Die starken Frauen zeigen den Männern, wo's lang geht: das überaus erfolgreiche Biathlon-Team des Deutschen Skiverbandes DSV bereitet sich auf die neue Saison und die anstehenden Weltmeisterschaften im italienischen Antholz im Januar 2007 vor. Ralf Heincke und Florian Leidenberger beobachten die jungen Frauen bei ihrer Trainingsarbeit und der Vorbereitung auf das Hauptevent des Winters. Mit den Waffen einer Frau - Gold im Visier setzt den ungewöhnlichen Sportlerinnen ein Denkmal.
Sporterfolge als Dokumentation haben Hochkonjunktur bei den Filmemachern. Nach Söhnke Wortmanns Deutschland. Ein Sommermärchen (Fußball) und Winfried Oelsners Projekt Gold - Eine deutsche Handball-WM (Handball) beobachten Ralf Heincke und Florian Leidenberger die Athletinnen einer Sportart, die meist nur zu Olympia ins Radar der Sportfans gerät, weil sie ein sicherer Medaillenkandidat ist: das Biathlon der Frauen.
Langlauf kombiniert mit Schießen ist nicht gerade ein Volkssport und die gerade ans Licht kommende Finanzkrise des DSV unterstreicht das (Des-)Interesse der ganz breiten Masse für die alpinen Spitzenleistungen. Selbst wenn sie gewinnen, was das Zeug hält. Die Biathletinnen sind wie die Fußballfrauen seit Jahren Weltspitze und zählen bei den einschlägigen Veranstaltungen immer zum Kreis der Favoriten. Dass die Athletinnen nun seit fast Jahrzehnten und Sportler-Generationen konstant Spitzenpositionen einnehmen, ist nicht selbstverständlich - und wird doch oft genug eben erwartet. Heincke und Leidenberger haben die Vorbereitungen der Biathletinnen während des Sommers und durch die Saison 2006/07 bis zu den Weltmeisterschaften im italienischen Antholz begleitet.
In der vorigen Saison hatte Kati Wilhelm ihre Dominanz mit zwei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen in Turin eindrucksvoll demonstriert. Doch der Umbruch in der Mannschaft danach sorgt zumindest für Fragezeichen fürs neue Loipen-Jahr. Heincke und Leidenberger bleiben zunächst eng an Team-Star Wilhelm, wenn sie diese sowie Martina Glagow, Kathrin Hitzer, Sabrina Buchholz, Simone Denkinger, Magdalena Neuner und Andrea Henkel bei ihren Vorbereitungen im Sommer im amerikanischen Utah besuchen. Dort bieten die endlosen Straßen durch bergiges Gelände exzellente Bedingungen für schweißtreibendes Lauftraining auf Rollskis.
Monate vor Saisonbeginn sind Grundlagen wie Fitness und Ausdauer gefragt. Aus der Gruppe der jungen Frauen stehen die unbekümmerte Junioren-Weltmeisterin Neuner und die arrivierte, höchst erfolgreiche Kati Wilhelm besonders im Fokus der Filmemacher. Beide stehen an der Spitze ihrer Generationen und unterscheiden sich sowohl in Charakter, Herangehensweise und natürlich Erfahrung. Wilhelm, die schon alles gewonnen hat, erkennt die Konkurrenz innerhalb des eigenen Teams und honoriert gleichzeitig das Potenzial ihrer jungen Teamkameradin. Für sie ist es klar, dass es mit jedem Jahr schwerer wird die Spitzenposition zu halten. Deshalb hängt sie sich mehr als alle anderen rein. Für die 19-jährige Magdalena Neuner ist einfach alles neu, spannend und interessant. Während Wilhelm zwischen Ehrenbekundungen wie die Wahl zur Sportlerin des Jahres und der Abarbeitung von Trainingsplänen pendelt, mit Akribie ihre Situation und ihre Optionen analysiert, staunt Neuner erst einmal über das Leistungsniveau bei den Senioren. Das wird sie aber nicht daran hindern, später mal eben den Weltcup zu gewinnen. Ein Triumph aus dem Nichts, der Wilhelm Anerkennung abverlangt und das Team seltsamerweise zusammenschweißt. Die Saison hat nämlich nicht die erwarteten Erfolge gebracht und der Höhepunkt der Saison in Antholz naht. Nun wird klar, dass jeder seine Ziele verwirklichen will und die sind angesichts der Klasse der Athletinnen dieselben. Wie kann daraus ein Team entstehen?
Einblicke in die Privatsphäre gibt es nur wenig - außer Kati mit Freund/Techniker beim Abendessen, wo es ebenfalls nur ums Gleiten, Laufen und Schießen geht. Tatsächlich erstaunt der starke Fokus auf den Sport und die Aufgabe von Privatleben, der zwar alle Spitzensportler betrifft, aber selten so offen thematisiert wird. Dass Biathleten aber trotzdem locker sein können, zeigen sie bei ihrer besonders ekligen Mutprobe für der Neuen.
Heincke und Leidenberger verstehen es, Begeisterung für den Sport zu wecken, weil sie die Protagonistinnen in einem besonders positiven Licht darstellen, denn das Team aus Spitzenleuten hat gelernt zusammenzuarbeiten. Besonders sympathisch ist die Natürlichkeit der jungen Läuferinnen sowie die Teamfähigkeit der bereits erfolgreichen Wilhelm und Glagow. Daraus entsteht ein beschwingtes Gefühl, das sich auf die Zuschauer überträgt. Hier haben die Macher ebenso wenig Schwierigkeiten wie mit der Aufzeichnung der finalen Triumphe im Weltcup und bei den Weltmeisterschaften in Antholz.
Mit dem Kinostart kurz vor dem Saisonauftakt 07/08 könnte die lustvolle Dokumentation einige neue Fans rekrutieren. An den Loipen stehen bereits viel mehr als früher, aber zur Fernseh-tauglichen Massenbewegung ist noch ein weiter Weg. So darf man Mit den Waffen einer Frau - Gold im Visier durchaus auch als einen unterhaltsamen Werbefilm für den unterschätzten und gleichwohl erfolgreichen Sport sehen.