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Vorne ist verdammt weit weg

(Vorne ist verdammt weit weg, 2007)

Dt.Start: 13. Dezember 2007
DVD: 07. November 2008
Premiere: 13. Dezember 2007 (Deutschland)
FSK: ab 6 Genre: Komödie
Länge: nicht bekannt Land: Deutschland
Darsteller: Frank-Markus Barwasser (Erwin Pelzig), Philipp Sonntag (Eduard Bieger), Christiane Paul (Chantal), Peter Lohmeyer (Johann Griesmaier), Franziska Schlattner (Melanie Bieger), Martin Eschenbach (Bertram Bieger), Tobias Oertel (Max Kienze), Sabrina White (Lisa)
Regie: Thomas Heinemann
Drehbuch: Frank-Markus Barwasser, Thomas Heinemann


Inhalt

Durch eine ungeschickte Handbewegung befördert Erwin Pelzig seinen Nachbarn Johann Griesmaier ins Krankenhaus. Ausgerechnet am Tag bevor der Chauffeur und siebenfache Familienvater seinen Chef Eduard Bieger aus der Kur abholen soll. Weil Griesmaier um seinen Job fürchtet und Pelzig Schuldgefühle plagen, springt der schusselige Nachbar ein und lernt dabei die sonderbare Welt der Wirtschaft kennen. Als er schließlich herausfindet, dass das Unternehmen Bieger kurz vor dem Untergang steht, versucht er es mit Hilfe der cleveren und verführerischen Eskortdame Chantal zu retten.
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Durchschnittliche Redaktionswertung

Vorne ist verdammt weit weg hat eine durchschnittliche Redaktionswertung von 74%
Keine weitere Wertung

Kritik

von Benjamin Schieler
Vorne ist verdammt weit weg hat eine Wertung von 74%
Der riesige Erfolg von Wer früher stirbt, ist länger tot hat bayerischen Filmen das Tor zur bundesweiten Aufmerksamkeit weit aufgestoßen. Der nächste, der in diese Lücke vorstoßen könnte, ist der Würzburger Frank-Markus Barwasser, Freunden des Kabarett und Hörern des Radiosenders Bayern 3 besser bekannt unter dem Namen Erwin Pelzig. Mit Vorne ist verdammt weit weg ist Barwasser und seinem Mitautoren und Regisseur Thomas Heinemann eine wunderbare Satire über die Gesellschaft und das Wirtschaftsleben gelungen.

Bild aus Vorne ist verdammt weit weg Die unbarmherzige Welt der Wirtschaft scheint dem arglosen Aushilfs-Chauffeur Erwin Pelzig (Frank-Markus Barwasser) nicht zu liegen. Kaum ist der hilfsbereite Hutträger für seinen verunglückten Nachbarn Johann Griesmaier (Peter Lohmeyer) eingesprungen, lernt er auch schon die ganze Bandbreite und die Tücken einer zynischen Branche kennen. Da ist zum Beispiel der schmierige Unternehmensberater Kienze (Tobias Oertel) mit seiner seltsamen Sprache. Angeschlagene Firmen, wie die von Griesmaiers ergrautem Chef Eduard Bieger, nennt er "sitting ducks". Außerdem spricht von "Underperformern" und von "emotional baggage". Während ebendiese "überflüssigen Arbeiter" T-Shirts mit der Aufschrift "Ich will Rente" tragen, Stammwerke in Deutschland geschlossen werden sollen, um die Produktion in die Mongolei zu verlagern, Betriebsräte über Sozialromantik oder Rendite streiten, mahnt der Wirtschaftsminister Dr. Margenmeier lediglich dazu, nach vorne zu schauen. "Vorne ist aber verdammt weit weg", kann Pelzig da nur sagen, "vor allem, wenn man ganz hinten steht." Doch nur eine Person scheint ihn wirklich zu verstehen. Chantal (Christiane Paul), eine ehemaligen Wirtschaftsanwältin, die nach dem Verlust der Zulassung als Edelkurtisane arbeitet, ihre Kunden aber behalten konnte. Mit ihrer Hilfe versucht Pelzig, das System mit seinen eigenen Waffen zu schlagen - und Biegers Firma vor der Übernahme durch russische Investoren zu retten.

Klassische Themen für eine Komödie haben sich die langjährigen Freunde Frank-Markus Barwasser und Thomas Heinemann für ihre erste Kinoproduktion nicht gerade ausgesucht. Börsenkurse, Arbeitsmarktproblematik, Globalisierung - mit solchen und ähnlichen Inhalten grenzen sich stets auch politisierende Kabarettisten bei ihren Bühnenprogrammen von den typischen Vertretern der Comedy-Szene ab, denen es schlicht um Unterhaltung geht. Doch bei der Frage, ob eine Adaption kabarettistischer Themen auf die Leinwand problemlos vonstatten gehen kann, sind zumindest leise Zweifel erlaubt. Zweifel aber, die in Vorne ist verdammt weit weg davon gewischt werden. Auch wenn Erwin Pelzig ganz bewusst wie ein Fremdkörper im Ensemble erscheint, wie ein Wilder in einer Gruppe Zivilisierter, wie ein kleines Kind unter Erwachsenen, ist er nicht der Alleinunterhalter. Und dennoch beinhaltet der tragisch-komische Film, der in Bayern bereits zwei Wochen vor dem Start im restlichen Bundesgebiet zu sehen sein wird, genug augenzwinkernden Humor, so dass man am Ende nur zu einem Schluss kommen kann: Der Markt spinnt.



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