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Things we Lost in the Fire

(Things we Lost in the Fire, 2007)

Dt.Start: 29. Mai 2008 Premiere: 26. September 2007 (San Sebastian Film Festival, Spanien)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 117 min Land: USA
Darsteller: Benicio Del Toro (Jerry Sunborne), Halle Berry (Audrey Burke), David Duchovny (Brian Burke), Alexis Llewellyn (Harper Burke), John Carroll Lynch (Howard Glassman), Micah Berry (Dory Burke), Alison Lohman (Kelly), Robin Weigert (Brenda), Omar Benson Miller (Neal), Paula Newsome (Diane), Sarah Dubrovsky (Spring)
Regie: Susanne Bier
Drehbuch: Allan Loeb


Inhalt

Audrey muss mit ihren beiden Kindern über einen großen Verlust hinwegkommen. Ihr geliebter Ehemann Brian wurde bei dem Versuch, einer bedrängten Frau zu helfen, erschossen. Dessen bester Freund, Jerry Sunborne, befindet sich ebenfalls in einem großen emotionalen Loch. Aus diesem Grund bietet Audrey ihm an, bei ihr und den Kindern zu wohnen, um sich gegenseitig bei der Bewältigung der Vergangenheit zu helfen.
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Kritik

Things we Lost in the Fire hat eine Wertung von 90%
Nach dem Tod einer geliebten Person, hat jeder etwas verloren. Den Ehemann, den Vater, den Sohn, den besten Freund oder auch den einzig wirklichen Freund, den man jemals hatte. Wie geht man mit solch einem Verlust um und findet zurück ins Leben? Diese Frage beleuchtet Susanne Bier in ihrem äußerst emotionalen, fesselnden und wunderbar erzählten Drama Things we Lost in the Fire.

Bild aus Things we Lost in the Fire Mit dem Tod eines geliebten Menschen umgehen zu lernen ist mit die schwerste Aufgabe, die man im Leben zu bewältigen hat. Jeder versucht es auf eine andere Weise zu verarbeiten und verwendet dabei unterschiedliche Hilfsmittel. Die dänische Regisseurin Susanne Bier zeigt in ihrem ersten amerikanischen Film Things we Lost in the Fire genau diese unterschiedlichen Wege der Hinterbliebenen zurück in ihr eigenes Leben.

Brian Burke (David Duchovny, House of D), ein herzensguter Mensch und liebevoller Vater, fährt zum Eisholen und kommt nicht mehr zurück. Er hat beobachtet, wie ein Mann eine Frau niedergeschlagen hat, eilte dieser zu Hilfe und wurde dabei erschossen. Nun müssen Audrey (Halle Berry, Verführung einer Fremden) und die Kinder, die zehnjährige Harper und der sechsjährige Dory, über ihren Verlust hinwegkommen. Schnell wird klar, dass sie alleine nicht mit der Situation fertig werden wird. Sie brüllt grundlos ihre Kinder an und kommt mit den Reparaturen im Haus nicht zurecht. Als ihr bewusst wird, dass der Junkie und Jugendfreund ihres Mannes, Jerry Sunborne (Benicio Del Toro, 21 Gramm), nicht so schlecht ist, wie sie immer geglaubt hatte, bittet sie ihn, unter einem Vorwand, in ihr Gästezimmer zu ziehen. Dieser nimmt das Angebot an und wird schnell zum Vaterersatz für die Kinder und zum Freund-Ersatz für Howard, einem guten Freund von Brian. Nur die Beziehung zu Audrey ist durch Höhen und Tiefen geprägt, was schließlich zur Eskalation führt.

Die Geschichte ist an Sich schnell erzählt. Das, wovon der Film getragen wird, sind die Emotionen, die in so gut wie jeder Szene mitschwingen. Sei es das Zimmer von Brian, das noch nicht ausgeräumt wurde, eine Geschichte aus alten Zeiten in vertrauter Runde erzählt oder einfach die ohnmächtige Trauer, die die Charaktere begleitet. Aber es gibt auch durchaus witzige Momente, wenn die Frau von Howard einen schnippischen Kommentar loslässt oder eine Situation einfach nur aufgrund der Konstellation witzig ist. Somit wird der Zuschauer selbst in eine Berg-und-Tal-Fahrt der Gefühle geschickt, bei der man oft gleichzeitig weinen und lachen möchte.

