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Vom Nordpolarmeer bis hinunter zur Antarktis spannt der Film seinen wunderschönen, bildgewaltigen Bogen, hält hier und dort an ausgesuchten Stellen inne und beleuchtet punktuell mit grandiosen Aufnahmen die unfassbare Naturschönheit dieses Planeten. Da werden einzelne, kurze Bewegungsmomente in Superzeitlupe zelebriert und ganze Jahreszeiten zu einem flammenden Waldfarbenmeer zusammengerafft - mehr noch, die virtuosen Kameratricks dringen still und heimlich durchs Hintertürchen in eine andere Dimension vor und machen aus anderthalb Kinostunden kurzerhand mal gefühlte 45 Minuten Schauen und Staunen und Beseeltsein.
Filme, die die Schönheit der uns umgebenden Natur im Kleinen zeigen, habe ich zuletzt einige gesehen (Der Schmetterling, Die Reise der Pinguine, Der Fuchs und das Mädchen), und alle sind zu empfehlen, denn uns modernen, stressgeplagten, virtuellen Computermenschen kommen Zeit und Muße zum Stehenbleiben und Betrachten und Genießen dieser ursprünglichsten Dinge immer mehr abhanden. Von unseren Kindern ganz zu schweigen, die häufig eben nicht wissen, dass Kühe NICHT lila sind. Allein schon aus diesem Grund ist alles willkommen, was ein wenig Rückbesinnung auf Wind und Wärme und Tiere und Pflanzen und den Lauf des Lebens mit sich bringt.
Aber damit ist es ja leider nicht genug, denn nicht nur der Blick für die Natur entzieht sich uns zusehends, auch die Natur selbst tropft uns wie Pech durch die Finger, seit Jahrzehnten schon und es nimmt und nimmt kein Ende: Nordseeverklappung, Ölpest, Waldsterben, saurer Regen, Ozonloch, Treibhauseffekt, Klimawandel - der menschlichen Unfantasie sind offenbar keine Grenzen gesetzt. Und da kommt dieser global angelegte Dokumentarfilm genau zur rechten Zeit und macht genau das Richtige: er lässt den pädagogischen Zeigefinger in der Tasche, erhebt (von einigen Worten im Abspann) keine direkte Anklage, buhlt nicht um Tränen und Mitleid und Betroffenheit. Er zeigt uns einfach, was wir besitzen, was für ein einzigartiger Schatz da in unseren Händen liegt. Noch ist es nicht zu spät, noch können wir bei all dem, was der Film uns vor Augen führt, aufrichtig und wahrheitsgemäß sagen: ja, diese atemberaubende Vielfalt hat die Erde zu bieten! Noch ist es Gegenwart, jetzt und hier und unmittelbar um uns herum, und noch dürfen wir die letzten Exemplare verschiedener Tierarten zu unseren Zeitgenossen zählen. Noch.
Fünf Jahre Produktionszeit. Gefilmt von einer 40-köpfigen Spezialistentruppe. Mehr als 200 Schauplätze. Stolz können sie sein, all die Macher rund um Regisseur Alastair Fothergill (Deep Blue), die da in mühevoller Kleinarbeit tausend Perlen aufgereiht haben. Und eins ist gewiss: Ihr leises und unaufdringliches Flüstern hallt lauter und tiefer in mir nach, als es der wütendste Anklageschrei jemals hätte tun können. |