Für seine erste Hollywoodproduktion hat sich Regisseur Gavin Hood eine hochaktuelle Thematik ausgesucht. Was passiert, wenn der Staat einfach so über Menschen verfügt? Wie kann man sich als Bürger dagegen zur Wehr setzten und wer hält wirklich die Fäden in der Hand? Aber statt einen couragierten Film zu machen, verfällt Hood in die Bedeutungslosigkeit. Da hilft ihm auch kein Staraufgebot.
Machtlos ist er deutsche Titel für Rendition. Der amerikanische Titel verweist auf ein ganz besonderes Verfahren, das schon oft diskutiert wurde: "Extraordinary rendition" (dt.: außerordentliche Auslieferung). Darunter versteht man die Überstellung von normalen Bürgern in die Rechtlosigkeit, wenn sie verdächtigt werden, Teil eines Terroranschlags zu sein. Wie gesagt "verdächtigt werden". Ohne Anklage und oft auch ohne hieb- und stichfeste Beweise, werden sie in einer Nacht- und Nebelaktion, in ein Drittland verschleppt. Alles nur, um dort mit brutalen Foltermethoden verhört zu werden. Wem das alles dient? Der Sicherheit und dem Schutz des Landes.
Als bei einem gezielten Terroranschlag in einem nordafrikanischen Land 19 Menschen umkommen und 75 schwer verletzt werden, stirbt auch ein Agent des CIA. Fieberhaft sucht man nach einem Schuldigen und die CIA überstellt, ohne mit der Wimper zu zucken, den Geschäftsmann Anwar El-Ibrahimi (Omar Metwally) in ein Foltergefängnis. Dabei war er gerade auf dem Weg zu seiner schwangeren Frau Isabella (Reese Witherspoon). Als diese ihn nicht wie verabredet am Flughafen antrifft, wendet sie sich an Alan Smith (Peter Sarsgaard). Dieser arbeitet für Senator Hawkins (Alan Arkin) und kommt bei seinen Nachforschungen schnell auf die Spur der CIA. Anwar muss indessen um sein Leben fürchten. Er ist im Gefängnis von Abasi Fawal (Igal Naor), dem auch der Anschlag gegolten hatte. Mit Anwars Handy soll der gesuchte Terrorführer Rashid Silime angerufen worden sein, doch je mehr er diese Telefonate bestreitet, desto grausamer wird die Folter. Die "Verhöre" werden von dem jungen CIA-Analytiker Freeman ( Jake Gyllenhaal) überwacht, der wiederum Corrine Whitman (Meryl Streep), Chefin der Anti-Terror-Einheit, Bericht erstattet.
Für das mitreißende, afrikanische Gangster-Drama Tsotsi, gewann Regisseur Gavin Hood 2006 einen Oscar. Aber bei seinem amerikanischen Regiedebüt stellt er sich selbst in den Schatten. Erschreckend eintönig und unbeteiligt inszeniert er einen Thriller, in dem es um Terrorismus, Folter, fragliche CIA-Vorgehenseisen und den Nahen Osten geht. Da helfen auch Stars wie Oscarpreisträger Reese Witherspoon, Meryl Streep und Alan Arkin nichts.
Das einzige Highlight ist die Romeo und Julia Geschichte der Nebenhandlung. Julia, hier die Tochter des Folterknechts Fawal, liebt Romeo, einen jungen, idealistischen Islamisten. Doch auch diese Verflechtungen, die sich beim grandiosen Twist zum Ende des Films, als sehr bedeutsam herausstellen, können nicht über das seichte Gewässer hinwegtäuschen, das Hood ansteuert. Man vermisst scharfe, auf den Punkt gebrachte Debatten und Handlungsstränge, die den Zuschauer richtig packen. Stattdessen gibt es nur ein hin und her zwischen den verschiedenen Spielorten. Aber das liegt nicht nur an der Inszenierung von Hood. Die Geschichte von Drehbuchautor Kelley Sane wurde schon so beliebig und vorsichtig geschrieben, dass man noch nicht mal das Land des Anschlags, in dem auch das Gefängnis ist, beim Namen nennt.
Was man bei dem Thema vermisst, ist Courage. Statt dessen wird versucht, leicht an der Oberfläche zu kratzen, sich aber nicht ernsthaft damit auseinander zu setzen. Wie so viele Produktionen aus Hollywood, die vorgeben ein politisches Statement abzugeben, hat man Angst davor, konkret zu werden. Alles bleibt unverbindlich.
Daneben lässt auch die Starbesetzung in einigen Szenen Klangfarbe vermissen. Jake Gyllenhaal (Zodiac - Die Spur des Killers) nimmt man die Figur des Agenten einfach nicht ab. Er spielt ihn so unscheinbar, dass man auch gar nicht weiter über ihn nachdenken will. Dabei hätte er wirklich Konfliktpotential. Da überzeugt schon eher Reese Witherspoon, die vor allem in den kleinen, emotionalen Szenen hervor sticht und eine starke Frau und Mutter spielt. Erstaunlich stark sind dagegen Igal Naor (München), der als die israelische Version von Kojak durchgehen könnte und durch seine Präsenz besticht, sowie Omar Metwally (München), der vor allem in den Szenen, in denen er alleine spielt, überzeugt.
Das heikle Thema wäre sicher sehr gut bei Hood aufgehoben gewesen, wenn er nicht auf Hollywood gesetzt hätte. Aber so ist Machtlos nur eines von vielen Filmprojekten, die dem Zuschauer zwar durch die Problematik einen interessanten Anstoß geben, doch schnell wieder in Vergessenheit geraten.