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Vor wenigen Tagen machte ich mich mit ein paar Freunden auf den Weg zum Silver Star, einem, ich möchte fast sagen, exquisiten Etablissement zum gehobenen Diner. Das Restaurant hat sich in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Ruf erarbeitet, den es vor allem der Spezialität des Hauses, dem "Boef aux Matrix" zu verdanken hat. Seit einiger Zeit gastiert der bekannte Koch Andrzej Bartkowiak in der Cuisine, der mit seinem Gericht "Homage a Shakespeare postmoderne" die Herzen der Feinschmeckerwelt eroberte. Seine neueste Kreation "Pipi quirler" wird wegen ihres unförmigen Äußeren auch spöttisch Exit Wounds - Die Copjäger genannt. Wir haben es uns nicht nehmen lassen, die neueste Schöpfung genauestens unter die Lupe zu nehmen.
Einige wenige, denen Exit Wounds - Die Copjäger bereits über den Gaumen geglitten war, waren sprachlos und waren nur noch zu einem kurzem aber energiegeladenen "Der wuchtet Dich um!" in der Lage. Allerdings war ich skeptisch, denn nach langer Abstinenz vom Teller, schaute der etwas hölzerne Steven Segal wieder beim Hauptgang vorbei. Als Beilage gab es eine große Portion DMX und eine humorvolle Priese Anthony Anderson. Nach einer annehmbaren Wartezeit von 30 Minuten stand das Exit Wounds - Die Copjäger dann endlich vor mir. Auf den ersten Blick machte es einen guten Eindruck und schien den Erwartungen standhalten zu können. Doch schon die nach den ersten Bissen war klar: Die Komposition war nicht ganz gelungen.
Nach anfänglicher solider Action, wurde damit begonnen, eine Handlung aufzubauen, die krampfhaft versuchte, mehr zu sein, als eine belanglose Actionfilm-Story. Das ganze Unterfangen ging natürlich voll in die Hose und manövrierte Exit Wounds - Die Copjäger schnell ins Abseits. Dummerweise wurden dadurch Steven Segals Schwächen gnadenlos aufgedeckt, denn er hat mit der Schauspielerei so viel am Hut hat, wie Mutter Beimer mit Hochseefischen. Seine Stärken liegen normalerweise bei der körperbetonten Haudraufaction, von der man sich einiges erwartet hatte. Wer an dieser Stelle perfekte Kampfkunst im Stile von Romeo must Die erwartete, wurde bitter enttäuscht. Stattdessen bekam man schlecht geschnittene Actionsequenzen geboten, die so viel Dynamik ausstrahlten wie eine Schildkröte beim 100 Meter Lauf. Als ob das nicht genug wäre, mußte man sich noch anschauen wie schlecht-getarnte Gummipuppen von Autos überrollt werden. Auch der erhoffte fetzige Soundtrack blieb weit hinter den Erwartungen zurück und wurde vor allem an den unpassendsten Szenen eingespielt. Selbst Ulknudel Anthony Anderson konnte den Karren nicht mehr aus dem Dreck ziehen und ging im Zelluloidmüll unter.
Nachdem ich bereits die fünfte Flasche kristallklares Felsquellwasser bestellt hatte, um das zähe Mahl hinterzuwürgen, wurde es mir zu blöd und ich brachte das Exit Wounds - Die Copjäger persönlich in die Küche zurück und schmiß es vor Andrzej Bartkowiak demonstrativ auf den Boden. Er verstand die Welt nicht mehr und weinte bitterlich. Sein Chef Joel Silver stand nach Exit Wounds - Die Copjäger buchstäblich in der Scheiße, da erboste Gäste das Gericht wutentbrannt in die Kloschüssel geworfen hatten und dadurch den Toilettenbereich fluteten. Die Instandsetzungsarbeiten werden noch einige Wochen andauern, bis dahin bleibt das Silver Star geschlossen. Hoffentlich reißen sich in Zukunft alle Beteiligten am Riemen, damit so etwas nie wieder passiert. |