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The Darjeeling Limited

(The Darjeeling Limited, 2007)

Dt.Start: 03. Januar 2008
DVD: 13. Juni 2008
Premiere: 03. September 2007 (Venice Film Festival, Italien)
FSK: ab 6 Genre: Komödie
Länge: 105 min Land: USA
Darsteller: Owen Wilson (Francis), Jason Schwartzman (Jack), Adrien Brody (Peter), Anjelica Huston (Patricia), Camilla Rutherford (Alice), Amara Karan (Rita), Trudy Matthys (Frau im Zug)
Regie: Wes Anderson
Drehbuch: Wes Anderson, Roman Coppola, Jason Schwartzman


Inhalt

Der Tod ihres Vaters bringt die drei Brüder Francis, Peter und Jack, die zuvor ein Jahr nicht miteinander gesprochen hatten, wieder zusammen. Daraufhin begeben sie sich auf eine spirituelle Zugreise durch Indien, um die brüderlichen Gefühle wiederzuentdecken. Doch durch einige unglückliche Umstände stranden sie schließlich mit elf Koffern, einer Laminiermaschine und einem Drucker mitten in der Wüste.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

The Darjeeling Limited hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 80%
Kurzkritik
von Thomas Brendel
Wertung von 85 für The Darjeeling Limited

Wes Andersons neuer Film reiht sich inhaltlich wie stilistisch nahtlos in dessen vorherige Werke ein. Auffällig sind wieder einmal die intensive Farbgestaltung der Bilder, die äußerst detailverliebten Sets, die überdeutlich symmetrisch kadrierten Einstellungen und die unverkennbaren horizontalen Kamerafahrten, bei denen man immer den Eindruck hat, Andersons Blick geht stets weit über den Rand einer konventionellen Leinwand hinaus. Die Geschichte handelt wie gewohnt von völlig verschrobenen, zutiefst verletzlichen Figuren und ihren kaputten Beziehungen zueinander. Diesmal sind es drei entfremdete Brüder, die sich im Rahmen einer spirituellen Reise durch ein unbekanntes Land wieder aneinander annähern möchten. Bis auf Neuzugang Adrien Brody besteht die Besetzungsliste aus dem wie immer hervorragend harmonierenden Stamm-Ensemble um Jason Schwartzmann und Owen Wilson. The Darjeeling Limited ist ein Film der leisen Töne, sowohl in den witzigen Momenten, die trotz ihrer absurden Komik nie in Slapstick abgleiten, als auch in den traurigen, die einem dank des Verzichts auf übertriebene Theatralik sehr ans Herz gehen.

Kritik

von Harald Witz
The Darjeeling Limited hat eine Wertung von 75%
Nach einem Jahr der Entfremdung lädt Francis und seine jüngeren Brüder Peter und Jack zu einer gemeinsamen Reise durch Indien ein, um ihre dort lebende Mutter zu besuchen. Doch die seltsamen Brüder verstehen es, Nichtigkeiten in Komplikationen und ihren Selbstfindungstrip in ein multikultiges Chaos zu verwandlen. Das treit selbst den ergebenen Sekretär in den Wahnsinn. Mit The Darjeeling Limited legt Wes Anderson seine fünfte Komödie vor, in der seine Lieblingsschauspieler allerlei Unfug treiben: Owen Wilson und Jason Schwartzman werden diesmal von Adrian Brody unterstützt. Aber selbst der unverwüstliche Bill Murray und die allseits elegante Anjelica Houston geben sich kurz die Ehre.

Bild aus The Darjeeling Limited Die Welten des Wes Anderson sind Familienwelten, die so gar nichts mit den viel gepriesenen amerikanischen Werten zu tun haben. Zwar gibt es hartnäckige Versuche, zwischen den einzelnen Mitgliedern Bande zu knüpfen. Aber ob Tenenbaums, Zissous, Fisher/Blumes oder nun die Whitmans, jedes Familienmitglied ist eine eigene Insel, die kaum auf den anderen zugehen kann. Selbst Freundschaften stehen immer unter dem Druck obskurer Krisen und können nur temporär sein.

Seine fünfte Regiearbeit erarbeitete Anderson diesmal nicht mit Owen Wilson sondern mit Jason Schwartzman und dessen Cousin Roman Coppola. Ihre Reflexionen über Freundschaft und die Sehnsucht nach Geborgenheit ist eine Reise, die als spirituelle Gemeinschaftserfahrung drei Brüder wieder näher zusammenbringen soll. Aber dank deren Unvermögens wird dies ein Selbstfindungstrip, was auch kein schlechtes Ergebnis ist. Gleichzeitig ist die Komödie so etwas wie eine Hommage an David Leans letztes Epos Die Reise nach Indien, der Reise einer Britin durch das exotische Land im 19. Jahrhundert nach E. M. Foster.

