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Dass Paul Haggis gute Drehbücher schreibt, ist schon seit längerem bekannt. Dass er auch ein guter Regisseur ist, hat er mit L.A. Crash bewiesen. Jetzt kommt sein neuer Film Im Tal von Elah in die Kinos und nicht nur dem Cast, sondern auch der ruhigen Erzählweise von Haggis ist es zu verdanken, dass auch dieser Film sicherlich ein Thema bei der Oscarverleihung sein wird.
Der zweite Irakkrieg hat die Amerikaner tief getroffen. Nicht nur dass er politisch höchst umstritten war, auch die Konsequenzen der Einsätze zeichnen sich durch das Golfkriegssyndrom und Selbstmorde der zurückgekehrten Soldaten immer stärker ab. Diesem Thema will Paul Haggis sich mit Im Tal von Elah annehmen und erzählt äußerst ruhig, dafür umso kritischer, eine Geschichte, die in vielen amerikanischen Familien Wahrheit sein könnte.
Mike Deerfield hat es geschafft, nach 18 Monaten Irak-Einsatz kehrt er zurück in seine Heimat. Doch kurz nach seiner Rückkehr wird er vermisst und sein Vater Hank Deerfield (Tommy Lee Jones) - selbst Vietnam-Soldat - macht sich auf die Suche nach ihm. Die Entdeckungen, die er mit der Polizistin Emily Sanders (Charlize Theron) macht, zeigen ein dunkles Bild der Kriegs-Rückkehrer. Und schon bald wird klar, dass die Erfahrungen des Krieges eben nicht im fremden Land zurückbleiben, sondern im Handgepäck mit in die Heimat reisen.
Kaum eine andere Person kann man sich so perfekt in der Rolle des patriotischen Vaters mit Vietnam-Erfahrung vorstellen wie Tommy Lee Jones. Mit seiner teils leicht arroganten Art, in der er die lokale Polizistin Sanders bei den Ermittlungen ein ums andere Mal vorführt, aber dennoch verletzlich und sympathisch wirkt, ist er wohl einzigartig. Aber auch Charlize Theron als belächelte alleinerziehende Mutter in Polizeiuniform, die Deerfield unterstützt um es den anderen zu beweisen, brilliert in einigen Szenen.
Das Hauptaugenmerk liegt aber sicher in der ruhigen Erzählweise, die Haggis schon bei L.A. Crash präsentierte. Immer wieder lässt er neue Überraschungen und dunkle Flecken auf seinen Charakteren auftauchen. Immer wieder offenbart er dem Zuschauer mehr Tiefe, als zunächst vorherzusehen war. Immer wieder sitzt man fassungslos im Kinosessel und versinkt tiefer in die Geschichte um Korruption, Lügen und falschem Patriotismus. Als am Ende des Filmes durch den Satz eines Kindes die alles entscheidende Frage gestellt wird ist klar, dass Haggis offen Kritik übt und damit eine sehr wichtige Diskussion anstößt, die einigen in den USA nicht gefallen wird.
Allein für diesen Anstoß hätte Haggis den Oscar verdient, doch auch in vielen anderen Aspekten wird Im Tal von Elah bei der kommenden Verleihung des goldenen Mannes eine Rolle spielen. Als Zuschauer sollte man sich also das Release-Date schon jetzt rot im Kalender markieren, denn mit diesem Film hat Haggis endgültig bewiesen, dass er nicht zu Unrecht als das "Wunderkind von Hollywood" bezeichnet wird. |