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David Slade wurde als Regisseur von Musikvideos bekannt und machte sich mit Hard Candy schnell einen Namen in Hollywood. Für die Rolle des Stadt-Sheriffs konnte er in 30 Days of Night Josh Hartnett (Black Dahlia) gewinnen, der diese aber nicht auszufüllen vermag. Dabei bemüht er sich redlich, nicht aus der Rolle zu fallen und ernst zu bleiben.
30 Days of Night erfüllt eigentlich alle Vorrausetzungen für einen guten Horrorfilm. Wären da nicht die vielen kleinen Schwachstellen, die sich in David Slades Werk anhäufen, hätte aus ihm glatt ein sehr guter Vampir-Horror-Thriller werden können. Aber so reicht er leider nicht über das Mittelmaß hinaus.
Obwohl der Streifen in Neuseeland gedreht wurde, spielt er in Barrow, Alaska. Jedes Jahr verlassen dort fast alle Bewohner die kleine Stadt, da 30 Tage lang die Nacht das verschneite Örtchen regiert. Stella Oleson (Melissa George) schafft es nicht mehr rechtzeitig den letzten Flieger zu erreichen, der sie in den Süden bringt. So muss auch sie in Barrow ausharren und sich ihrer kaputten Ehe stellen. Ihr Mann, Sheriff Eben (Josh Hartnett), zeigt sich davon zwar nicht sehr erfreut, doch hofft er insgeheim, ihr wieder näher zu kommen. Aber das sollte das kleinste seiner Probleme werden. Alles beginnt, als die Huskys eines Bekannten brutal ermordet aufgefunden und dutzende Handys vermisst werden. Der von der Außenwelt abgeschnittene Ort bekommt zudem Besuch von einem Fremden (Ben Foster), der wirr vom Untergang der Stadt faselt. Schon bald stellt sich dies als grausame Wahrheit heraus. Unter der Leitung von Marlow (Danny Huston) macht eine Gruppe Vampire jagt auf jeden Bewohner. Da sie im Schutz der 30 Tage andauernden Nacht reichlich Zeit haben, ihren Blutdurst zu stillen, spielen sie mit den restlichen Überlebenden ihre perfiden Spielchen. Doch die Einwohner lassen sich nicht so leicht ausrotten und eine Hoffnung kann ihnen keiner nehmen: Nach 30 Tagen geht die Sonne wieder auf und dann ist der Spuk vorbei.
Vorlage für Slades Inszenierung ist die dreibändige Mini-Comic-Serie "30 Days Of Night" aus dem Jahr 2002. Sie wurde von Steve Nils geschrieben und Ben Templesmith kümmerte sich um die Illustrationen der Geschichte, die fern ab von den gängigen Vampirgeschichten angesiedelt war. Die Beißerchen der Blutsauger sind nicht wie gewohnt zwei gespitzte Eckzähne, sondern viele kleine spitze Zähnchen. Sie sprechen eine eigene Sprache, sie umweht nicht einmal der Hauch von Romantik und haben keineswegs die Aura von etwas Übernatürlichem. Da sich die Bücher sehr erfolgreich verkauften, war es nur eine Frage der Zeit, bis Hollywood an ihre Tür klopfte und sie adaptieren wollte. Für die Produktion konnte Sam Raimi, Regisseur der Spider-Man-Reihe gewonnen werden, der schon einschlägige Erfahrung mit dem Genre hat. Was also lief bei dieser guten Vorlage und der Protektion falsch?
Am Setting kann es definitiv nicht liegen. Der fast ausgestorbene Ort, der immer mehr einschneit und völlig im Dunkeln liegt, ist ideal gewählt. Er alleine könnte schon Gänsehaut erzeugen. In diese Einsamkeit brechen abstrus geschminkte Vampirtruppen herein - doch auch das ist es nicht. Es ist sogar sehr angenehm die Bande um Danny Huston (Operation: Kingdom), nicht im üblichen Gothic-Look zu sehen. Aber wenn sie den Mund auf machen und in ihrer "Sprache" kommunizieren, dann kann man sich nur schwer ein Lächeln verkneifen. Das wird wieder etwas gemindert, wenn es zu den Kämpfen zwischen den Blutsaugern und den restlichen Einwohnern kommt. Dort spritzt das Blut nur so in den weißen Schnee, der einen schönen Kontrast bietet. Aber das restliche Auftreten der Vampire lässt zu wünschen übrig. Nicht nur, dass sie es nicht ganz so mit dem logischen Denken haben, das kann man ihnen durchaus zugestehen, doch sie bewegen sich auch noch alles andere als koordiniert durch den Raum. Witzig ist auch die Tatsache, dass man in Barrow instinktiv zu wissen scheint, wie man sich gegen Vampire wehren muss.
Der Plot folgt einem 08/15 Schema des Horrorgenres und bietet neben grausam erscheinenden Szenen keine wirklichen Schocker. In den kleinen Einstellungen, wenn die Gruppe um den Sheriff herum in Bedrängnis gerät oder auszuharren versucht, ist 30 Days of Night am stärksten. Leider dauern diese Szenen nicht allzu lange an und schnell friert die eben aufgebaute Atmosphäre wieder ein. Die Darsteller tun ihr Bestes, doch gelingt es keinem wirklich, den Zuschauer auf seine Seite zu ziehen. Man muss aber auch dankbar sein, dass die Rolle des Sheriffs nicht an einen repräsentativen Heldendarsteller gegeben wurde, denn das hätte ihm glatt noch mehr Minuspunkte eingebracht und der Figur ihre seichte Tiefe genommen. Schlimmer ist jedoch die völlige Charakterlosigkeit der brutalen Fressmaschinen, die nicht mal ein Fünkchen Charme besitzen und die kammerspielartigen Szenen auf dem Dachboden.
30 Days of Night ist trotzdem eine solide gemachte, kurzweilige Unterhaltung und schafft es sogar eine bedrückende Atmosphäre zu erzeugen. Wer das Genre liebt, wird ihn mögen, wer schon bei Saw nicht hinsehen konnte, sollte besser keine Karte lösen und wer die gut gemachte Schlusseinstellung, die beste im ganzen Film, sehen will, der muss tapfer die 113 Minuten durchstehen. |