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Jindabyne - Irgendwo in Australien

(Jindabyne, 2006)

Dt.Start: 01. November 2007
DVD: 06. März 2008
Premiere: 23. Mai 2006 (Cannes Film Festival, Frankreich)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 123 min Land: Australien
Darsteller: Chris Haywood (Gregory), Tatea Reilly (Susan), Laura Linney (Claire), Sean Rees-Wemyss (Tom), Gabriel Byrne (Stewart Kane), Deborra-Lee Furness (Jude), John Howard (Carl), Eva Lazzaro (Caylin-Calandria), Max Cullen (Terry), Stelios Yiakmis (Rocco), Simon Stone (Billy), Leah Purcell (Carmel), Betty Lucas (Vanessa)
Regie: Ray Lawrence
Drehbuch: Beatrix Christian


Inhalt

Als Stewart, Rocco, Carl und Billy zum jährlichen Angel-Trip in ein abgelegenes Gebirge fahren, entdecken sie die Leiche eines Aborigine-Mädchens. Dennoch beschließen sie den Fund erst nach ihrer Heimkehr zu melden und zunächst ihre Tour zu genießen. Bei ihrer Rückkehr schlägt ihnen eine Welle von Unverständnis seitens ihrer Frauen entgegen und in der kleinen Stadt Jindabyne kommen die wirklichen Probleme zu Tage, die bisher von der Kleinstadtidylle überschattet wurden.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Jindabyne - Irgendwo in Australien hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 70%
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Kritik

von Harald Witz
Jindabyne - Irgendwo in Australien hat eine Wertung von 70%
Vier Freunde entdecken bei ihrem alljährlichen Angeltrip im australischen Outback die Leiche eines ermordeten Mädchens. Aus Bequemlichkeit melden sie den Fund erst nach ihrer Rückkehr und lösen damit einen Skandal aus. Ray Lawrence inszeniert in seiner Romanadaption nach Raymond Carver eine bewegende Mischung aus Thriller und Sozialdrama. Gabriel Byrne und Laura Linney erlauben tiefe Einblicke in die australische Volksseele und sorgen für Hollywoodglamour.

Bild aus Jindabyne - Irgendwo in Australien In dem idyllischen Flecken Jindayne ist die Welt auf den ersten Blick in Ordnung. Automechaniker Stewart (Gabriel Byrne), seine besten Kumpels Carl (John Howard) und Rocco (Stelios Yiakmis) sowie Stewarts Aushilfe Billy (Simon Stone) fahren auf ihren alljährlichen Angeltrip in ein abgelegenes Tal im australischen Outback. Ehefrauen und Freundinnen lassen sie zuhause. Doch statt Ruhe, Männergespräche und Fische entdecken sie im Fluss die Leiche eines ermordeten Aborigine-Mädchens. Auf den Schock folgt die Diskussion und die Entscheidung, den Fund der Polizei erst nach ihrer Rückkehr anzuzeigen, da der Weg zurück zu weit sei und man für das Mädchen ohnehin nichts mehr tun könne.

Doch diese fahrlässige und bequeme Entscheidung löst in Jindabyne einen Skandal aus. Die Anwohner sind über diese Pietätlosigkeit schockiert und die Ehefrauen ungläubig entsetzt. Die Eltern des Opfers und die Aborigine-Gemeinschaft sind empört und sehen hier einmal mehr die Abgebrühtheit des weißen Rassismus bestätigt. Überall rumort es, vor allem in den Familien der Beteiligten. Alte Konflikte brechen auf und verstärken sich zu ausgemachten Krisen, die selbst gestandene Männerfreundschaften ins Wanken bringen. Vor allem Stewarts stoischer Glaube an die Richtigkeit seines Handelns treibt Ehefrau Claire (Laura Linney) zur Verzweiflung. Als einzige versucht sie die Wogen der Entrüstung zu glätten. Öffentlich fordert sie die Solidarität der Weißen mit der Familie des Opfers, doch sie erntet nur kalte Ablehnung. Stewart, der Claire ihren Nervenzusammenbruch vor Jahren nicht verziehen hat, zieht sich beleidigt immer weiter zurück. Auch Claire beginnt an der moralischen Richtigkeit ihres Handelns zu zweifeln, weil keiner sie verstehen will. So reist sie alleine zum Begräbnis des toten Mädchens und trifft dabei ahnungslos auf deren Mörder.

Ray Lawrence verfilmt die Kurzgeschichte "So Much Water, so Close to Home" von Raymond Carver als Mischung aus Drama, Psychodrama und Thriller. Es ist ein bekannter Stoff, den bereits Robert Altman in seinem legendären Episodenfilm Short Cuts mit Fred Ward in der Hauptrolle für die Leinwand bearbeitete. Lawrence Neubearbeitung erweist sich als intensives Drama um unaufgearbeitete Konflikte, moralisches Dilemma und den alltäglichen Rassismus gegen die australischen Ureinwohner.

Vor allem Laura Linney brilliert als starke Mutter, die ihrer eigenen Vernunft nicht trauen kann. Gabriel Byrne als irischer Dickschädel mit großem Herz dominiert fast jede Szene durch seine bloße Präsenz. Beide bilden ein starkes Gespann, dessen Auseinandersetzungen als großes Drama gelten dürfen.

Ray Lawrence wagt einen tiefen Blick in die australische Volkseele, die voller Schuld und schlechtem Gewissen steckt. Sein Porträt australischer Befindlichkeiten demonstriert eindrucksvoll die Kunst des Geschichtenerzählens und darf als Mahnung verstanden werden, mit der Vergangenheit und der Menschlichkeit nicht fahrlässig umzugehen. Die geistige Verstörtheit und Unsicherheit der Menschen, angefangen bei Claire aber auch bei Carls seltsamer Enkeltochter, zieht als Motiv einer mangelnden Vergangenheitsbewältigung immer stärkere Kreise und sorgen für die eigentliche Handlungsspannung.

Dafür verlässt Lawrence früh die Thrillerpfade und nimmt sie erst später fast widerwillig wieder auf. Wie in dem stilistisch ähnlich gelagerten neuseeländischen Thriller Als das Meer verschwand interessiert ihn mehr die persönliche Schuld als das Whodunnit. So dient der Thriller als Vehikel für seine Ausführungen, die offen die Zerrüttung der australischen Gesellschaft anprangern.



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Dt. Start: 06. März 2008
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