Das schwierigste an Animationsfilmen ist es wohl, die Charaktere lebendig wirken zu lassen. Einerseits will man natürlich möglichst ausgefallene Akteure - wie Ratten oder Autos - die dann aber dennoch Emotionen zeigen können, sie sollen eben zu Schauspielern werden. Einen guten Animationsfilm erkennt man also zwangsläufig daran, ob man nur computeranimierte oder eben schauspielende Figuren auf der Leinwand sieht. Nicht nur bei diesem Maßstab schlägt Wall-E - Der letzte räumt die Erde auf alles bisher im CGI-Bereich da gewesene und präsentiert sich damit als brillantes Meisterwerk!
Wenn die Möglichkeiten der Computer-Animation so gut sind, dass man nur noch Details verbessern kann, die der Kinozuschauer kaum noch zu erkennen vermag, dann muss man sich neue Herausforderungen suchen, um die Konkurrenz auszustechen. Seit Jahren ist es bei Pixar die fantastische Umsetzung von tollen Geschichten, aber auch die verschiedenen Ebenen für alle Altersgruppen, die das Animationsstudio vom Rest abhebt. Sich jetzt einem Roboter anzunehmen, der sicherlich nicht die schwierigste Aufgabe für das Animationsteam darstellt, wirkte auf den ersten Blick etwas zu einfach, doch spätestens seit dem ersten Teaser wusste man: Pixar wird wieder etwas Großes erschaffen!
Die Schwierigkeit lag bei diesem Streifen also sicherlich nicht in der Realitätsnähe, denn schließlich handelt es sich eigentlich um einen Science-Fiction-Streifen in dem man alles darf, sondern vielmehr darin, ob man es schafft einer Blechbüchse ein Leben einzuhauchen und eine Identifikationsfigur für den Zuschauer zu kreieren. Da aber selbst das den Profis bei Pixar scheinbar noch zu einfach war, baute man einfach mal eine Romanze in den Film - zwei Roboter, die sich ineinander verlieben! Daraus geworden ist wohl eine der wunderbarsten Liebesgeschichten, die die Kinoleinwände unseres Jahrhunderts bisher gesehen haben!
Beginnend mit der, aus den Trailern bekannten, Tristesse auf der Erde schließen wir die süße Blechbüse Wall-E, die unseren Dreck aufräumen muss, auch sofort ins Herz. Die gesamte Mimik gepaart mit den Pieps und Pfeifgeräuschen sorgt nach wenigen Minuten bereits dafür, dass wir keinen Roboter, sondern einen tiefgründigen Charakter vor uns sehen. Er scheint viel durchgemacht zu haben, denn bis auf seinen Freund - die Kakerlake - ist er ganz allein auf unserem Planeten und das seit über 700 Jahren! Durch diese besonderen Umstände hat Wall-E ein Eigenleben entwickelt, vernachlässigt aber seine Aufgabe - Planet Erde vom Müll zu befreien - auf keinen Fall. Als dann jedoch ein Raumschiff mit dem Roboter Eve landet ist es um den Kleinen geschehen: Er ist verliebt!
Lange nach dem Film habe ich mich gefragt, woran man einen solchen Streifen nun messen soll. Denn irgendwie fühlte ich, dass ich etwas Großartiges gesehen hatte, doch mein Gehirn vermochte nicht so recht zu sagen, woran das nun lag, denn gerade im mittleren Teil hat der Film sogar mit Längen zu kämpfen. Als ich dann spät am Abend ein wenig zur Ruhe gekommen war und mir nochmal die Bilder vor Augen rief, da passierte es: Ich realisierte, wie sehr mich die Ausdrucksstärke mitgenommen hatte und begann zu weinen! Ich weinte tatsächlich darüber wie wunderbar einerseits die Liebe zwischen Eve und Wall-E ist, andererseits aber auch über die Ängste die ich ausgestanden hatte, als Wall-E in Gefahr, ja sogar dem Tode nahe war... Erst jetzt wurde mir klar, wie sehr mich das Schauspiel dieser kleinen süßen und absolut liebenswerten Blechbüchse wirklich berührte. Sie berührte mich mehr als Jack Dawson, wie er in die Dunkelheit des Meeres hinab sank, sie berührte mich mehr als Forrest Gump, der immer weiter läuft.
Pixar hatte es also tatsächlich geschafft jemanden wie mich - der normalerweise für seine harsche Kritik und Distanziertheit bekannt ist - so stark zu vereinnahmen, dass ich allein beim Gedanken an diese Szenen meine Gefühle nicht mehr unter Kontrolle hatte. Mehr als 15 Jahre Kinoerfahrung, mehrere 1000 Filme, doch so stark und so unkontrollierbar war es noch nie. Und das obwohl alles doch nur Fiktion ist, ein computeranimierter Roboter, also der krasse Gegenpart des Menschen - die Identifikation hätte nicht schwieriger sein können, aber wieder einmal haben sie es geschafft!
Die Frage nach der Qualität dieses Filmes stellt sich also eigentlich nicht mehr, denn dass Bedingungen wie kindergerecht, tiefgründig, vielschichtig und dennoch lehrreich auf nahezu alle Pixarfilme zutreffen, ist landläufig bekannt. Dass man aber aus einem Roboter den wohl besten Schauspieler unserer Zeit macht und damit Menschen so sehr berührt, ist sicherlich einzigartig!
Warum ich bis heute weine, wenn ich an die Szenen denke, kann ich nicht genau sagen, aber vielleicht liegt es einfach daran, dass mit Wall-E - Der letzte räumt die Erde auf einer der menschlichsten Charaktere dieses Jahrhunderts auf unsere Leinwände gezaubert wurde! Vielen Dank Pixar für diese wunderbare Erfahrung!