Susanne Bier wählt in ihrem Drama eine sehr geschickte Art der Erzählung. Sie ist dafür bekannt, Dinge "auf eigene Weise" zu machen und das spürt man auch. Es sind nicht nur ihre typischen bewegten Bilder oder die vielen Nahaufnahmen, in denen man teilweise nur ein Auge, das in Tränen schwimmt, oder einen Finger, der immer noch den Ehering trägt, sieht. Es ist auch die Tatsache, dass sie mit ihrer Erzählung eigentlich mitten in den Vorbereitungen für die Trauerfeier einsteigt und die Geschichte um die Person Brian und dessen Schicksal nur in Rückblenden einbaut. Dadurch ist man von Anfang an ein Teil der Trauergemeinde, kennt das Schicksal des Mannes, der nicht weggesehen hat, als eine Frau zu Boden geschlagen wurde und erlebt die Rückblenden wie Erinnerungen, was dem Ganzen noch mehr Emotionalität verleiht.

Dass Bier ihr amerikanisches Debüt gleich mit zwei Oscar-Preisträgern in den Hauptrollen besetzen können würde, war selbst für die Regisseurin eine Überraschung. Doch dass diese Entscheidung genau die richtige war, ist deutlich zu erkennen. Benicio Del Toro als abgebrannten Junkie, der zu neuer Kraft und Lebenswillen findet, zu sehen, ist eine wahre Augenweide. Man sieht ihm die Veränderung, die er im Laufe der Geschichte durchmacht, deutlich an und nicht nur die Charaktere im Film sind von dieser Persönlichkeit gefesselt und schätzen ihn daher als "Felsen" in ihrem angeschlagenen Leben. Doch auch Halle Berry kann sich wieder als hochkarätige Schauspielerin beweisen und stellt die Frau, die durch einen tragischen Vorfall von einem Leben voller Glück in ein tiefes Loch voller Missgunst und Hass stürzt, äußerst überzeugend dar. Dabei ist vor allem dieses Hin und Her zwischen den beiden so unterschiedlichen Menschen eine Quelle der Emotionen und Spannung. Die innere Zerrissenheit der Audrey, zwischen der Akzeptanz, dass ihr Mann sterben musste und der Junkie, für den er immer da war, noch unter den Lebenden weilt, und dem Erkennen, dass sie damit einen Menschen gefunden hat, dem Brian sehr viel anvertraut hat und der ihren Mann mindestens genauso sehr geliebt hat, wie sie selbst, ist in jedem Augenblick zu spüren. So fühlt man auf der einen Seite mit der Frau, die bestürzt darüber ist, dass Jerry soviel über Brian und die Familie weiß und nicht verstehen kann, wieso die Dinge so passiert sind, wie sie passiert sind. Aber auch mit Jerry, der in diese Rolle gepresst wurde, sie gut erfüllt und dennoch nur Missgunst erntet. Doch nicht nur diese beiden "Größen" können begeistern. Der warmherzige David Duchovny, der unter dem Pantoffel seiner Frau stehende John Carroll Lynch und auch die Kinder, Alexis Llewellyn und Micah Berry, tragen zur emotionsgeladenen Atmosphäre des Films ihren Teil bei.

Wie geht man mit dem Verlust eines geliebten Menschen um? Weiterleben und das Gute akzeptieren. Obwohl der Film laut eigener Aussage von Susanne Bier "kein Film mit einer Botschaft" ist, schwingt dieses "Motto" ein wenig mit. Auf jeden Fall ist es aber ein sehenswerter Film, der zum nachdenken anregt und einen auch lange nachdem man das Kino verlassen hat, noch nicht loslässt. Taschentücher sind unbedingt notwendig, da hier wohl kaum ein Auge trocken bleiben wird.

von Markus Ostertag


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