Mit seinem Debütfilm Wer früher stirbt, ist länger tot schaffte Marcus H. Rosenmüller einen Erfolg mit dem niemand gerechnet hätte. Bayern entdeckte auch auf der Leinwand seine Wurzeln wieder und so war Beste Zeit ebenfalls mit Erfolg gesegnet. Der jetzt startende Beste Gegend reiht sich nahtlos in das Erfolgs-Schema ein und legt nochmal an Gefühl und Inszenierung zu!
Vor allem in Bayern genießen die Filme von Marcus H. Rosenmüller immer eine große Aufmerksamkeit. Dies liegt einerseits natürlich am bayerischen Dialekt und der Landschaft, andererseits aber auch sicherlich an der Mentalität, die er in seinen Filmen so real darstellt. Dadurch werden bei jedem Erinnerungen wach, die einen emotional an die Charaktere und deren Erlebnisse binden und schon ist man mittendrin statt nur dabei.
Die beiden Freundinnen Kati und Jo sind mitten im Abi-Stress und wollen auf Weltreise gehen, sobald die Schule endlich vorbei ist. Vor allem Jo hält nichts mehr zu Hause und so ist sie die treibende Kraft, die unbedingt aus Tandern weg will. Doch schon kurz nach der Abfahrt müssen die Beiden umkehren, denn Katis Opa wird krank und muss ins Krankenhaus. Wieder zurück in der Heimat wachsen in Kati die Zweifel, wohin sie eigentlich gehört und wo der Platz für ihr Leben ist. Doch Jo ist fest entschlossen und so eskaliert die Situation zwischen den Freudinnen...
Mit Beste Gegend wird die als Trilogie geplante Geschichte von Kati und Jo so fortgesetzt, wie es mit Beste Zeit begonnen hatte. Wieder ist die Inszenierung geprägt von dem Dialekt, der Landschaft und den Erinnerungen, die jeder an seine Jugend auf dem Lande hat. Die beiden Hauptdarstellerinnen Anna Maria Sturm und Rosalie Thomass scheinen sich in ihre Rollen noch mehr eingelebt zu haben und in mehreren Szenen wirkt es fast wie eine Dokumentation ihrer realen Leben. Auch die Art der Inszenierung ist gewachsen. So entwickelt sich Rosenmüller wieder weiter und verstärkt die Einbindung der ruhigen Töne, die bereits in Beste Zeit ansatzweise vorhanden waren.
Da gibt es beispielsweise einige Szenen, in denen das Schauspiel der Darstellerinnen ohne große Dialoge eine so immense Aussagekraft hat und durch die gesamte Atmosphäre des Films den Zuschauer förmlich in den Sitz drückt. Hochemotional und dennoch unaufdringlich werden wieder die Jugend-Erinnerungen wach und all' die Fragen, die man sich selbst in dem Alter gestellt hat. Man lebt mit Kati und Jo seine eigene Jugend noch einmal.
Man sollte sich aber keine riesigen Überraschungen erwarten, denn die Story ist nicht auf große Dramatik ausgelegt. Dies mag dem ein oder anderen vielleicht übel aufstoßen, denn letztlich ist die Trilogie weder spannend noch dramatisch. Doch das Leben allein bietet davon eigentlich schon genug, also freuen wir uns bereits jetzt auf das Trilogie-Ende Beste Chance, das uns weiter am Leben von Kati und Jo teilhaben lassen wird!