mit zu wenigen Pointen herum und hätte durchaus etwas gestrafft werden können. Auch zielen ein paar Witze etwas zu weit unter die Gürtellinie, was aber bei einer solchen Gagdichte nicht ins Gewicht fällt. Die 107 Minuten vergehen jedenfalls wie im Fluge, was der größtenteils gekonnten Inszenierung, den gelungenen Szenenwechseln, den zahllosen witzigen Details und nicht zuletzt den überzeugend agierenden Akteuren zu verdanken ist: Zack Ward (Transformers, BloodRayne II:Deliverance) spielt den Dude sehr realistisch und liebenswürdig, was äußerst passend ist, da sein Amoklauf auch eher aus einer Verkettung von blöden Zufällen resultiert, als dass er selbst ein Unmensch wäre. Dave Foley (Sky High) hat als Onkel Dave einen dermaßen großen Spaß an seiner Rolle, dass er sich im wahrsten Sinne des Wortes vollkommen bloßstellt und Chris Coppola (Undead or Alive, BloodRayne II:Deliverance) überzeugt als dessen Gegenpol und fanatischer Sektenanhänger auf geradezu theatralische Art und Weise. Schlussendlich ist auch Verne Troyer (Bubble Boy, Austin Powers) mit von der Partie und genießt es sichtlich, meckernd und fluchend eine andere Version seiner selbst darzustellen.

Egal, ob man mit dem Regisseur oder dieser Art von Humor etwas anfangen kann oder nicht, Postal wird für großes Aufsehen sorgen, und das zu Recht. Wir leben nun mal in einer Zeit, in der nur wenige den Mut haben, die Dinge beim Namen zu nennen (geschweige denn, das Ganze in eine Komödie zu packen). Dr. Uwe Boll hat hiermit bewiesen, dass er zu diesen wenigen Menschen gehört, und gleichzeitig endlich mal sein Potential offenbart, welches sicherlich nicht erst seit gestern in ihm schlummerte. Zugegeben: Der Film ist krank, pervers, abartig, teilweise beleidigend, vollkommen übertrieben, und... genau so muss er auch sein!

von Kurt Meinicke


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