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Am Ende kommen Touristen

(Am Ende kommen Touristen, 2007)

Dt.Start: 16. August 2007
DVD: 22. Februar 2008
Premiere: 21. Mai 2007 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: o.A. Genre: Drama
Länge: 85 min Land: Deutschland
Darsteller: Alexander Fehling (Sven Lehnert), Ryszard Ronczewski (Stanislaw Krzeminski), Barbara Wysocka (Ania), Piotr Rogucki (Krzysztof Lanuszewski), Rainer Sellien (Klaus Herold), Lutz Blochberger (Jürgen Dremmler), Willy Rachow (Lehrling Micha), Roman Gancarczyk (Restaurator Karol), Adam Nawojczyk (Restaurator Piotr), Halina Kwiatkowska (Zofia Krzeminska), Joachim Lätsch (Lehrer), Lena Stolze (Frau Schneider)
Regie: Robert Thalheim
Drehbuch: Hans-Christian Schmid, Robert Thalheim


Inhalt

Ursprünglich wollte der 19-jährige Sven seinen Zivildienst in Amsterdam leisten, aber die einzige freie Stelle findet er im polnischen Oswiecim, das unter dem Namen Auschwitz als größtes Vernichtungslager des Holocaust bekannt wurde. Hier soll Sven an der Gedenkstätte arbeiten und die Pflege des KZ-Überlebenden Stanislaw Krzeminski übernehmen. Dabei begegnet er einem fanatischen Deutschenhass bei seinem Patienten und hat neben der fremden Sprache mit Vorurteilen, Fettnäpfchen und Tabus zu kämpfen. Als er sich in die polnische Dolmetscherin Ania verliebt, erschließen sich ihm neue Perspektiven in dieser schwierigen Umgebung.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Am Ende kommen Touristen hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 80%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Harald Witz
Am Ende kommen Touristen hat eine Wertung von 80%
Ein Zivi tritt eine Stelle im Museumsbetrieb des Konzentrationslagers Ausschwitz an. Schnell muß er erkennen, dass er nicht nur von den Polen, dem Holocaust und der Globalisierung keine Ahnung hat, sondern auch sich selbst erst einmal kennenlernen muss. Robert Thalheim erzählt in seinem Selbstfindungsdrama Am Ende kommen Touristen viele Wahrheiten und wurde dafür auf dem Filmfest München gefeiert. Hauptdarsteller Alexander Fehling erhielt sogar einen Preis für seine starke Leistung.

Bild aus Am Ende kommen Touristen Statt Highlife in Amsterdam muss der 19-jährige Berliner Zivi Sven (Alexander Fehling) eine Stelle im polnischen Oswiecim antreten. In Zeiten internationaler EU-Beziehungen kein Problem, nur hat das Industriestädtchen einst wegen des Vernichtungslagers Ausschwitz traurige Berühmtheit erlangt. Und genau dort, auf dem Gelände des ehemaligen KZs soll er Touristen herumführen und im Holocaust-Museum aushelfen. Vornehmlich aber soll Sven den alten Sattler Krzeminski (Ryszard Ronczewski) betreuen. Der besitzt als KZ-Überlebender den Status einer unantastbaren Legende. Und entpuppt sich als Griesgram, der die Deutschen hasst und Sven, egal wie, für alles die Schuld gibt. Aus dem High Life wird bald Frust. Die erdrückende Atmosphäre der Gedenkstätte, die Abneigung Krzeminskis, der Sarkasmus der desillustionierten polnischen Jugend um ihn herum sowie die Arroganz der Deutschen vor Ort sorgen dafür, dass der blauäugige Zivi sich schnell allein und verlassen fühlt.

Zuspruch und Verständnis kommt nur von der Übersetzerin und Führerin Ania (Barbara Wysocka). Sie ermöglicht Sven nicht nur das Eintauchen in den polnischen Alltag. Sie macht ihm auch die Besonderheit dieses Ortes der Erinnerung begreiflich. Weil aber das Leben auch in der Umgebung von Mahnmalen beständig weitergeht, treiben die neuen Erkenntnisse Sven bald in neue Unannehmlichkeiten...

Wie das größte Vernichtungslager der Nazis seine Umgebung, so überschattet auch der Holocaust als Thema alle Bereiche von Robert Thalheims mutigem Drama Am Ende kommen Touristen. Das erzählt ganz gegenwartsgewandt vom Ist-Zustand einer Region, vom Umgang der Beteiligten mit der Vergangenheit sowie vom Erleben dieser besonderen Situation. Schlüssel zum Verständnis ist das Missverständnis zwischen den Kuratoren des Museums, die die Exponate (Koffer der KZ-Opfer) preservieren wollen, während der KZ-Überlebende Krzeminski diese Koffer repariert und instandsetzt. Gleichzeitig ist Am Ende kommen Touristen eine Entdeckungsreise ins Ich eines jungen Menschen, der feststellt, dass er sich über seine Ziele nicht im Geringsten im Klaren ist. Svens mitunter schmerzhafte Erkenntnisse von der Untrennbarkeit der Vergangenheit und der Gegenwart, dem Anfangspunkt seines Selbstfindungsprozesses, ermöglicht Thalheim nicht nur Kritik am Verhalten der Menschen im Umgang mit der Vergangenheit (siehe die PR-Maßnahmen eines deutschen Unternehmens sowie die peinliche Unwissenheit der Mitarbeiter). Auch der Neoliberalismus und seine Auswirkungen auf die Polen kriegen ihr Fett ab. Andererseits erwirken die äußerlichen Einflüsse ein innerliches Aufblühen und damit das gemeinsame Kennenlernen von Sven - für ihn selbst und die Zuschauer. So entwickeln sich aus dem Drama die Komödiantischen, fast satirischen Momente, die dem Werk eine erstaunliche Lockerheit verleihen.

Clever postuliert Thalheim, dass das Leben, das Wandel ist, im Gegensatz zum musealen Bewahren steht, denn dieses bedeutet Stillstand. Dazu braucht er kein Betroffenheitskino sondern nur das starke Spiel seines Hauptdarstellers Alexander Fehling. Dieser wurde folgerichtig auf dem Münchner Filmfest mit dem HYPO-Preis ausgezeichnet. Jetzt fehlt dem intelligenten Drama nur noch ein mutiges Publikum, das sich vom Grundthema nicht abschrecken lässt und offene Ohren für ein paar kleine Wahrheiten hat.



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