Drei Freunde träumen von Sex, Coolness und ultimativen Erlebnissen in den letzten Monaten ihrer Highschool-Zeit. Doch leider sind sie auch die totalen Nieten und Außenseiter der Schule. Bis sie eines Freitagsabend zu einer Party eingeladen werden - wenn sie Alkohol auftreiben können. Das Judd Apatow-Team setzt in der Bad-Taste-Komödie Superbad den ewigen Nerds ein Denkmal und bleibt seiner Erfolgslinie treu.
Der Erfolg von Beim Ersten Mal ist noch nicht mal richtig verdaut, da legt das Produktionsteam um Judd Apatow erneut nach. Nach den älteren Jungfrauen (Jungfrau (40), männlich, sucht ...) und den "Nichterwachsenwerden"-wollenden Twentysomethings (Beim Ersten Mal) widmet sich Superbad den Befindlichkeiten einer ganz besonderen Spezies Mann. Diese macht den Spaß jeder Form von Highschool/College-Komödie aus und wird im Allgemeinen als Trottel, Außenseiter, Geek oder Nerd bezeichnet. Ob American Pie, Road Trip oder was auch immer, der Außenseiter ist das Salz in der Suppe, das wandelnde schlechte Beispiel oder schlicht: der ewige Looser. Regisseur Greg Mottola fiel die Aufgabe zu, all diesen Nerds ein Denkmal zu setzen. Und das macht er mit sichtlichem Vergnügen:
Der dicke Seth (Jonah Hill), der schüchterne Evan (Michael Cera) und der verdrückte Fogell (Christopher Mintz-Plasse) hängen zusammen ab, weil sie sonst niemand haben. Mädchen, ihrem Hauptinteresse, kommen sie eigentlich nur auf Pornoseiten im Internet näher. Schliesslich steht bei jedem der drei Großsprecher vor der erwarteten Abfuhr und der Blamage sogar noch das eigene Unvermögen. Doch das bevorstehende Ende des beschaulichen Highschool-Daseins läßt vor allem Seth in Panik verfallen. Mit dem College verknüpft er die Hoffnung auf einen Neuanfang und die totale (sexuelle) Ekstase, für die es schon jetzt zu trainieren gilt. Ärgerlich ist auch, dass Seth mangels Qualifikation auf ein anderes College geht, während Evan und Fogell sich gar ein Zimmer teilen werden. Leben kommt ins dröge Außenseitertum, als Fogell mit einem gefälschten Führerschein angibt. Der lautet zwar auf den Namen McLovin, was er ganz cool, die anderen aber total behämmert finden. Aber immerhin kann man damit Alkohol für die Party eines dieser unerreichbaren Schul-Chicks am Freitagabend besorgen. Für die drei endlich die Gelegenheit zu zeigen, dass auch sie Superbad sein können. Doch schon am Gang zum Liquor Store zeigt eindringlich, wer hier Mut hat und was daraus wird. Doch diesmal ist keiner der drei gewillt, diese letzte Chance auf ein Stück vom Glück ungenutzt vorbei ziehen zu lassen...
Die Da Ali G Show- und Undeclared-erfahrenen Evan Goldberg und Seth Rogen, lieferten das Drehbuch für Greg Mottolas zweiten Film. Sie erweitern die übliche Highschool-Szenerie um Penne, Liebeslust, Party, Alkohol und Drogen um das Thema der nächtlichen Odyssee. Kopfüber in die Nacht wie einst bei John Landis heißt es für Seth, Evan und Fogell alias McLovin. Das turbulente Abenteuer, das um keine Überraschung und keine Geschmacklosigkeit verlegen ist, schlägt nicht nur elegante Storyhaken. Auch emotional weiß Superbad ein ums andere Mal eine unerwartete Saite anzuschlagen.
Neben den drei Nerds fallen besonders Seth Rogen und Bill Hader als die Streifenpolizisten Michaels und Slater auf, die ihrem Teil der Geschichte einen anarchischen Stempel aufdrücken, der an selige Animal House-Chaostage erinnert. Auch wenn dagegen die Weiblichkeiten meist nur durch laszive Bewegungen und eindeutig zweideutige Absichten auffallen, so verstehen es Emma Stone, Martha MacIsaac und Marcella Lentz-Pope jenseits der "Männerfalle" ihren Figuren einen erfrischenden, weil unperfekten Pep zu verleihen. Ihre Frauen/Mädchen sind aber trotzdem einmal mehr dermaßen emanzipiert und gleichzeitig nachsichtig, so dass sie natürlich Traumfrauen sein müssen - auch wenn sie sich beim Liebespiel übergeben oder durch Kopfstoß k.o. gehen.
Das liegt natürlich daran, dass im Apatow-Universum keine Figur lächerlich genug ist, als dass man über sie lachen müsste. Ein jeder findet zwar sein Fettnäpfchen, in dem er ausgiebig herumstapfen darf, und jeder gerät in seine persönliche, unangenehm peinlichen Situationen. Aber man lacht über ihr Missgeschick und nicht über sie. Diese Sensibilität und Ehrlichkeit verschafft den Figuren nicht nur eine unvermutete Tiefe, sie ist auch im dritten Anlauf der erneute Erfolgsgarant. Mühelos sprang Superbad bei seinem Start mit $31 Mio. auf Platz 1 der US-Box Office und hielt den Platz auch in der Folgewoche gegen Topfilme mit bedeutend mehr Kopien.
Greg Mottola bleibt mit seiner gelungenen Inszenierung der Apatow-Linie treu und überzeugt als sensibler und doch zielstrebiger Filmemacher. Sein Superbad liefert frische und überzeugende Gesichter, auch wenn für Apatow-Fans einige davon längst innige Verehrung verdienen. Die Komödie vollendet auch so etwas wie einen Kreis, den man fortan als Apatow-Universum begreifen kann. Die wiederkehrenden Darsteller und Filmemacher funktionieren nun als erfolgreiche Gruppe ähnlich wie das Brat-Pack um Stiller, die Wilsons, Vaughn und Ferrell. Jedenfalls darf man auf weitere Berichte vom Zustand der Männlichkeit made by Apatow gespannt sein.