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Half Nelson

(Half Nelson, 2006)

Dt.Start: 27. März 2008 Premiere: 22. März 2006 (Festival, USA)
FSK: ab 12 Genre: Drama
Länge: 110 min Land: USA
Darsteller: Ryan Gosling (Dan Dunne), Jeff Lima (Roodly), Shareeka Epps (Drey), Nathan Corbett (Terrance), Tyra Kwao-Vovo (Stacy), Rosemary Ledee (Gina), Tristan Wilds (Jamal), Bryce Silver (Bernard), Kaela C. Pabon (Lena), Erica Rivera (Erika), Stephanie Bast (Vanessa), Eleanor Hutchins (Simone), Sebastian Sozzi (Javier), Tina Holmes (Rachel), Karen Chilton (Karen)
Regie: Ryan Fleck
Drehbuch: Ryan Fleck, Anna Boden


Inhalt

Dan Dunne unterrichtet Geschichte in der 8. Klasse einer New Yorker High School. Zerrissen zwischen den Lektionen fürs Leben, die sein Unterricht den Schülern geben soll, und der harten Realität, die er trotz seines Idealismus nicht ändern kann, entflieht er der Welt mit Drogen. Eines Tages erwischt ihn seine 13-jährige Schülerin Drey, als er auf der Toilette einen Joint raucht. Drey versteht seine Frustration, sieht sie doch kaum ihre allein erziehende Mutter, die Überstunden machen muss, um sie zu ernähren. Es entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden, die für beide sowohl problematisch ist, aber möglicherweise auch einen Neubeginn darstellen könnte.
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Kritik

Half Nelson hat eine Wertung von 70%
Ein Lehrer und seine Lieblingsschülerin freunden sich an, nachdem sie ihn beim Koksen erwischt hat. Ryan Fleck porträtiert in dem Highschool-Drama eine ungewöhnliche Freundschaft mit zärtlicher Nüchternheit. Ryan Gosling war für seine Rolle 2007 Oscar-nominiert und so kommt Half Nelson nun mit reichlich Verspätung in unsere Kinos.

Bild aus Half Nelson Bei seiner Tour durch die Festivals dieser Welt erntete das Regiedebüt von Ryan Fleck, Half Nelson, die Ovationen von Publikum und Presse. Das verhinderte allerdings nicht, dass es fast zwei Jahre dauerte, bis das eindringliche Drama nun endlich die breite Öffentlichkeit erreicht. Das geschieht berechnend im Gefolge von Ryan Goslings Oscar-nominiertem Lars und die Frauen, obwohl, vielleicht ironischerweise, Gosling für letztere Komödie gar nicht für einen Oscar nominiert war.

In der Brooklyner Sommerschwüle arbeitet Dan Dunne (Gosling) als Sport- und Geschichtslehrer an einer unterprivilegierten Highschool. Anders als viele Kollegen kann er seine persektivenlosen Schüler begeistern, weil er scheinbar die Realität akzeptiert und das Beste für seine Schüler daraus macht. Allerdings kann auch er die Unwegsamkeiten seines persönlichen Schicksals nicht überwinden und kompensiert diese durch heimlichen Drogenkonsum. Anders als seine Ex, die den Absprung schaffte, hat das Lehrervorbild sein Leben nicht im Griff, obwohl er es eigentlich besser weiss. Doch eines Tages erwischt ihn seine Lieblingsschülerin Drey (Shareeka Epps) nach dem Sportunterricht, wie er auf den Trip geht. Statt Skandal bringt dieses Erlebnis die 13-jährige und den Lehrer einander näher. Die abgeklärte Drey kennt nicht nur die Drogen und ihre Auswirkungen bestens aus ihrem persönlichen Umfeld, sie bringt ihrem Lehrer auch schwärmerische Gefühle entgegen. Dan hingegen findet in ihr Gesprächspartner und Tochterfigur, so dass er schnell bereit ist, für sie einzustehen, als sie zunehmend in Schwierigkeiten gerät. Die kommen mit Dealer Frank (Anthony Mackie), der Dreys Bruder im Knast versprochen hat, sich um die Kleine zu kümmern. Das tut er auch, nur leider auf die einzige Weise, die er kennt. Er will sie als Drogenkurierin einsetzen. So kommt es zum gefährlichen Streit zwischen den Männern, wer der schlechtere Umgang für das Mädchen ist.

Mit kleinem Budget und kleinem Team realisert Ryan Fleck Half Nelson als Erweiterung seines Kurzfilmes Gowanus, Brooklyn und demonstriert frisch-freches Regietalent made in New York. Hart an der Realität, ohne Scheu vor Widersprüchen und gänzlich unsentimental porträtiert er drei Menschen, die am Scheideweg stehen und, von Milieu und Moral bedrängt, eine Entscheidung treffen müssen. Virtuos findet Fleck physische und emotionale Spannung in Figuren, Ereignissen und Konstellationen und inszeniert ein kompaktes menschliches Drama, das niemals den Ernst des Lebens ignoriert und trotzdem die Hoffnung nicht verschmäht. Als Geschichtslehrer gibt Dan Dunne die Marschroute vor, wenn er Geschichte sowohl als stetige Veränderung aber auch als Wiederholung und Stagnation beschreibt. Dabei erweist sich der ideale Lehrer nicht als Idealist sondern als lethargischer Spielball seiner Sucht.

Immer schwebt zwischen Dan und Drey auch eine sexuelle Spannung, die von seiner Einsamkeit und ihrer Schwärmerei genährt wird. Auch Frank gibt nicht einfach nur den skrupellosen Dealer, auch wenn er mit der Gewalt per Du ist. Seine Sorge um das Mädchen wirkt nicht minder authentisch als das Plastik seiner Drogenpäckchen, die er Dan verkauft. Half Nelson ist ein erfrischendes und in allen Belangen ambivalentes Drama geworden, das Realität zelebriert und Hollywood-Konventionen ignoriert. Ein dramatisches Kleinod, das sich seinen Erfolg beim Publikum verdient hat.

von Harald Witz


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