Seit dem Tod des Vaters herrscht Schweigen in der Familie Whitman. Doch nach einem Jahr voller Schweigen hat der älteste Sohn Francis (Wilson) seine Brüder Jack (Jason Schwartzman) und Peter (Adrien Brody) zu einer Reise durch den indischen Subkontinent eingeladen. Differenzen ausgeräumt werden und die Brüder wieder einander näher kommen. New Age-mäßig soll der göttliche Beistand durch Stationen bei möglichst vielen religiösen Heiligtümern erbeten werden und in einem Kloster enden, wohin sich ihre Mutter vor vielen Jahren zurückgezogen hat.

Dafür hat Francis über seinen Assistenten (Roman Coppola) eine Doppelkabine in einem Luxuszug gebucht, in der zwar die 11 Gepäckstücke Platz finden, aber kaum die Egos der drei. Francis, Peter und Jack kennen jede Macke der anderen, spielen einander Geheimnisse und kleine Intrigen vor, üben sich in Buße, werfen Painkiller ein, sind zu allen Experimenten bereit - und doch kennen sie einander kein bißchen. Leidtragende sind zunächst der Sikhs-Chefsteward und dessen schöne Verlobte (Amara Karan). Nachdem Jack mit ihr eine Affäre hatte und Peter auf die doofe Idee kam, eine giftige Kobra zu kaufen (und im Zug zu verlieren), werden die drei entfremdeten Brüder aus dem Zug geworfen. So haben sie Gelegenheit, an einem Kanal zumindest zwei Kinder vorm Ertrinken zu retten, während ein drittes stirbt. Über die Trauerfeier entdecken die drei doch noch so etwas wie familiäre Solidarität...

Allein die wirklich schrägen Dialoge und absurden Einfälle entlang der Reise sind das Eintrittsgeld für The Darjeeling Limited wert. Wes Anderson entführt seine Fans in eine märchenhafte Welt jenseits von Hollywood-Konventionen und den heil(ig)en Familienwerten. Die Reise im holzgetäfelten Märchenzug durch ein nicht minder märchenhaft-künstliches Indien (trotz des Drehs an Originalschauplätzen) ist ein melancholisches Theaterstück, das bisweilen an das Werke von Beckett oder Ionesco erinnert. So spielen auch die stoisch wirkenden Darsteller phasenweise wie auf dem Theater und veranstalten gleichzeitig ein solches.

Der Spaß für die Zuschauer liegt in der absurden Zusammenstellung der Handlungselemente, die Vorangegangenes oft konterkarieren. Oft ergehen sich die Figuren in sinnlosen Details, die nur über eine übergreifende Interpretation zugänglich werden. Da ist zum Beispiel die Problematik diverser Bekleidungsstücke, die dem verstorbenen Vater gehörten und nun mehr oder weniger alle im Besitz des dominanten Francis sind. Die Verfremdung der Entfremdeten entsteht durch die Aufbauschung dieser "unwichtigen Details".

The Darjeeling Limited erweist sich anders als Die Tiefseetaucher als leichter zugänglich und weniger verworren. Die Reduktion von Raum und Personal erlaubt ein genaueres Hinsehen und wird belohnt durch das bisweilen perfekte Zusammenspiel von Wilson, Brody und Schwartzman. Anderson-Neuling Adrian Brody passt dabei perfekt ins skurrile Gezanke um Schuhe, Gürtel und andere Erbstücke, so dass es ein Wunder wäre, ihn nicht schon bald erneut in einem Anderson-Film zu sehen. Schwartzman als schreibambitionierter Bauchmensch mit Beleidigter Leberwurst-Phlegma dürfte sich die Rolle selbst auf den Leib geschrieben haben und Überzeugungstäter Owen Wilson gibt einmal mehr den wortverdrehenden Besserwisser.

Angereichert wird die schräge Unterhaltungskost durch die großartige Kamera von Robert Yeoman, exotische Landschaften und Andersons Sinn für illustre Querschnitte. Natürlich sollte sich jeder, der auf 08/15-Unterhaltung steht die Hände von The Darjeeling Limited lassen. Wer allerdings bereits vom Anderson-Virus befallen ist oder Sinn für Skurriles und Absurdes besitzt, dürfte um diese schräge Komödie nicht herumkommen.



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